Das Kolpinghaus in Lienz ist über 40 Jahre alt, entsprechend nagt der Zahn der Zeit am Gebäude. Bereits in den Vorjahren packte die Kolpingsfamilie kräftig an. So wurden sämtliche Fenster und die meisten Fassadenteile ausgetauscht und thermisch optimiert, die WC-Anlagen und der Eingangsbereich erneuert und barrierefrei gestaltet sowie das Jugendheim inklusive Küche um 150.000 Euro saniert.
Als nächstes Projekt steht nun die vollständige Innensanierung des Erdgeschosses inklusive des Kolpingsaals an. Und das wird teuer, auf 212.000 Euro schätzt Meinhard Pargger, Obmann der Kolpingsfamilie Lienz, die anfallenden Kosten. „Das ist enorm viel Geld, das wir als gemeinnütziger Verein nicht haben“, so Pargger im Rahmen der Generalversammlung.
Hohe Auslastung des Kolpinghauses
Der Obmann verweist auf Nachfrage der Kleinen Zeitung auf die enorme Frequenz innerhalb des Hauses: „Wir haben jedes Jahr viele tausende Besucher bei Veranstaltungen. Wir betreiben das Jugendheim und haben als Mieter das Osttiroler Kinderzentrum im Haus.“ Entsprechend hoch sei der Abnutzungsgrad: „Im Bereich des Einganges ist fast keine Fliese mehr ganz. Dazu kommen zum Beispiel rund 90 Lichtelemente, für die wir gar keine oder nur noch sündteure Leuchtmittel bekommen.“ Auch die Strom- und Wasserleitungen müssen erneuert werden.
Obwohl sich Pargger bei der Generalversammlung mit der wirtschaftlichen Entwicklung des Vereins sowie der Auslastung der Saal- und Seminarraumvermietung sowie des Jugendheims zufrieden zeigte, sei es der Kolpingfamilie nicht möglich, größere Erneuerungsrücklagen zu bilden. So wurden auch die Erlöse aus dem Lienzer Sommerfest in Höhe von 5150 Euro an Kolping-Chapadinha-Brasilien gespendet, womit der Ausbau einer Näherei finanziert wird.
„Wir sind in der Lage, ungefähr 70.000 Euro selbst zur Sanierung beizusteuern.“ Um die Finanzierungslücke zu schließen, hofft der Obmann auf bewährte Kräfte: „Wir haben mit der Stadt Lienz einen sehr verlässlichen Partner, der uns immer super unterstützt. Zur Sanierung des Jugendheims hat die Stadtgemeinde auch 15.000 Euro beigesteuert.“
Letzte große Investition für lange Zeit
Dabei bekräftigt Pargger die Bedeutung der Räumlichkeiten in der Adolf Purtscher-Straße. So böte man mit dem Kolpingsaal eine Infrastruktur, welche die Stadt in Ermangelung eigener Säle selbst dringend benötigt: „Das ist ein wichtiges Element für Veranstaltungen aller Art in der Stadt.“ Ein freies Jugendheim, in dem Schülerinnen und Schüler von Auswärts zu vernünftigen Preisen übernachten können, sei für eine Schulstadt wie Lienz ebenfalls von Bedeutung.
„Die öffentlichen Haushalte haben es gerade schwer. Aber 20.000 Euro von der Stadt wären schon eine super Unterstützung, zumal es unsere letzte größere Investition für lange Zeit sein wird.“ Pargger betont, dass man in Lienz abseits einer geringfügig angestellten Aufräumkraft alles ehrenamtlich betreibe, inklusive der Bewirtung des Kolpingstüberls. Auch für viele Familienveranstaltungen wie die Kolping-Bergmesse am Schoberköpfel, das Osterbasteln oder den Kinderflohmarkt zeichnet Kolping verantwortlich.
Weitere Gelder erwartet die Kolpingsfamilie vom Land Tirol, das zu den bisherigen Investitionen zwei Prozent beigetragen hat. Zudem setzt man auf die „MTF-Foundation“: Diese Stiftung aus Liechtenstein unterstützt seit Jahren soziale Häuser und Projekte und hat bei den bisherigen Baumaßnahmen maßgeblich finanziell geholfen. Die Ansuchen an Stadt, Land und Co. sind inzwischen rausgegangen, Pargger erwartet in den kommenden vier bis sechs Wochen Antworten, um schon über den Sommer mit der Generalsanierung zu starten.
„Schwimmen nicht auf der Butterseite daher“
Abschließend erwähnt der Vorsitzende, der auch Präsident der Wasserrettung Osttirol ist, dass natürlich auch Spenden für die Sanierung oder für die vielen Benefizprojekte willkommen sind: „Ich haue mich für Vereine rein, die es nicht leicht haben. Sowohl die Kolpingsfamilie wie die Wasserrettung schwimmen nicht auf der Butterseite daher, wenn es um finanzielle Mittel geht. Aber es sind Vereine, die unwahrscheinlich wertvoll für die Gesellschaft sind.“