Voll besetzt war der Lebensraum in der Postgasse, als die Stadt Villach Montagabend zur Informationsveranstaltung „Wie begegnet Stadtplanung den Herausforderungen der Zukunft?“ lud. Im Zentrum stand das neue örtliche Entwicklungskonzept, der langfristige Fahrplan für die Stadtentwicklung. Moderiert wurde die Veranstaltung von Stadtplaner Klaus Rauter.
Innenstadt soll wieder das Herz von Villach werden
Stadtrat Harald Sobe (SPÖ), Stadtplanungs- und Baureferent, eröffnete mit einer klaren Einschätzung. Villach müsse seine Strukturen neu denken. Quartiersentwicklung, leistbares Wohnen und Renaturierung seien zentrale Aufgaben. „Der innere Stadtkern war irgendwann nicht mehr das Herzstück der Stadt, weil viele rausgezogen sind. Die Stadt soll wieder Mittelpunkt werden“, sagte Sobe. Mit Projekten wie dem Nikolaiviertel, dem Westbahnhof und dem Marktviertel sollen neue urbane Kerne entstehen. Auch die Energieraumplanung und eine stärkere Verdichtung spielen dabei eine Rolle.
„Klare Trennung von Siedlungs- und Nichtsiedlungsgebieten“
Den fachlichen Schwerpunkt setzte Arthur Kanonier, Professor an der TU Wien und Leiter der Forschungsbereiche Rechtswissenschaften sowie Bodenpolitik und Bodenmanagement. Seine Diagnose: Flächenkonkurrenz und Nutzungsdruck nehmen zu, gleichzeitig verändern klimatsiche Veränderungen die Anforderungen an die Planung. Ein zentrales Prinzip sei die klare Trennung von Siedlungs- und Nicht-Siedlungsräumen sowie der langfristige Schutz zusammenhängender Grünflächen.
Kanonier betonte, dass Entsiegelung und Regenwassermanagement zu Schlüsselthemen werden. „Versickerung ist nicht nice to have. Es ist essenziell.“ Gleichzeitig sei die Umsetzung komplex. Unter versiegelten Flächen verlaufe oft essentielle Infrastruktur wie Kabel oder Kanäle, systematische Lösungen seien hier notwendig. Auch im Bestand liege großes Potenzial, etwa durch Verdichtung in Einfamilienhausgebieten, das er jedoch als eines der emotionalsten Themen bei dem Thema hält.
Wohnraum und Gewerbe rücken immer näher zusammen
Konflikte sieht der Experte auch zwischen Wohnbau und Wirtschaft. Heranrückende Wohnbebauung an Betriebsstandorte führe zunehmend zu Problemen. Hier brachte Kanonier die Anwesenden mit dem Satz: „Der Landwirt ist in Österreich noch immer der größte Raumplaner. Wenn er ein Grundstück verkauft, wird dort gebaut“, zum Lachen. Ebenso heikel sei die Rückwidmung von Bauland, da sie massiv in Eigentumsrechte eingreife. Trotz rückläufiger Flächeninanspruchnahme fehle eine klare Erklärung , warum das passiert. Wirtschaftliche Faktoren könnten dabei eine Rolle spielen, aber nicht nur.
Ein Irrglaube sei zudem, dass sinkende Bevölkerungszahlen automatisch den Bodenverbrauch reduzieren. „Das korreliert nicht.“ Vielmehr bleibe Bodensparen ein zentrales Thema. Gleichzeitig gebe es keine einfache Formel für Dichte und Nutzungsmischung. „Es gibt keine mathematische Lösung, die am Ende die eine Zahl liefert.“
Auch Stadtgrünleiter Wolfgang Faller unterstrich anhand einer kurzen Leistungsschau seiner Abteilung, die Bedeutung von Grünräumen und präsentierte Ansätze zur stärkeren Begrünung sowie zur ökologischen Aufwertung von Stadtflächen.
Die Vortragenden und die Diskutanten im Zuschauerraum waren sich einig, dass Villach, wie viele Städte, vor der Aufgabe steht, Wachstum, Klimaschutz und Lebensqualität in Einklang zu bringen. Einfache Lösungen gibt es nicht, wohl aber dringenden Handlungsbedarf.