„Angst haben wir nie gehabt, aber vorsichtig waren wir immer“, erzählt Helga Hufnagl aus Preding bei Weiz. Mit 22 Jahren verschlug es die heute 69-Jährige das erste Mal nach Bagdad, später nach Ghana und Den Haag. In Bonn lernte sie ihren Mann Manfred Hufnagl kennen. Mit dem gebürtigen Oberösterreicher hat sie einen Sohn, der 1999 geboren wurde, als sie gerade in Berlin lebten.
Das Ehepaar arbeitete jahrzehntelang als Assistentin bzw. Assistent für unterschiedliche Botschafter. „Wir haben Termine vereinbart, Berichte geschrieben, Administratives erledigt, Einladungen und Abendessen organisiert“, erzählen die beiden, die seit vergangenem Juni wieder in Helgas Heimat in Preding wohnen.
Verschwiegenheit wurde dabei großgeschrieben. Ständige Überwachungen gehörten zum Alltag. „Wenn wir Urlaub gefahren sind, haben wir davon ausgehen können, dass das Hotelzimmer verwanzt ist“, erzählt Manfred Hufnagl.
Der Botschafter warnte ihn vor möglichen Spionageversuchen, beispielsweise durch junge, hübsche Frauen. Auch „Beschützer“, die ihnen folgten, waren nichts Ungewöhnliches. Vor allem während ihrer Zeit im Iran.
Bomben im Iran
2019 zog das Paar nach Teheran, wo es bis Juni 2025 lebte – bis sie evakuiert wurden. „Ich hab zuerst an ein Erdbeben gedacht“, schildert Manfred Hufnagl. Doch die Stadt wurde bombardiert. „Die Wohnung hat gewackelt, ich hab beim Fenster rausgeschaut und die Rauchwolke gesehen“, erinnert sich Helga Hufnagl. Nur 300 bis 400 Meter entfernt schlug eine Bombe ein.
„Die Straßen waren leergefegt. Unsere Wohnung hat sich 15 Fußminuten von der Botschaft befunden. Normalerweise fahren ständig Autos an, an dem Tag waren es drei“, erzählt Manfred Hufnagl. „Und das war harmlos im Gegensatz zu den Dingen, die jetzt dort passieren“, ergänzt seine Frau. „Von Juni bis Oktober war die Botschaft geschlossen.“ Für das Ehepaar ging es nach Hause, es wurde evakuiert. „Wenn das nicht passiert wäre, wären wir länger im Iran geblieben.“
Krieg ist „Katastrophe“
Kontakt zu Bekannten haben sie kaum. „Es ist alles abgeschaltet, ich hab nur einmal mit meinem ehemaligen Chauffeur geredet und ihn gefragt, ob es ihm gut geht“, sagt Manfred Hufnagl. Den Angriff der USA auf den Iran bezeichnet er als „Katastrophe“. Das Regime sei so gut verankert, dass es unglaublich schwer werde, einen Regierungswechsel zu vollführen, schätzt Hufnagl die Lage ein.
Bei all der Aufregung gab es jedoch auch schöne Momente: Sie lebten in der Schweiz, in Indien, am besten gefallen hat es dem Paar in Saudi-Arabien. Von der Wüste und der trockenen Hitze schwärmen beide. Das unterschiedliche Klima war durchaus immer wieder eine Herausforderung. Wie auch die häufigen Umzüge, vor allem mit Kind. „Wir haben immer zuerst geschaut: Was gibt es da für Schulen“, erzählt der 68-Jährige.
Autofahren in der Wüste
Anpassungsfähigkeit war gefragt. In Saudi-Arabien etwa durften Frauen nicht Auto fahren. „Warum soll ich mich darüber ärgern?“, meint Helga Hufnagl gelassen. „Ich hab mich eben von meinem Mann chauffieren lassen. In der Wüste bin ich übrigens trotzdem gefahren.“
Für den Job müsse man die richtige Einstellung haben, kulturelle Unterschiede seien normal, dazu gehörte eben auch das Tragen eines Kopftuchs oder eines Huts, etwa in Saudi-Arabien oder im Iran.
Die Gastfreundschaft der Einheimischen heben die Hufnagls hervor. Auch am Essen erfreuten sie sich, etwa an Mangos aus Indien oder Datteln aus Saudi-Arabien. Doch auch ein Stück Heimat durfte nicht fehlen: So reiste Helga Hufnagl immer mit Brot aus Passail, wie sie schmunzelnd erzählt. Längere Reisen sind derzeit keine geplant. „Ich bin froh, dass ich keinen Koffer mehr packen muss“, sagt Manfred Hufnagl.