Erst vor wenigen Tagen sorgte ein Video für Aufsehen: Ein Finnwal schwamm bei Dubrovnik ganz nahe zum Ufer. Das zweitgrößte Tier der Erde wurde nur 30 Meter vom Strand entfernt von Badegästen gefilmt. Am Dienstag gab es dann erneut „Walalarm“ in Kroatien: Es war wieder ein Finnwal, dieses Mal tauchte er bei Pula in Istrien auf. Ob es sich um ein und dasselbe Tier handelt, ist offen. Es waren jedenfalls nicht die einzigen seltenen und besonderen Sichtungen in der Adria in jüngster Zeit. Vor der Küste Montenegros ging einem Fischer in der Vorwoche ein Weißer Hai ins Netz und erst im April umkreiste ein Riesenhai ein Boot nahe der kroatischen Kvarner Bucht.
Vom Finnwal über den Weißen Hai bis hin zum Riesenhai - Biologe Ulrich Karlowski von der Deutschen Stiftung Meeresschutz erklärt, welche Riesen sich in der Adria - der „Lieblingsbadewanne“ der Österreicher - tummeln.
Wale
Die Adria ist natürlich kein Hotspot für das Whalewatching (Walbeobachtung). Gelegentlich sind die riesigen Säugetiere aber auch dort zu sehen. Karlowski: „Es gehört schon eine Portion Glück dazu, so einem Meeressäuger leibhaftig zu begegnen.“ Vier Walarten wurden bisher in der Adria nachgewiesen, oftmals handelt es sich um äußerst seltene Irrgäste. Ein solcher „Besucher“ ist der Finnwal, wie er kürzlich vor Pula und Dubrovnik zu sehen war. Ende August des Vorjahres wurde südöstlich von Triest ein Finnwal-Kadaver entdeckt. 2023 gab es Ende April eine spektakuläre Beobachtung nahe der kroatischen Insel Vis. Dort wurde sogar eine Gruppe von rund zehn Finnwalen gesichtet. Finnwale erreichen eine Größe von bis zu 24 Metern und ein Gewicht von 30 bis 80 Tonnen.
Für Pottwale, die bis in eine Tiefe von 2000 oder sogar 3000 Meter hinab tauchen können, kann die „flache“ Adria hingegen zur Todesfalle werden. Eine der jüngsten Sichtungen stammt laut Stiftung Meeresschutz vom August 2023. Damals wurden fünf dieser Riesen - Pottwale erreichen eine Länge von 18 Metern - nahe der Insel Korčula gesehen. 2016 sollen sich drei Pottwale sogar bis auf die Höhe von Rovinj (Istrien) gewagt haben. Ein Buckelwal (bis zu 15 Meter) hatte sich 2009 bis in die Bucht von Piran (Slowenien) verirrt. Und 2001 tauchte ein Cuvier-Schnabelwal vor Dubrovnik auf. Das Tier starb jedoch, nachdem es Plastiksäcke gefressen hatte.
Haie
Eines gleich vorweg: Das Risiko eines Haiangriffes auf einen Menschen ist in der Adria äußerst gering. Rund 30 verschiedene Arten gibt es laut Stiftung Meeresschutz speziell in der Ostadria. Während die meisten von ihnen klein und unspektakulär sind, gibt es auch größere Exemplare. Einer davon ist der Riesenhai. Er ist völlig harmlos und filtert mit geöffnetem Maul Zooplankton aus dem Wasser. Riesenhaie werden bis zu fünf Tonnen schwer. Nicht nur im April nahe der Kvarner Bucht, auch im Dezember 2024 wurde ein solcher Meeresgigant nahe einer istrischen Halbinsel gefilmt
Der Weiße Hai wurde durch den bekannten Horrorfilm aus dem Jahr 1975 „berühmt“. Laut dem Biologen Ulrich Karlowski waren Weiße Haie in den Küstengewässern der östlichen Adria noch bis zur ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts relativ häufig: „Mit dem Schwund der Hauptbeute Roter Thunfisch verschwanden sie mehr oder weniger.“ 2017 wurde ein Weißer Hai vor Rimini gefilmt, 2023 gab es ähnliche Beobachtungen in kroatischen Gewässern. Obwohl der Weiße Hai zu den wenigen Haiarten zählt, die auch Menschen angreifen können, gibt es in der Adria kaum dokumentierte Vorfälle.
Kein Weißer Hai, sondern ein Blauhai war erst Mitte Mai der „Stargast“ im Hafen von Triest. Der etwa zwei Meter lange Raubfisch schwamm dort zwischen den Booten herum.
Ein spektakuläres Video gelang auch einem Fischer im Vorjahr nahe der Küste von Miramare im Golf von Triest. Beim Thunfisch-Angeln hatte der Mann plötzlich einen drei Meter langen Hai am Haken. Es handelte sich dabei um einen Gemeinen Fuchshai, dessen besonderes Merkmal eine extrem lange Schwanzflosse ist. Vor Lignano wurde im April 2023 ein Fuchshai von einem Schüler gefangen. Der Meeresbewohner wurde wieder in die Freiheit entlassen.
Mondfisch
Auch die schwersten Knochenfische der Welt sind in der Adria heimisch. Erst kürzlich posteten italienische Meeresforscher das Video eines Mondfisches, der sich vor der Küste von Sistiana an der Wasseroberfläche „sonnte“. Mondfische werden bis zu einer Tonne schwer. Im Vorjahr „stolperten“ Spaziergänger am Strand von Venedig über diesen riesigen Fisch. Der Kadaver konnte aufgrund seiner Größe und seines Gewichts nicht sofort abtransportiert werden.
Meeresschildkröten
Drei Arten von Meeresschildkröten existieren in der Adria. Nur eine davon trifft man dort häufiger an: die Unechte Karettschildkröte. „Der nördliche Teil der Adria ist sogar einer ihrer wichtigsten Futtergründe im Mittelmeer“, sagt Karlowski. Eine Karettschildkröte wird bis zu einen Meter groß und 160 Kilogramm schwer. Meeresschildkröten sind streng geschützt. 2021 gab es eine kleine „Sensation“: Erstmals waren neun Unechte Karettschildkröten auf dem Strand von Jesolo geschlüpft. Noch nie hatten Meeresschildkröten so weit nördlich Eier gelegt. Urlauber fotografierten sie bei ihrem Gang zum Meer. Eine traurige Entdeckung wurde hingegen in der Vorwoche am Strand von Bibione gemacht. Dort wurden vier tote Meeresschildkröten gefunden. Eine von ihnen wies schwere Verletzungen auf, vermutlich durch einen Bootspropeller verursacht.
Riesenmuscheln & Co.
Mit etwas Glück kann man bei einem Urlaub an der Adria auch Delfine beobachten. Laut Stiftung Meeresschutz lebt nur eine Art dort ständig: der Große Tümmler. Andere Delfinarten sind hingegen nur gelegentliche Besucher. Als einen weiteren Riesen in der Adria führt Biologe Karlowski auch die Edle Steckmuschel an. Sie wird bis zu 1,2 Meter groß und ist akut vom Aussterben bedroht: „Noch leben einzelne Exemplare in der kroatischen Adria. Vonseiten der Wissenschaft und der Meeresschützer wird streng darauf geachtet, dass Standorte nicht öffentlich bekannt werden.“