In der jüngsten Gemeinderatssitzung der Stadt Villach am 6. März stand unter anderem auch ein selbstständiger Antrag der Erde-Gemeinderäte zur Diskussion: Die Opfer des Nationalsozialismus sollten durch die Verlegung von Stolpersteinen im Stadtgebiet sichtbarer gemacht werden. Der Berichterstatter Stadtrat Harald Sobe (SPÖ) hatte im Vorfeld die Ablehnung des Antrags empfohlen.
„Villach geht ganz eigenen Weg in Erinnerungskultur“
Die Erde-Gemeinderätin Gaby Krasemann erinnerte in ihrer Wortmeldung daran, dass die Initiative bereits 2021 eingebracht worden sei, nun aber erstmals im Gemeinderat behandelt werde. Villach gehe, so Krasemann, „einen ganz eigenen Weg in der Erinnerungskultur“. Während manche Straßen noch immer nach Tätern benannt seien, erinnere derzeit vor allem das Denkmal der Namen an die Opfer des Nationalsozialismus. Dieses sei zwar ein wichtiger Gedenkort, müsse jedoch aktiv aufgesucht werden. Stolpersteine hingegen begegneten den Menschen im Alltag.
Man „stolpere“ über Geschichte und begegne den Schicksalen der Opfer genau dort, wo sie einst gelebt hätten. „Warum nicht auch in Villach?“, fragte sie und stellte die Frage, warum die Opfer der Stadt unsichtbar bleiben sollten, wenn ihnen ein sichtbarer und respektvoller Platz im Alltag gegeben werden könne. Dass der Antrag im Bauausschuss und nicht im Kulturausschuss behandelt worden sei, zeige aus ihrer Sicht zudem, dass die Bedeutung des Projekts noch nicht überall erkannt werde.
Kulturreferentin reagiert
Vizebürgermeisterin Stadträtin Gerda Sandriesser (SPÖ) entgegnete in ihrer Rolle als Kulturreferentin, dass ähnliche Vorschläge bereits mehrfach diskutiert worden seien. Die Stadt arbeite eng mit dem Verein Erinnern zusammen, der sich intensiv mit der lokalen NS-Geschichte beschäftige. Aus dessen Perspektive sei die Idee der Stolpersteine kritisch gesehen worden, da man „nicht über Menschen gehen“ wolle. Stattdessen sei das Denkmal der Namen geschaffen worden, das um weitere Namen ergänzt werden soll.
Nachgefragt beim langjährigen Obmann
Seit rund 30 Jahren beschäftigt sich der Verein Erinnern mit der Aufarbeitung der Geschichte des Nationalsozialismus in Villach. Der langjährige Obmann Hans Haider spricht auf Nachfrage der Kleinen Zeitung von einem „Missverständnis“ und betont: „Wir sind nicht gegen Stolpersteine, überhaupt nicht. Wenn das jemand macht, haben wir kein Problem damit, das wäre ja dumm“, so Haider.
Allerdings könne sich der Verein nicht selbst darum kümmern. Mit der Erweiterung des Denkmals der Namen und zahlreichen Veranstaltungen sei man stark ausgelastet. In einem Gespräch mit Krasemann sowie der aktuellen Obfrau Alexandra Schmidt habe er das Projekt befürwortet.
Weitere Wortmeldungen
Die Grünen-Gemeinderätin Karin Herkner würdigte die Arbeit des Vereins, der 2025 mit dem Menschenrechtspreis des Landes Kärnten ausgezeichnet wurde und schlug Gedenktafeln an historischen Orten der NS-Zeit vor, etwa in der Köllpassage.
Erde-Gemeinderat Gerald Dobernig kritisierte, dass das Thema im Bau- statt im Kulturausschuss behandelt wurde, „das ist dem Thema nicht würdig.“ Warum Stolpersteine aus seiner Sicht Sinn machen: „Ich kenne sie aus sehr vielen Städten, der Vergleich, man würde auf Menschen treten hinkt. Das machen Hunderte Städte weltweit und ich glaube nicht, dass man sie für ihre Umsetzung abwerten muss.“ Dem widersprach unter anderem ÖVP-Gemeinderat Adolf Pobaschnig, der argumentierte, dass nicht alles automatisch gut sei, nur weil es in vielen Städten umgesetzt werde.
Bürgermeister Albel betonte in seinem Schlusswort, Erinnerungskultur habe nichts mit Ästhetik zu tun, sondern mit ernsthafter Auseinandersetzung. Diese finde in Villach auf mehreren Ebenen statt, etwa durch das Denkmal der Namen, Ausstellungen, Projekte und auch durch die Auseinandersetzung mit Straßennamen. Villach habe dabei seinen eigenen Zugang entwickelt. „Warum müssen wir das haben, was andere haben, wenn wir vielleicht bessere Ideen haben?“, fragte Albel. Dem Vorschlag der Grünen zu Gedenktafeln könne er durchaus etwas abgewinnen, den Stolpersteinen jedoch nicht.
Bei der Abstimmung stimmten schließlich nur Erde und die Grünen für den Antrag – sie blieben damit in der Minderheit.
Denkmal der Namen wird erweitert
Das Denkmal der Namen in Villach wurde 1999 mit 64 Opfernamen enthüllt und umfasst nach mehreren Erweiterungen derzeit 336 Namen. Neue historische Forschungen haben weitere Opfer identifiziert, weshalb das Denkmal im Mai 2026 um 56 Namen ergänzt wird. Die feierliche Eröffnung findet am 19. Mai 2026 um 18 Uhr in der Widmanngasse gegenüber dem Museum statt. Für die Erweiterung muss der Verein nach Förderungen noch rund 7.000 Euro aufbringen und ruft daher zu Spenden auf.