Einen ganzen Tag lang war ein Blauhai in der italienischen Hafenstadt Triest der Star. „Bei uns gingen zahlreiche Anrufe ein. Wir fuhren sofort mit den Experten los, um das Tier zu sehen. Es handelt sich wirklich um ein Prachtexemplar“, sagt Lisa Peratoner, Sprecherin des WWF-Meeresschutzzentrums Miramare „AMP Miramare“.
Mit einem Taucherteam wurde unter Wasser auch ein 3D-Video erstellt. „Dabei untersuchten wir das ausgewachsene, rund zwei Meter lange Weibchen auf etwaige Verletzungen. Aber es waren nur kleine Bisswunden festzustellen. Diese können auch vom Paarungsspiel durch die Männchen stammen“, so Peratoner.
Das Auftauchen eines Blauhaies sei nicht ungewöhnlich. „Gerade erst vor zwei Wochen gab es schon eine Sichtung. Wir wissen jetzt natürlich nicht, ob es sich dabei um das Tier von gestern handelte. Die Blauhaie kommen nämlich gerne zur Aufzucht ihrer Jungen in die Obere Adria“, sagt Peratoner. Manchmal verirre sich ein Blauhai auch in Küstennähe. Etwas ungewöhnlich war das Verhalten des Blauhai-Weibchens am Dienstag aber doch. Es schwamm zwischen den Booten, auch nur 20 Zentimeter vom Stein-Ufer im Hafen herum.
„Auch die vielen Menschen, die Fotos und Videos machten, verschreckten den Hai nicht“, erzählt Peratoner. Blauhaie sind eine bedrohte Tierart. In Spanien werden sie tonnenweise gefischt. Das italienische WWF-Zentrum Miramare startet deshalb gerade eine Aufklärungskampagne zum Schutz der Tiere. Blauhaie seien ein wichtiger Bestandteil des Meeres. Dass das Triester Blauhaiweibchen in Gefahr ist, kann sich die Expertin nicht vorstellen. „Zum einen gab es zu viel Aufmerksamkeit in den Medien. Zum anderen gibt es kaum Fischer, die für einen Haifang ausgerüstet sind. Man findet zwar auch Hai auf dem regionalen Fischmarkt, aber das sind eher Zufallsfänge. Wenn der Fisch einmal im Netz ist, dann wird er mitgenommen und auch verkauft“, erklärt Peratoner, die für das WWF Zentrum Miramare ab Juni auch mehrmals pro Woche Schnorchelgänge vor Miramare organisiert, um den Interessenten die Meereswelt näher zu bringen.