Die Frage nach dem Warum taucht immer wieder auf, auch jetzt mehr als zehn Jahre nach dem Tod seiner Frau, die ihn damals mit den vier Kindern allein zurücklassen musste. Das war immer ihre Angst gewesen, hatte sie doch selbst früh die Mutter verloren. „Ihre größte Sorge war, dass ich mit den Kindern nicht allein zurechtkommen könnte“, erinnert sich der Landwirt an jene Zeit, die Wunden geschlagen hat, die bis heute nicht verheilt sind. Die kleinsten Kinder waren damals noch Babys, die größeren gingen schon in die Schule, wollten nach dem Tod der Mutter aber nicht mehr lernen, litten unter Panikzuständen, weinten jeden Tag.
Verlust
„Die größte Herausforderung für mich war, die Kinder meinen Verlust nicht spüren zu lassen“, erzählt der Vater, der fast unmenschliche Kräfte mobilisieren musste, um mit der belastenden Situation fertig zu werden. Er hat sie bewundernswert gut gemeistert.
Mama vermissen
Haus und Hof mit Kühen und Wald hat er zukunftsorientiert gestaltet, die Kinder haben sich gut entwickelt, besuchen Pflicht- und Fachschule und die Universität. Beim Besuch erlebt man sie als freundliche, verständige und ehrgeizige junge Menschen, deren Leistungen oft mit vielen Medaillen gekrönt wurden. Jede Auszeichnung widmen sie ihrer Mama, die sie immer noch vermissen. Ebenso wie ihr Vater, der nach anfänglichen Solidaritätskundgebungen so manche Freunde verloren hat, die mit der Situation nicht umgehen konnten. „Es muss weitergehen, es wird schon irgendwie funktionieren“, hat er sich immer wieder gedacht, wenn er am Limit war, nicht wusste, wie er neben seiner Trauer Kindererziehung, Haushalt, Schulprobleme, Elternsprechtage, Zahnarztbesuche und die Baustelle am Hof unter einen Hut bringen sollte.
Versprechen an die Frau
„Flexibel sein und viel organisieren“, sei bis heute das Rezept. Und große Einsatzbereitschaft, die um 4.30 am Morgen beginnt und spätabends endet. „Ich habe meiner Frau versprochen, die Kinder großzuziehen und habe mich bemüht, mein Versprechen so gut wie möglich zu halten“. Auch die Freude an der Arbeit versuche er seinen Kindern zu vermitteln. Doch immer noch kämpft er mit seiner größten Herausforderung, Vater und Mutter zugleich zu sein. Gott sei Dank habe sich bald nach dem Tod der Mutter eine Bekannte aus der Nachbarschaft gefunden, die einspringen konnte, um Haushalt und Kinder einige Tage die Woche zu versorgen und die Kleinsten zu Bett zu bringen. „Ohne diese Hilfe wäre es nicht gegangen“, ist der Vater dankbar. Die wertvolle Helferin konnte mit Spenden von Kärntner in Not eingestellt werden und ist bis heute regelmäßig für die Familie da.
Schicksal
„Kärntner in Not ist eine gute Aktion. Sie kann keinen Menschen ersetzen, aber große Sorgen nehmen und den Alltag erleichtern“, ist er überzeugt. In diesen Tagen allerdings fällt ihm Optimismus und Hoffnung schwer. „Weihnachten ist für mich ein Horror, nach wie vor“, sagt er. „Meine Frau und ich waren eng verbunden, haben über alles geredet, sie war mein bester Freund“, erzählt er. „In dieser Zeit, für mich die schlimmste im Jahr, denke ich oft an Hiob“, erwähnt er die biblische Figur, die trotz großem Leid den Glauben nicht verliert. „Weihnachtsstimmung zu verbreiten, wenn einem nicht danach zumute ist, fällt schwer.“ Er versuche, seine Kinder durch Aktivitäten wie Skifahren abzulenken und sich selbst nicht ins „tiefe, schwarze Loch“ fallen zu lassen. „Ich habe gelernt, das Schicksal anzunehmen, wie es ist.“