Vom „Zufall“ zum System – bestärkt durch Strukturen, die es ihm besonders leicht gemacht haben sollen. So erklärt der Villacher Herbert Moser, wie er zum gewerbsmäßigen Betrüger wurde. Moser stellte der Wohnbaugenossenschaft „Meine Heimat“ 224 Waschmaschinen in Rechnung, lieferte sie jedoch nie. Er wurde zu zwei Jahren Haft verurteilt, acht Monate davon unbedingt. Nun sucht er die Öffentlichkeit: Er schrieb ein Buch und gab der Kleinen Zeitung ein Interview.

Er wolle im Nachhinein niemanden „anpatzen“, seine Taten nicht relativieren, sagt Moser. Dennoch beginnt seine Erzählung mit einem „Zufall“, der ihn auf die schiefe Bahn gebracht habe. Beinahe könnte man meinen, so etwas könne jedem passieren. Doch genau hier ist eine Einordnung notwendig: Zwischen dem einmaligen Versäumnis, die Lieferung einer Waschmaschine zu vergessen und der bewussten Entscheidung, dieses Vorgehen 223 Mal zu wiederholen, liegen Welten.

Wie Moser selbst einräumt, hätte er jederzeit aussteigen können – er tat es nicht. Seine Reue wirkt glaubhaft, bleibt jedoch auffallend auf die eigenen Konsequenzen konzentriert. Die Perspektive der eigentlichen Opfer – die Mieterinnen und Mieter, die für Geräte bezahlten, die sie nie erhielten – kommt in seiner Darstellung kaum vor. Hinzu kommt: Nicht alle seiner Schilderungen decken sich mit jenen der Staatsanwaltschaft.

Die Frage, wie Moser zum Täter wurde, beantwortet er jedenfalls ausführlich. Offen bleibt jedoch die entscheidendere: Wie konnte ein Betrug in diesem Ausmaß so lange unentdeckt bleiben? Die Antwort darauf kann nicht alleine vom Täter kommen.