„Ich will meine Bibliothek mit 15.000 Büchern, darunter seltene Sammlungen, den Menschen zugänglich machen.“ Mit diesem Anspruch hat der aus Wien stammende Allgemeinmediziner und leidenschaftliche Wissenschaftler Michael Schüller in Bleiburg/Pliberk die Bleiburger Werkstatt für Sozial- und Kulturwissenschaften, kurz SoKuWiB, ins Leben gerufen.

Schüller kam 2015 erstmals in die Stadt und blieb. „Ich habe Bleiburg/Pliberk lieben gelernt“, sagt er. 2023 erwarb er den sogenannten Zitatensaal sowie eine Wohnung für Studierende. Heute befinden sich im Zitatensaal auf rund 150 Quadratmetern eine umfangreiche Bibliothek, zwei Arbeitsplätze für Studierende, ein Bühnenraum und ein kleines Büro. Schüller spricht mit einem Augenzwinkern vom „Zitatenschloss“. Der 2024 gegründete Verein zählt derzeit vier Mitglieder und wird, wie bei Museums- und Wissenschaftsvereinen üblich, nicht erweitert. Sein Schwerpunkt liegt auf der Förderung regionaler Forschung in Kooperation mit Universitäten in Österreich, Slowenien und Italien. Studierende sollen hier ihre Master- oder Doktorarbeiten verfassen können. „Viele Professoren sind sehr begeistert, Studenten nach Bleiburg zu schicken“, berichtet Schüller. Die wissenschaftliche Qualität der Arbeiten liege in der Verantwortung der jeweiligen Universitäten.

Inhaltlich sieht er in der Region noch erheblichen Forschungsbedarf. „Gerade in den Sozial- und Wirtschaftswissenschaften gibt es hier viele weiße Flecken“, betont er. Themen wie Zweisprachigkeit, Spannungen zwischen den Volksgruppen, regionale Wirtschaftsstrukturen oder die Auswirkungen der neuen Koralmbahn stünden zur Diskussion. Der erste Doktorand des Vereins wird in den nächsten Jahren zur „Mobilität in Bleiburg und Umgebung“ forschen. 

Zentrale Elemente der regionalen Identität

Die Zweisprachigkeit und die Grenzlage im Alpen-Adria-Raum betrachtet Schüller als zentrale Elemente der regionalen Identität. Genau hier wolle SoKuWiB ansetzen: wissenschaftlich fundiert, aber offen für die Öffentlichkeit. Vorträge, Diskussionsabende, Publikationen und Exkursionen sollen Forschungsergebnisse zugänglich machen und den Austausch fördern.

Impulse für die Region liefern

Der Verein versteht sich als Plattform für Studierende, Akademiker und historisch Interessierte gleichermaßen. Wissenschaft solle nicht im Elfenbeinturm bleiben, sondern Impulse für die Region liefern. „In einer wirtschaftlich eher zurückhaltenden Gegend kann Forschung neue Perspektiven eröffnen“, ist Schüller überzeugt. So positioniert sich SoKuWiB als neues, wenn auch kleines Forum für wissenschaftlichen Diskurs in Bleiburg/Pliberk und darüber hinaus getragen von privatem Engagement, aber mit dem Anspruch, nachhaltige Akzente im kulturellen und gesellschaftlichen Leben der Region zu setzen. Am 26. März mit Beginn um 18:30 Uhr findet im Zitatensaal die Vernissage mit Werken des Künstlers Ernst Arbeitstein statt, der auch in Bleiburg/Pliberk gewirkt hat. Infos unter: http://www.sokuwib.at.