Selbst der Reporter der bekannten Lokalzeitung „Il Piccolo“ staunte, was sich am ersten Mai-Wochenende in Triest abspielte: Am Freitag zwischen Feiertag und Wochenende waren weite Teile der Hauptverkehrsadern lahmgelegt, Fahrzeugschlangen stauten sich durch die Stadt, die Parkplätze waren überlastet. Von einem „düsteren Tag, an dem der Verkehr zusammenzubrechen drohte“, schrieb der „Piccolo“. Alarmierend hieß es weiter: Triest habe mit den ersten wirklich kritischen Problemen im Zusammenhang mit den Touristenströmen zu kämpfen. Was passierte, sei „ein Sinnbild für ein doppeltes Risiko in der Zukunft: den Zusammenbruch des Verkehrs und Spannungen zwischen Einheimischen und Touristen, wenn Überfüllung zur Normalität wird.“

„Ja, es ist ein Boom“

Tatsächlich boomt Triest wie kaum eine andere Stadt in Italien. Gegenüber 2019 kletterte 2024 die Zahl der Übernachtungen um 44,4 Prozent auf fast 1,9 Millionen. Dazu kommen geschätzte 300.000 Übernachtungen, die nicht offiziell gemeldet werden, so schätzt Guerinno Lanci, der Chef der Triestiner Hoteliervereinigung (Federalberghi Trieste). „Ja, es ist ein Boom“, bestätigt Lanci im Gespräch mit der Kleinen Zeitung.

Dazu kommen täglich Abertausende, die nicht über Nacht in Triest bleiben und die Stadt nur für einen Tagesausflug besuchen: Urlauber aus Orten wie Grado, Görz, Udine oder von slowenischen Küstenorten – aber auch massenhaft Kroaten, die den Preissteigerungen in den heimischen Geschäften entfliehen. Sie alle belasten die Infrastruktur der Stadt, eingezwängt zwischen Küste und Karst, zusätzlich.

Tourismus-Landesrat Sergio Emidio Bini: „Ich bin überzeugt, dass die Stadt bereit ist, neue Besucher zu empfangen – sie hat das bereits unter Beweis gestellt.“
Tourismus-Landesrat Sergio Emidio Bini: „Ich bin überzeugt, dass die Stadt bereit ist, neue Besucher zu empfangen – sie hat das bereits unter Beweis gestellt.“ © Kk

„Fehlende Parkplätze“

„Das größte Problem sind fehlende Parkplätze“, sagt Lanci und bestätigt, was viele Gäste und Einheimische erleben. Es mangelt an Auffangparkplätzen und an Parkplätzen in der Stadt. Hier soll es bald etwas Entlastung geben, verspricht Lanci – auch durch eine Parking-App, die in wenigen Monaten live gehen und Autofahrer zu freien Parkgaragen lotsen soll. Keine Engpässe gebe es hingegen bei den Betten, erklärt Lanci: Da gebe es ausreichend Ressourcen, Jahr für Jahr wachse die Zahl der Gästebetten in Triest um beachtliche rund zehn Prozent.

Basis von Ryanair

Es sei unumgänglich, das Übernachtungsangebot zu verstärken, sagt Sergio Emidio Bini, der Landesrat für Wirtschaft und Tourismus der Region Friaul-Julisch Venetien. Er macht im Gespräch mit der Kleinen Zeitung für den großen Erfolg Triests auch das wachsende Flugangebot verantwortlich, das Triest mit europäischen Metropolen verbindet. Der Flughafen Triest ist mittlerweile zu einer Basis der irischen Billigfluglinie Ryanair geworden.

Chef der Hoteliervereinigung Federalberghi Trieste: Guerinno Lanci
Chef der Hoteliervereinigung Federalberghi Trieste: Guerinno Lanci © Kk

„Exponentiell gewachsen“

Aber auch die Kreuzfahrtindustrie führt Triest in kurzen Abständen Tausende Touristen zu. Seit dem Verbot für große Schiffe in der Lagune von Venedig 2021 sei diese in Triest exponentiell gewachsen, sagt Bini. Man habe die Chance genutzt und wichtige Partnerschaften mit führenden Reedereien geschlossen. Doch verschärft die starke Präsenz von Kreuzfahrtschiffen den Mangel an Parkplätzen, denn zentrale Parkplätze unweit der Piazza Unità d’Italia werden gesperrt, sobald ein Schiff einläuft.

„Bereit, neue Besucher zu empfangen“

Das neue „Generali Convention Center“ befördert zudem den Kongresstourismus. Dass Triest auf ein Übertourismus-Problem zusteuere, glaubt Bini hingegen nicht: „Ich bin überzeugt, dass die Stadt bereit ist, neue Besucher zu empfangen – sie hat das bereits unter Beweis gestellt.“

Nicht nur die Hauptstadt der Region, sondern ganz Friaul erlebe einen noch nie dagewesenen Tourismus-Aufschwung – Triest bilde da keine Ausnahme, sagt der Politiker. Um diesen zu unterstützen fördere die Region innovative Maßnahmen: etwa zur Renovierung von Ferienwohnungen, sie bietet Anreize für die Errichtung sogenannter „alberghi diffusi“ – also dezentraler Hotelbetriebe – und begünstigt die Eröffnung neuer 4-Sterne-Hotels durch eigene Ausschreibungen.

Supercup in Udine

Anders als im Fußball steht Udine touristisch im Schatten des großen Triest. Aber auch Udine darf sich über touristische Zuwächse freuen: Fast 900.000 Übernachtungen bedeuten ein Plus von 14,1 Prozent gegenüber 2019. Vor allem vom Alpe-Adria-Radweg habe Udine massiv profitiert, sagt Bini, und verzeichne seit zwei Jahren einen deutlichen Anstieg an Radtouristen. Apropos Fußball: Am 13. August wird Udine zum Schauplatz des UEFA-Supercups – Tausende Übernachtungen inklusive.