„Totalabverkauf“ steht in schwarzen Großbuchstaben auf jenen Plakaten, die im Schaufenster des Modegeschäftes „Street One“ kleben. Der Hintergrund ist ein trauriger. Chef Karl Krassnitzer bestätigt die Befürchtungen: „Wir schließen mit Samstag, dem 28. Februar.“ Seit 2012 befindet sich die Boutique in der Tiroler Straße in Spittal. Nach nunmehr 14 Jahren endet eine Ära. Das Aus kommt selbst für Krassnitzer überraschend. „Am Montag habe ich ein Schreiben von meinem Vermieter bekommen, in dem er verkündete, dass der Pachtvertrag nicht verlängert wird“, sagt der Unternehmer, der noch in St. Veit und Feldkirchen jeweils ein Geschäft betreibt.
Angesprochen auf die Gründe für die Kündigung, schildert Krassnitzer: „Es gab in der Vergangenheit ein paar Probleme. Beispielsweise wurde das Heizöl so spät nachgefüllt, dass es in meinem Geschäft kalt war. Ein anderes Mal hat es hineingeregnet, weil das Dach und das Haus generell in keinem guten Zustand mehr sind.“ Krassnitzer habe sich damals schriftlich beim Eigentümer – dabei handelt es sich um das Unternehmen „Schönberg Firmengruppe“ mit Sitz in Graz – beschwert.
Unbeantwortete Anrufe und E-Mails
Seit Montag habe Krassnitzer mehrmals versucht, Andreas Schönberg – er ist der Geschäftsführer der „Schönberg Firmengruppe“ – zu kontaktieren. Sämtliche Anrufe und E-Mails blieben bis dato unbeantwortet. „Ich muss bis Samstag sämtliche Mode verkaufen, alles räumen, ausmalen und den Schlüssel abgeben.“ Wie geht es nun weiter? „Ich habe mich ein bisschen nach alternativen Standorten in Spittal umgesehen, aber binnen vier Tagen lässt sich nichts finden, bei dem sowohl die Örtlichkeit als auch die übrigen Konditionen stimmen.“
Es entspreche nicht den Tatsachen, dass der Mietvertrag am Montag „überraschend gekündigt“ wurde, meldet sich Andreas Schönberg zu Wort. „Die Liegenschaft wurde durch mein Unternehmen im Jahr 2020 erworben. Zu diesem Zeitpunkt bestand zwischen Herrn Krassnitzer und dem Voreigentümer der Liegenschaft ein abgeschlossener, befristeter Mietvertrag“, erläutert Schönberg, dessen Unternehmen sich unter anderem mit der Immobilienentwicklung und dem Immobilienhandel beschäftigt.
Einige Ideen
Schönberg erklärt weiter: „Da es immer wieder vorkommt, dass ein längerer Zeitraum vergeht, bis eine Liegenschaft entweder entwickelt oder wieder weiterverkauft wird, und es bis dahin durchaus in meinem Interesse ist, dass bestehende Mietverhältnisse vorerst weiter bestehen, wurde der Mietvertrag mit Herrn Krassnitzer wiederum befristet und in Schriftform bis 28. 2. 2026 verlängert.“ Da seitens des Mieters im Laufe des Februars kein Termin für die Rückstellung des Mietgegenstandes vereinbart wurde, sei am Montag ein entsprechendes Informationsschreiben an Krassnitzer gesendet worden, mit der Erinnerung, dass das Mietverhältnis endet.
Schönberg schwirren bereits einige Ideen für das Haus in der Tiroler Straße durch den Kopf: „Da ich erfahren habe, dass in der Region beispielsweise ein Bedarf an Frauenhäusern beziehungsweise an Unterkünften für Frauen besteht, die aktuell in einem Frauenhaus untergebracht sind und die danach in eine Übergangswohnung wechseln wollen, ist eine Entwicklung in diese Richtung angedacht.“ Alternativ sei auch ein Verkauf der Liegenschaft denkbar.