„Doktor Kraßnig hätte das vielleicht beantworten können, wurde von den Stadtwerken (STW) aber nicht von seiner Verschwiegenheit entbunden“, stellt Bürgermeister Christian Scheider (FSP) gleich zu Beginn der Sitzung klar. Daher muss sich der Klagenfurter Gemeinderat am Dienstag damit begnügen, was Bürgermeister, Stadtwerke-Vorstand Erwin Smole und Amtsärztin Birgit Trattler über die wochenlange Verunreinigung des Trinkwassers im Herbst 2024 erzählen. Der frühere STW-Abschlussprüfer Ulrich Kraßnig hatte in einem geheimen Bericht „defekte oder veraltete Rückflussventile“ als Ursache angeführt.

Die Mandatare wollen Klarheit: Waren die Ventile schuld? „Nein“, sagt Smole und macht erneut eine unbekannte, private Brunnenanlage im Westen der Stadt als Schuldigen fest. Das habe die Analyse eindeutig ergeben.

Viele Widersprüche

Janos Juvan (Neos) hakt nach: Warum investieren die STW dann sechs Millionen Euro in neue Ventile und bilden dafür eine Rückstellung? Smole gerät ins Stocken: „Wir haben über 18.500 dieser Ventile. Dass eines defekt ist, können wir nicht ausschließen.“ Gleichzeitig betont er, dass sowohl der Eintrag der Verschmutzung als auch die Verunreinigung des Wassers einmalig gewesen seien. Alles spreche für den Brunnen. Ob die Quelle je gefunden wird? „Die Chance besteht, sie ist aber nicht groß“, gesteht der Vorstand.

„Wir kennen die Ursache nicht“, hält auch Trattler fest. Eine Abstimmung zwischen der Behörde und Kraßnig habe es, anders als dieser in seinem Bericht angibt, nicht gegeben. Der Bürgermeister versteht die ganze Aufregung nicht: Kraßnigs Ausführungen seien „keine naturwissenschaftlichen, sondern wirtschaftsprüferische Feststellungen“.

Dass sich Kraßnig zu all dem im Gemeinderat nicht äußern darf, stört Smole offenbar wenig. „Er ist nicht unser Pressesprecher“, macht er klar. Die angespannte Stimmung unterstreichen mehrere rechtliche Auseinandersetzungen: Kraßnig klagt die Stadt wegen eines nur teilweise bezahlten Honorars auf 36.000 Euro. Umgekehrt haben die STW ihn bei der Standesvertretung und der Bundesaufsicht angezeigt.

Personalvertretung zahlte bei Gutachten mit

Strittig ist nicht nur die Arbeit des Wirtschaftsprüfers, sondern auch der Zugriff des Landesrechnungshofs (LRH) auf das Personalverrechnungssystem der Stadt. Bestimmte Akteure im Rathaus scheinen das mit aller Kraft verhindern zu wollen. Zuletzt gab Magistratsdirektorin Isabella Jandl ein 9000-Euro-Gutachten in Auftrag, das sich dagegen ausspricht. Die Hälfte der Kosten übernahm die Personalvertretung. „Der Schutz der Mitarbeiter steht für mich über allen“, verteidigt sich Jandl. Als Kompromiss schlägt sie vor, dass LRH-Direktor Günter Bauer und sein Team im Rathaus auf das System zugreifen können: „Es geht um Systemchecks, um die Prüfungsergebnisse der vergangenen drei Jahre zu vervollständigen.“ Vizebürgermeister Ronald Rabitsch (SPÖ) hofft mit Blick auf drohende Peinlichkeiten indes, dass „der LRH nicht zum Verfassungsgerichtshof geht, denn dieser wurde bereits selbst auf diese Art und Weise vom Bundesrechnungshof geprüft.“

Ein Problem schafft der Gemeinderat am Dienstagabend sogar aus dem Weg: Die Hermann-Gmeiner-Straße wird tatsächlich umbenannt, heißt zukünftig Anna-Gröger-Straße.