„Es geht nicht um die Anbetung der Asche, sondern um die Weitergabe des Feuers, das in uns brennt.“ Mit diesen Worten leitete Oberst Matthias Wasinger eine Pressekonferenz im Rahmen des Traditionstages in der Haspinger-Kaserne ein, bei dem an die grausamen 1-Weltkriegs-Schlachten am Col di Lana gedacht wurde. „Man kann nur besser werden, wenn man sich mit der eigenen, auch problematischen Geschichte kritisch auseinandersetzt. Wir haben in Österreich einen riesengroßen historischen Rucksack. Veranstaltungen wie heute sollen uns dessen, aber auch unserer Werte bewusst machen.“

Alte Ordnung beginnt zu erodieren

Aus der Retrospektive leitete Wasinger, seit September 2024 Kommandant des 24. Jägerbataillons in Lienz, in die Zukunft: „Wir leben aktuell in den forderndsten Zeiten seit dem 2. Weltkrieg.“ Der Oberst warnte, dass die internationale Staaten- und Rechtsordnung begonnen hat, zu erodieren. „Internationale Verträge werden auch von Großmächten nicht mehr eingehalten. Für ein neutrales, mittelgroßes europäisches Land wie Österreich, ist dies aber Existenzgrundlage. Wenn das alles nichts mehr zählt, dann können wir im Regionalen nicht sagen, das geht uns nichts an.“

Im Herbst des Vorjahres übernahm Oberst Matthias Wasinger das Kommando über das Jägerbataillon 24 in Lienz
Im Herbst des Vorjahres übernahm Oberst Matthias Wasinger das Kommando über das Jägerbataillon 24 in Lienz © André Schmidt

Klarer Plan bis 2032 in Sachen Landesverteidigung

„Für uns als Jägerbataillon 24 gilt ab nun, uns auf das Kerngeschäft und damit auf militärische Landesverteidigung zu fokussieren. Das ist keine ‚Kriegsgeilheit‘, sondern eine Notwendigkeit.“ Wasinger erklärte, dass man lange den Luxus gehabt hätte, sich mit anderen Aufgaben beschäftigen zu können und „Frieden zu exportieren.“ Nun gäbe es vom Bundesministerium für Landesverteidigung (BMLV) den definierten Auftrag, dass das Bundesheer bis 2032 in der Lage sein muss, einen Angriff von jedweder Seite abzuwehren. „In dieser Klarheit wurde das in der Geschichte unseres Heeres noch nie gesagt“, so der gebürtige Wiener.

Was dies für Osttirol bedeutet? Wasinger: „Als Jägerbataillon 24 wollen wir weit in die Zukunft denken und unsere Ausbildung auf die neuen Aufgaben ausrichten.“ Die größte Hürde ist laut dem Oberst das fehlende Personal. „Uns geht es wie allen Firmen da draußen, wir haben ein Rekrutierungsproblem.“ Dabei erklärte der Kommandant, dass es bei einer Bevölkerungszahl von rund 65.000 und einem „Wehrpotenzial“ von 10.000 Menschen faktisch unmöglich sei, ein Bataillon nur aus Osttirol heraus zu befüllen. „Wir müssen herausstellen, dass wir ein attraktiver Arbeitgeber sind. Die beste Werbung dazu ist soziale Akzeptanz.“ Darum hat man unter anderem begonnen, Übungen nicht mehr nur in der Lavanter Forche abzuhalten, sondern in der freien Natur. „Wir erreichen keine Akzeptanz, wenn wir uns in der Kaserne verstecken“, sagte der Oberst.

Investition in Infrastruktur

Trotz der Schwierigkeiten bei der Rekrutierung soll das Bundesheer in Osttirol wachsen: „Der Standort wird gestärkt. So kommt das Milizjägerbataillon Tirol in der Verantwortlichkeit zu uns. Auch der Sammelort für eine mögliche Mobilmachung wird hier im Raum sein, das wird sich infrastrukturell positiv auswirken. Das ist gut für die ganze Region, so wird Militär zum Gewinn für die Gesellschaft.“ Zudem soll die in der Franz-Josef-Kaserne stationierte Kaderpräsenzeinheit über 2026 hinaus bleiben, obwohl dann die Verantwortung eigentlich an einen anderen Verband überginge. Des Weiteren ist geplant, Garagen für Großfahrzeuge in der Haspinger-Kaserne oder leicht außerhalb Lienz‘ zu errichten, zudem soll die momentan in Nußdorf-Debant beheimatete Werkstatt in die Kaserne ziehen.

Besetzungsgrad soll auf 90 Prozent steigen

Personell will man ebenfalls wachsen. Aktuell befehligt Wasinger in Lienz 210 bis 220 „stehende“ Berufssoldaten. Bei einer Mobilmachung beträgt die Sollstärke 900. Damit sei man bei einem Besetzungsgrad von 72 Prozent, bis 2029 sind 80 Prozent das Ziel, 2032 sollen es 90 Prozent sein. Dabei setzt Wasinger auf die Attraktivität Osttirols: „Dieser Standort ist so attraktiv, dass ich einen hohen Prozentsatz an Offizieren habe, die nicht aus der Region stammen. Ich bin auch kein Lokaler, ich wollte unbedingt hierher. Ich habe in vielen Ländern gedient, aber das ist der schönste Ort, an dem ich je gedient habe.“

Brigadier Gerhard Pfeifer und Oberst Matthias Wasinger beim Traditionstag
Brigadier Gerhard Pfeifer und Oberst Matthias Wasinger beim Traditionstag © André Schmidt

Auch Gerhard Pfeifer, Kommandant der dem Jägerbataillon 24 vorgesetzten 6. Brigade, erwähnte die Wichtigkeit der Nebeneinsätze im alpinen Raum wie bei Lawinenabgängen oder Felsstürzen, begrüßte aber ebenso den neuen Kurs: „Wir werden weltweit um die Assistenzeinsätze beneidet. Wir bleiben Friedensbotschafter, wir brauchen keinen Krieg, aber wir müssen unsere Neutralität verteidigen können.“