„Der Beweis dafür, dass hier absolut nichts los ist“, sagt eine Jugendliche in einem TikTok-Video, das sie bei der Fahrt durch die nächtliche Villacher Innenstadt zeigt und online viel Aufmerksamkeit bekam. Im Forum der Kleinen Zeitung und auf Facebook wird nach einem Bericht lebhaft darüber diskutiert, ob Villach tatsächlich zu wenig bietet und wer dafür verantwortlich sein könnte.

„Bespaßungsgeneration?“

Ein Forumschreiber reagiert deutlich genervt: „Typisch für die Kinder der Konsumgesellschaft. Sie könnten ja selber was organisieren, kreativ werden und eigenverantwortlich handeln.“ Ein anderer formuliert es noch schärfer: „Bespaßungsgeneration“. Mehrere Kommentatoren halten den Vorwurf der Langeweile für übertrieben. „Im Ernst? Bücher lesen, Freunde treffen, Familie aufbauen. Mir war mein ganzes Leben nie fad“, schreibt ein Nutzer. Ein anderer ergänzt: „Für sein eigenes Glück ist man auch selbst verantwortlich.“

Doch es gibt auch Stimmen, die den Jugendlichen Recht geben. „Lokale kann man auf einer Hand abzählen“, meint ein Facebooknutzer. Früher sei das anders gewesen. „Das Stammlokal war wie ein zweites Wohnzimmer. Das gibt es nicht mehr“, ergänzt er.

Das Video erregte online viel Aufmerksamkeit
Das Video erregte online viel Aufmerksamkeit © KK/Trs.mira

Bürokratie und Pandemie verantwortlich?

Andere sehen strukturelle Gründe. „Früher baute man einfach einen Tanzboden auf“, erinnert sich ein Forumschreiber. Heute verhinderten Auflagen, Genehmigungen und Kosten viele Veranstaltungen. Auch das Gasthaussterben spiele eine Rolle: „Durch Bürokratie und Nebenkosten wird es immer unattraktiver, ein Lokal zu führen.“

Mehrfach wird auch auf gesellschaftliche Entwicklungen verwiesen. „Die Stadt bzw. das Nachtleben ist tot“, schreibt ein Nutzer und erinnert an die Corona-Jahre: „Die Jugend war drei Jahre eingesperrt. In einer prägenden Phase gab es kaum soziale Kontakte.“ Wieder andere sehen den Wandel als Teil der Zeit. „Vor 40 Jahren war es anders, vor 20 Jahren war es anders und in 20 Jahren wird es wieder anders sein“, meint ein Forumsnutzer. Sein Fazit: „Treffpunkte entstehen dort, wo Menschen selbst Initiative zeigen.“

Auch in dieser Diskussion lässt ein Vergleich mit Klagenfurt nicht lange auf sich warten. „Alle Villacher sollen nach Klagenfurt kommen, damit sie sehen, welche Friedhofstimmung hier ist.“ Es wird aber auch auf das blühende Nachtleben bei unseren Nachbarn in Slowenien und Italien hingewiesen. Einig ist man sich, dass sich die Freizeitkultur ständig verändert und lebendige Treffpunkte dort entstehen, wo Menschen Ideen haben, sie umsetzen und andere dafür begeistern.