Acht der ersten zehn Windräder Kärntens drehen sich aktuell im Lavanttal. Mit dem Windpark Bärofen in der Marktgemeinde Frantschach-St. Gertraud werden 2026 weitere acht Windräder in Betrieb genommen. Außerdem laufen im Bezirk Wolfsberg für zusätzliche 24 Windkraftanlagen Behördenverfahren. Mit Spannung erwartete man das Ergebnis der Volksbefragung vor allem in jenen vier Lavanttaler Gemeinden, die vonseiten des Landes als Windkraftzonen definiert wurden, in denen künftig per Verordnung der Bau von Windrädern möglich sein soll.

FPÖ Volksbefragung Windkraft Kärnten, Wahl Wahlurne
Der amtliche Stimmzettel bei der Befragung zur Windkraft © Gert Köstinger

„Soll zum Schutz der Kärntner Natur (einschließlich des Landschaftsbildes) die Errichtung weiterer Windkraftanlagen auf Bergen und Almen in Kärnten landesgesetzlich verboten werden?“ So lautete die Frage am amtlichen Stimmzettel der von FPÖ und Teilen des Team Kärnten im Landtag erwirkten Volksbefragung, bei der alle österreichischen Staatsbürger ab 16 Jahren mit Hauptwohnsitz in Kärnten stimmberechtigt waren. Das gegen 17 Uhr vom Land veröffentlichte Ergebnis (siehe dazu den Info-Kasten unten) ist für die Landespolitik – im Gegensatz zu einer Volksabstimmung – jedoch nicht bindend.

FPÖ Volksbefragung Windkraft Kärnten,
Die Wahlbeteiligung lag bezirksweit bei knapp 36 Prozent © Gert Köstinger

„Eine Patt-Situation“

In der Marktgemeinde Lavamünd stimmten 50,18 Prozent der Bürger für ein Verbot. „Mit dieser Patt-Situation ist man so schlau wie vorher“, sagt Bürgermeister Wolfgang Gallant (LWG) in einer ersten Reaktion. Nach der Volksbefragung werde der Ball wieder zur Politik zurückgespielt. „Es wird immer mehr Strom gebraucht, deshalb wird man Lösungen finden müssen, um aus fossilen Energiequellen wie Öl oder Gas auszusteigen. Bei dem Ergebnis wird es aber schwierig sein“, sagt Gallant, den das ausgeglichene Ergebnis insofern überrascht hätte, da er davon ausgegangen sei, dass die Windkraft-Gegner die Bevölkerung besser mobilisieren hätten können.

Wolfgang gallant Liste Wolfgang Gallant (LWG) lavamünd
Bürgermeister Wolfgang Gallant (LWG) © KK

Meinungsumschwung

Zu einem Umschwung kam es in Reichenfels, wo sich wegen des geplanten 33 Megawatt leistungsstarken Windparks Peterer Alpe I 2022 bei einer Volksbefragung auf Gemeindebene 68,88 Prozent der Bewohner für den Ausbau der Windkraft ausgesprochen hatten. Am 12. Jänner befürworteten jedoch 61,49 Prozent ein Windkraft-Verbot. „Ich akzeptiere das Ergebnis, aus dem ich herauslese, dass die Reichenfelser kein zweites Windparkprojekt in unserer Gemeinde wollen“, leitet Bürgermeister Manfred Führer (ÖVP) davon ab. Woher seiner Meinung nach der Meinungswandel kam? „Die Leute sind sensibel geworden, weil sie gehört haben, dass potenzielle Betreiber auch Interesse am Bau von Windrädern in Richtung Feldalm zeigen“, berichtet Führer.

ÖVP LANDESPARTEI KÄRNTEN
Bürgermeister Manfred Führer (ÖVP) © ÖVP, Helge Bauer

Mit 67,76 Prozent fällt die Zustimmung für ein Verbot von Windrädern in Preitenegg von allen Lavanttaler Gemeinden prozentuell am höchsten aus. Nur 32,24 Prozent der Bürger sagten hier Nein. „Ich habe ehrlich gesagt mit so einem ähnlichen Ergebnis gerechnet“, sagt Bürgermeister Thomas Seelaus (SPÖ), den allerdings die Wahlbeteiligung von knapp 50 Prozent überrascht hätte. Wie es nun mit den zehn geplanten Windrädern auf der Pack weitergehen soll? „Darüber werden wir uns im Gemeinderat beraten“, meint Seelaus, der jetzt auch einmal abwarten werde, wie die Landespolitik auf die Abstimmung reagieren werde.

Bürgermeister von Preitenegg, Thomas Seelaus (SPÖ)
Bürgermeister Thomas Seelaus (SPÖ) © KK/Privat

„Ernsthafter Dialog“

54,29 Prozent stimmten in St. Georgen, wo es bereits sechs Windräder gibt, für ein Verbot. „Ich nehme das Ergebnis zur Kenntnis, bin aber der Meinung, dass der eingeschlagene Weg fortgesetzt werden soll“, spielt Team Kärnten-Bürgermeister Karl Markut auf den geplanten Windpark Steinberger Alpe II mit neun Windrädern an, für den laut ihm im Frühjahr das Verfahren zur Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) beginnen dürfte. Als Bürgermeister einer der beiden ersten Windpark-Gemeinden in Kärnten habe er als Abgeordneter im Landtag nicht wie drei seiner Kollegen mit der FPÖ für die Volksbefragung plädiert. Für künftige Projekte erwarte er sich im Hinblick auf das Ergebnis, dass ein „ernsthafter Dialog“ mit der Bevölkerung geführt werde.

Bürgermeister Karl Markut (Team Kärnten) ist in St. Georgen auch Obmann des Vereines "Kraftquelle"
Bürgermeister Karl Markut (Team Kärnten) © KK

„Klare Ablehnung“

Bezirksweit votierten im an Windrädern im Kärnten-Vergleich reichen Lavanttal 58,76 Prozent der Wähler (8769 Stimmen) mit ihrem „Ja“ für ein Windkraft-Verbot. „Das ist eine klare Ablehnung des Ausbaues der Windkraft, acht von neun Gemeinden sprachen sich gegen weitere Windräder aus“, sagt der Wolfsberger Nationalratsabgeordnete und FPÖ-Bezirksparteichef Christian Ragger, der mit seiner Partei treibender Motor der Volksbefragung war. Dass sich kärntenweit vor allem im Zentralraum um Klagenfurt und Villach, wo überhaupt keine Windkraftprojekte geplant seien, die Mehrheit der Wähler gegen das Verbot ausgesprochen hätte, sei „ein obskures Ergebnis“. Nun sei, wie Ragger betont, das Land gefordert, eine gesetzliche Regelung zu schaffen, die den Ausbau von Windrädern stoppe.

Chefpresso Ragger
FPÖ-Bezirksparteichef Christian Ragger © Helge Bauer

Einziger Ausreißer

Mit 52,82 Prozent Nein-Stimmen sprach sich allein Frantschach-St. Gertraud gegen ein Verbot der Windkraft aus. „Das ist erfreulich“, kommentiert der Initiator des bereits genehmigten Windparks Bärofen, Franz Dorner, das Ergebnis in seiner Heimatgemeinde. Zurückzuführen sei das darauf, dass die Bürger von Anfang an „solide“ über das Vorhaben informiert worden seien. Dass die Nutzung von Windenergie in Kärnten mehrheitlich abgelehnt wurde, sei für ihn „ein gewisser Wermutstropfen“, denn man brauche den Energie-Mix. Im Hinblick auf die bundeslandweite Wahlbeteiligung von nur knapp 35 Prozent relativiert er das Ergebnis aber: „Das ist kein eindeutiger Beweis, weil nur ein Drittel abgestimmt hat, von dem wiederum ein Sechstel für die Windkraft ist und eines gegen sie.“

Windpark-Initiator Franz Dorner
Windpark-Initiator Franz Dorner © Georg Bachhiesl

Vonseiten der „Bürgerinitiative für ein windparkfreies Lavanttal“ wurde die Volksbefragung sehr begrüßt. „Dieses demokratische Mittel kommt viel zu selten zum Einsatz“, sagt Robert Gritsch. Mit großem Augenmerk habe er insbesondere die Ergebnisse in Reichenfels und St. Georgen verfolgt. „Es ist interessant, dass in der Parade-Windpark-Gemeinde St. Georgen 54,29 Prozent für ein Verbot gestimmt haben und es auch in Reichenfels zu einem Umschwung gekommen ist“, so der Sprecher der Bürgerinitiative. Von der Landespolitik erwarte sich der Lavanttaler nun, dass mit dem Ergebnis „umsichtig umgegangen“ werde: „Ich gehe davon aus, dass die genehmigten Windpark-Projekte noch umgesetzt werden, aber danach ein Schlussstrich gezogen wird.“

Robert Gritsch von der „Bürgerinitiative für ein windparkfreies Lavanttal“
Robert Gritsch von der „Bürgerinitiative für ein windparkfreies Lavanttal“ © Sandra Zarfl