Riesengroß ist die Freude bei Gilbert Kohlhuber, denn der barrierefreie Umbau seines Hauses ist abgeschlossen. In einem YouTube-Video bedankt er sich bei allen Spendern, die ihn im Rahmen von mehreren großen Benefizaktionen im Jahr 2024 unterstützt haben. Realisiert wurden ein Außenlift, ein Wintergarten, Schiebetüren, die Adaptierung des Badezimmers sowie die Verlegung eines robusten Fliesenbodens. Der Umbau der Küche folgt noch, damit der 31-Jährige künftig mit seinem Rollstuhl mehr Schwung hat.

„Ein großes Dankeschön an euch alle. Mein Umbau ist nur durch eure Spenden möglich geworden. Ich kann mich jetzt endlich wieder zu Hause selbstständig bewegen. Hier habe ich den Ausblick auf meine Alm, das gibt mir Lebenskraft und motiviert mich, mein großes Ziel, wieder auf einem Berg zu stehen, zu erreichen“, sagt Kohlhuber, der seit einem Kletterunfall querschnittgelähmt ist.

Die Anteilnahme an Kohlhubers Schicksal ist seit dem Unfall in einer Kletterwand, den er am 14. Juni 2023 erlitten hatte, ungebrochen groß. Der gelernte Koch und Gastronom wurde an jenem Tag von einer Mitarbeiterin gebeten, ihren siebenjährigen Sohn im Klettergarten „Kreuzwand“ im Maltatal zu sichern. Doch dieser schöne Sommertag sollte Kohlhubers Leben für immer verändern: „Der Bub war gut im Klettern und flink, doch als er am Ende der Wand angelangt war, überkam ihn Panik, er zitterte am ganzen Körper und verkrampfte sich am Seil.“ Der Bergretter-Anwärter zögerte keine Sekunde und stieg rund acht Meter zu ihm hinauf: „Ich habe versucht, ihn zu beruhigen. Beim Abseilen machten wir auf einem Felsvorsprung einen kurzen Zwischenstopp. In diesem Moment schnellte das bisher angespannte Seil zurück und warf im Bereich des Karabiners eine riesige Schlaufe, deren Wucht es schaffte, ihn zu öffnen.“

„Ich wäre fast erstickt“

Dann begann der Sturz. Kohlhubers größte Sorge war, dass der Bub unter ihm landen würde. „Ich drückte ihn fest an meine Brust, spannte alle Muskeln an und hoffte, dass wir nicht allzu hart landen würden“, erzählte er in einem Interview im März. Doch der Aufprall war für Kohlhuber hart. Hals- und Brustwirbel sowie elf Rippen waren gebrochen. Der Bub kam wie durch ein Wunder mit leichten Verletzungen davon. „Nach dem Aufschlag bekam ich keine Luft mehr. Hätte mir die Mutter des Buben den Kopf nicht überstreckt, wäre ich erstickt.“ Sie setzte die Rettungskette in Gang. Als er sich in der Obhut von Bergrettung, Notärzten und des Teams des Rettungshubschraubers wusste, konnte er loslassen.

Danach folgte ein langer Kampf zurück. Nach einer Notoperation schwebte der Liesertaler mehrere Tage in Lebensgefahr. Nachdem er aus dem Tiefschlaf aufgewacht war, wurde er mit der Diagnose „Inkomplette Querschnittlähmung“ konfrontiert. Das heißt, dass die Nerven stark geschädigt, aber nicht vollständig durchtrennt sind. „Ich fiel in ein tiefes Loch, doch ich habe mich schnell gefangen. Meine Familie, die Kameraden der Bergrettung sowie alle Ärzte und Mitarbeiter in den Krankenhäusern Klagenfurt und Villach sowie in der Rehabilitationsklinik Tobelbad haben mich wieder herausgerissen.“

Ein gutes halbes Jahr nach dem Unfall wurden mehrere Spendenaktionen zugunsten des barrierefreien Umbaus gestartet. Begonnen hat Kohlhubers Cousin Franz Kohlhuber Mitte Februar des Vorjahres, im März folgten die Kameraden der Bergrettung Lieser- und Maltatal, die für ihren Freund „Chilly“ ein Skitouren-Charity-Rennen im Schönfeld organisierten. Auch Elisabeth und Michael Berndl, Kohlhubers ehemalige Chefleute, veranstalteten im April im Lindenhof in Millstatt ein Benefizdiner mit rund 125 Gästen, bei dem eine stattliche Summe zusammenkam. Anfang Oktober initiierte Lendorfs Bürgermeisterin Marika Lagger-Pöllinger eine Benefizveranstaltung mit Kabarett, prominenten Talk-Gästen und Live-Musik.

Kohlhuber beim Skitouren-Charity-Rennen im Schönfeld
Kohlhuber beim Skitouren-Charity-Rennen im Schönfeld © Martina Pirker

„Ich bin wirklich überwältigt von der Hilfsbereitschaft der Spender, sie haben mir ein Stück Lebensqualität zurückgegeben“, bringt Kohlhuber nochmals seine Dankbarkeit zum Ausdruck. Nach einem erneuten Reha-Aufenthalt im Tobelbad im Oktober 2024 freut er sich über weitere Fortschritte: „Meine Arme sind deutlich beweglicher, meine Rumpfstabilität ist besser geworden, insgesamt habe ich wieder mehr Kraft.“ Der Schriftzug „Mihi propositum est montibus“ – mein Ziel sind die Berge – ziert den Eingang über dem Lift. „An diesem Ziel halte ich fest, auch wenn es noch ein langer Weg dorthin ist. Für 2025 habe ich mir vorgenommen, so weit zu kommen, dass ich mir selbstständig die Zähne putzen und wieder selbst essen kann“, sagt Kohlhuber, der Unterstützung von einer persönlichen Assistentin erhält. Zweimal pro Woche kommt ein Physiotherapeut ins Haus, alle zwei Wochen eine Masseurin.

Vorbild in Sachen Optimismus und Zuversicht

Seinen Humor hat sich Kohlhuber, der ein Kochbuch schreiben möchte, bewahrt, und er kann als leuchtendes Vorbild in Sachen Optimismus und Zuversicht bezeichnet werden: „Natürlich habe ich auch Phasen, in denen es mir nicht so gut geht. Dann erinnere ich mich an die vielen positiven Dinge, die mir seit meinem Unfall widerfahren sind und versuche, mich mit guten Freunden zu umgeben, die mich ablenken und meine Stimmung heben.“ Für seinen selbstlosen Einsatz wurde ihm im März des Vorjahres von Landeshauptmann Peter Kaiser das Kärntner Ehrenkreuz für Lebensrettung verliehen.

Verleihung Ehrenkreuz an Gilbert Kohlhuber.
Im Bild: Gilbert Kohlhuber mit LH Peter Kaiser
Verleihung Ehrenkreuz an Gilbert Kohlhuber. Im Bild: Gilbert Kohlhuber mit LH Peter Kaiser © KLZ / Oskar Höher