Aktuell gibt es 229 Unesco Global Geoparks in 48 Ländern. Nur fünf von ihnen arbeiten grenzüberschreitend. Einer davon ist der Karawanken UNESCO Global Geopark mit 14 Partnergemeinden, der sich über ein Gebiet von rund 1067 Quadratkilometern erstreckt.
Die offizielle Gründung der grenzüberschreitenden Natur- und Kulturerlebnisregion aus neun Kärntner und fünf slowenischen Gemeinden war im Jahr 2013. Ein Ziel ist die Erhaltung der geologischen und natürlichen Ressourcen sowie der Kultur und des kulturellen Erbes im Gebiet seiner Mitglieder. Zu den Mitgliedern zählen im Lavanttal Lavamünd und im Bezirk Völkermarkt die Gemeinden Eisenkappel-Vellach/Železna Kapla-Bela, Bleiburg/Pliberk, Feistritz ob Bleiburg/Bistrica pri Pliberku, Sittersdorf/Žitara vas, Gallizien, Globasnitz/Globasnica sowie Neuhaus/Suha.
Hinzu kommen Zell/Sele (Klagenfurt-Land) und fünf slowenische Gemeinden, was diesen Geopark zum grenzüberschreitenden Projekt macht. „Das ist auch unser Ausrufezeichen schlechthin. Ja, ich kann mit meinen Nachbarländern zusammenarbeiten und zwar so wie wir es machen – mit einer verbindlichen, gemeinsamen Organisation. Die Herausforderung ist es eben, dass beide Seiten davon profitieren“, betont der Direktor des Karawanken Geoparks, Gerald Hartmann.
Profitieren sollen die Regionen dadurch auch wirtschaftlich. Denn ein weiteres Ziel ist die wirtschaftliche Inwertsetzung des Geoparks, auch mittels nachhaltigen Tourismus. Der Geopark Karawanken zählt mittlerweile rund 200.000 Tagesgäste pro Jahr. „Bei internationalen Prädikaten lässt es sich aber schwer ableiten, ob wirklich wegen uns mehr Leute kommen. Wir merken aber, dass unsere Programme gut ankommen und die Nachfragen spezifischer werden. Seit Beginn fahren wir zur ITB in Berlin und bekommen immer stärkere Rückfragen von Reiseveranstaltern, inklusive konkreter Pakete“, freut sich Hartmann, der zwar gebürtiger Bleiburger ist, mittlerweile jedoch in Lavamünd lebt und schmunzelnd ergänzt: „Bei unserem Start waren es knapp 140.000 Tagesgäste pro Jahr, also ganz unschuldig sind wir dann doch nicht.“
Ein großer Trend auf dem touristischen Markt gehe in Richtung „gut durchdachten Naturerlebnissen“ und nicht nur einfaches Radfahren oder Wandern. So gibt es im Geopark Karawanken Erlebnisse wie Underground Kayaking, eine Fahrt mit dem Draufloß bei Lavamünd, das Wassererlebnis Neuhaus, die Trögerner Klamm, Bergwerksbesichtigungen, den Flow Country Trail Petzen oder Underground Biking. Hinzu kommt der Geopark Karawanken Bus, der seit Juli 2025 touristische Angebote aus Kärnten und Slowenien verknüpft. Genau mit dem Grenzüberschreitenden punktet der Geopark. „Menschen sind extrem interessiert an Geschichten. Und grenzüberschreitende Gebiete haben einfach mehr davon zu bieten, als nationale Destinationen“, so der Direktor.
Auch wenn der Tourismus eine Region belebt und wirtschaftlich fördert, gibt es eine bestimmte Herausforderung. „Es ist wichtig darauf zu achten, dass es nicht zu Massenveranstaltungen kommt und dieser Zulauf für die Natur verträglich, aber auch für den Gast attraktiv bleibt. Denn wer möchte sich schon auf die Zehen steigen lassen“, informiert Hartmann, der seit Beginn Teil des Teams ist.
Weitere Gemeinden zeigen Interesse
Wie gut das Projekt angenommen wird, zeigt auch, dass mittlerweile weitere Gemeinden entlang der Karawanken großes Interesse bekunden, Teil davon zu werden. Zwei von ihnen sind St. Jakob im Rosenthal und Rosegg (Villach-Land). „Aktuell sei noch kein Ansuchen um Erweiterung oder eine neue Mitgliedschaft auf dem Tisch. Wir begrüßen eine Erweiterung und sind interessiert, die gesamten Karawanken irgendwo grenzüberschreitend zu strukturieren und organisieren. Denn gerade zwischen den Ländern Kärnten und Slowenien ist diese Zusammenarbeit noch ausbaufähig“, sagt Hartmann.
Doch ganz so einfach, wie es von außen scheint, ist so ein Vorhaben nicht, speziell seit der Geopark im Jahr 2015 die Unesco-Zertifizierung erhielt. Sobald weitere Gemeinden dazukämen, müssten laut Hartmann zwei Verfahren neu aufgerollt werden – eines bei der Unesco in Paris und eines zur rechtlichen Struktur. „Es wäre also ein komplett neues Genehmigungsverfahren.“ Voraussetzung sei zudem, dass sich die Gemeinden über Ziele und Erwartungen im Klaren sind und „Ernsthaftigkeit dahinter“ steht. Außerdem müssten Gespräche mit den bestehenden Gemeinden geführt werden.
Eine weitere Grundvoraussetzung, die hinzukommt, wäre der geographische Zusammenhang. „Gemeinden überspringen können wir nicht, denn so würden Lücken entstehen“, informiert Hartmann. Dazu müssten weitere Gemeinden im Rosental beitreten. Wie sich der Karawanken Unesco Geopark weiterentwickelt wird, bleibt offen. Das Interesse, auch für den Tourismus und die Wirtschaft in der Region, scheint groß.
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