Am Südausläufer der Saualpe im Bezirk Völkermarkt liegt auf rund 930 Metern Seehöhe ein kleines Bergdorf. Hier wurde im 19. Jahrhundert nach Silber-, Eisen- und Manganerzen geschürft. Einige dieser alten Knappenstollen waren lange erkennbar, einer davon diente in den 1950er Jahren als Versteck.
Auf einer Landwirtschaft lebte eine verwitwete Bäuerin, die in zweiter Ehe verheiratet war. Auf diesem Hof fand nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges die 26 Jahre alte Magd, die aus Polen gebürtig war, Arbeit. Die junge Frau soll nicht nur unter dem tyrannischen Dienstgeber gelitten haben, sondern sah auch so manches, das nicht rechtens war. Und beschloss, den Hof zu verlassen. Von diesem Tag an verliert sich ihre Spur – bis zum März 1947. Da berichtete ein Mann von einem Verwesungsgeruch, den er aus einem Knappenstollen wahrgenommen hatte. Er hielt Nachschau und entdeckte im Stollen eine großteils verweste Leiche, die dennoch recht rasch als Magd identifiziert werden konnte. Es dauerte noch einige Zeit, bis der Täter aus dem Umfeld der Bauernfamilie überführt, verhaftet und vor Gericht gestellt werden konnte. Dort fasste er eine Gefängnisstrafe aus. Ein Landarbeiter, der ebenfalls in Verdacht geraten war, war zurück nach Jugoslawien gekehrt und unauffindbar.
Von dieser und anderen schaurigen Geschichten erzählt der Autor Valentin Hauser in seinem Buch „Protokolle des Bösen“ (Hermagoras-Verlag). Hauser, bis zu seiner Pensionierung Gemeindebeamter in Griffen, versteht sich als Chronist, den „Neugier und Faszination des Abgründigen“, wie er sagt, auf dieses Thema gebracht haben. Im Zuge seiner Recherchen steckt der 76-Jährige seine Nase einmal in alte Zeitungen. „Über solche Vorfälle wurde früher ja viel geschrieben und berichtet. Ein wahrer Fundus ist die Homepage der Österreichischen Nationalbibliothek, über die man einen Zugriff zu den Zeitungen von damals hat. Aber auch in verschiedenen anderen Archiven wie dem Kärntner Landesarchiv oder dem Wiener Staatsarchiv sind noch Dokumente und Unterlagen vorhanden“, erzählt er. Zuerst erweckt eine Tat sein Interesse, dann forscht er weiter nach Hintergründen, nach den Motiven, nach dem Umfeld, in dem sich ein Kriminalfall zugetragen hat. „Wenn es möglich ist, spreche ich auch noch mit Zeitzeugen.“ Parallel dazu macht er sich auf die Suche nach Fotos. Dann entsteht ein „Textgerippe“, das mit immer mehr Informationen gefüttert wird, bis schließlich die druckreife Geschichte auf dem Tisch liegt.
Das Schreiben von Büchern war von Hauser anfangs nicht geplant. Nach seiner Pensionierung wollte er über sein Heimatdorf Greutschach, wo er als Sohn einer Bergbauernfamilie aufgewachsen ist, lediglich eine kurze, einfache Chronik veröffentlichen. Sein langjähriger Freund, der Nobelpreisträger Peter Handke, ermunterte ihn schließlich dazu, die Ergebnisse der Nachforschungen in ein Buch fließen zu lassen. Und so entstanden bis heute acht Bücher.
Hauser feilt aber bereits an der nächsten Publikation. „Bei einer Kur in Althofen habe ich meine Aufzeichnungen über meine Begebenheiten mit Peter Handke zur Hand genommen. Inzwischen ist es fix, dass ich darüber berichten werde.“ Damit wird Hauser seinen Lesern ein Stück Literaturgeschichte eröffnen.