Aufmerksam blickt der junge Lawinensuchhund seinen Besitzer an und wartet auf ein Kommando. Als dieser den Karabiner von der Leine öffnet, läuft der Vierbeiner mit gesenkter Nase los. Plötzlich schlägt er einen Haken und steuert auf einen Schneehügel zu. „Super, er hat die Witterung aufgenommen“, erklärt ein anderer Bergretter, der etwas abseits steht und die Szene beobachtet. Der Hund beginnt am Schneehügel zu scharren. Als er aufgeregt bellt und energisch gräbt, greift der Hundeführer zur Schaufel und läuft los. „Du bist spitze, das hast du toll gemacht“, hört man die verschüttete Testperson, als der zukünftige Lawinensuchhund durch ein kleines Loch zu ihr vordringt und wieder an die Oberfläche kommt. Eine ganze Woche lang dauert der Lawinenhundelehrgang der Bergrettung Kärnten, der jährlich in der Innerkrems stattfindet. Auch Hundeführerinnen und Hundeführer aus Italien, Deutschland, der Slowakei und Osttirol nehmen daran teil.

45 Mensch-Hund-Teams in unterschiedlichen Ausbildungsstufen perfektionieren seit dem 27. Februar auf künstlich geschaffenen Suchfeldern, unter möglichst realen Bedingungen, ihre Fähigkeiten. Einige der Vierbeiner nehmen zum ersten Mal teil. Kursleiter ist Albin Oberluggauer. Der erfahrene Bergretter hat selbst zwei Hunde mitgebracht. „Ohne Trainings wie dieses würde der Einsatz nach Lawinenabgängen nicht funktionieren“, verdeutlicht er die Wichtigkeit. „Hunde lernen durch Verknüpfungen, die in kurzer Zeit hintereinander erfolgen müssen. Wir beginnen mit einfachen Übungen und setzen am nächsten Tag an diesem Erfolg an.“

Albin Oberluggauer mit seinem erfahrenen Suchhund. Dieser ist bereits 13 Jahre alt und „im Ruhestand“
Albin Oberluggauer mit seinem erfahrenen Suchhund. Dieser ist bereits 13 Jahre alt und „im Ruhestand“ © KLZ/Katharina Pollan

Das gewünschte Verhalten

Das Training an diesen sieben Tagen richtet sich nach dem Stand der Ausbildung des Hundes. Insgesamt gibt es drei Stufen: Kurs A für Anfänger, Kurs B für Fortgeschrittene und Kurs C als Perfektionierung. „Beim A-Level beginnt man damit, den Hund mit Freude und Interesse in die Schneehöhle zum Menschen zu bekommen. Dort wird er überschwänglich belohnt, entweder durch Futter oder mit einem Spielzeug“, erklärt Oberluggauer. Im nächsten Schritt wird der Eingang verschlossen, sodass der Hund nur durch Graben an das Ziel kommt. „Schritt für Schritt lernen die Hunde, dass es ihnen in der Schneehöhle gut geht und sie dort etwas Besonderes erwartet. So erreichen wir im Ernstfall, dass der Hund unbedingt zur verschütteten Person gelangen möchte“, so der Kursleiter.

Training mit Hubschrauber

Einer der Höhepunkte während dieser sieben Tage ist das Hubschraubertraining. „Wir haben das Glück, dass ein Hubschrauber des Innenministeriums zu uns kommt“, freut sich Oberluggauer. Dabei lernt einerseits der Hundeführer unter anderem den Umgang mit der Maschine, das richtige Ein- und Aussteigen sowie das Anschnallen. „Mit den Hunden üben wir das Ein- und Aussteigen bei laufenden Rotorblättern und das Fliegen selbst“, schildert Oberluggauer, der aus Erfahrung berichten kann, dass die Vierbeiner damit kein Problem haben. Wichtig sei nur, sie bereits in jungen Jahren damit zu konfrontieren. Mit den fortgeschritteneren Lawinensuchhunden geht die Bergrettung Kärnten einen Schritt weiter. Hund, Hundeführer und Flugretter werden am Tau zur Jauchzerhütte geflogen. Dort absolvieren sie eine Übung und werden anschließend wieder zurückgebracht.

Das Fliegen im Hubschrauber zu üben, sei essenziell für zukünftige Alarmierungen nach einem Lawinenabgang. „Die ersten beiden Primärhunde und ihre Führer müssen ehebaldigst zur Unfallstelle gelangen und der schnellste Weg ist eben mit dem Hubschrauber. Bei einer Verschüttung zählt jede Sekunde. Bereits nach zehn Minuten unter der Lawine sinken die Überlebenschancen dramatisch“, weiß Oberluggauer.

Der perfekte Lawinensuchhund

Die Ausbildung zum Lawinenhund beginnt bereits im Welpenalter mit der Vermisstensuche im Sommer und dauert etwa drei Jahre. Zeigt ein Hund konstant Erfolge bei solchen Kursen wie in der Innerkrems, ist er nach zwei Jahren befähigt, zum Einsatz zu gehen.

Rassen, die sich für eine Ausbildung zum Lawinensuchhund besonders eignen, sind beispielsweise der Schäferhund, der Border Collie, der Australian Shepherd oder der Retriever. „Wir haben aber auch Mischlinge, die hervorragende Arbeit leisten“, betont Oberluggauer. Wichtig sei, dass der Hund nicht zu groß oder zu klein beziehungsweise zu schwer oder zu leicht ist, Freude an der Arbeit mit dem Menschen habe und sich mit anderen Hunden versteht.