Mit Haaren die Umwelt retten? Normalerweise wandern jährlich Tonnen an Haarresten als ungenutzte Ressource in den Restmüll. Dabei wirken Haare wie ein natürliches Reinigungsmittel im Kampf gegen Verunreinigungen wie Öl, Benzin oder Sonnenmilchresten. Durch ihre Eigenschaft, Fett zu binden, können sie besonders viel Öl aus dem Wasser ziehen. Genau diese Saugfähigkeit weiß die Initiative "Hair Help the Oceans" ("Haare helfen den Ozeanen") zu nutzen.

Inspiriert vom französischen Verein "Coiffeure Justes" ("Faire Friseure"), der abgeschnittene Haare in alte Nylonstrümpfe füllt, zu Rollen bindet und dann als Filter für verunreinigte Gewässer einsetzt, stellt das deutsche Start-up Haarfilter her. Auch vier Kärntner Betriebe, darunter das Ehepaar Ernst Gradisar und Klara Richarzhagen vom Klagenfurter Friseursalon "Haarisma" und Natascha Kaspar von "Styling Creative" aus Kühnsdorf, haben sich von der Initiative begeistern lassen.

Natascha Kaspar engagierte sich mit ihrem Salon "Styling Creative" als erste Friseurin bei "Hair Help the Oceans."
Natascha Kaspar engagiert sich mit ihrem Salon "Styling Creative" als erste Friseurin bei "Hair Help the Oceans"
© Natascha Kaspar

Haarfilter für saubere Gewässer

Haare sind enorm saugfähig und binden durch ihre Struktur leicht Fett. Ein Kilogramm Haare kann so bis zu acht Kilogramm Öl aus verschmutzten Gewässern filtern. Diese Fähigkeit verliert sich auch nicht im geschnittenen Zustand. Das macht Haare zur perfekten Waffe gegen Verunreinigungen. Die Haarfilter kommen überall dort zum Einsatz, wo Motorboote tanken und fahren, Benzin oder andere Öle auslaufen oder es durch Unfälle zu Verschmutzungen in Gewässern kommt. Nach der Nutzung können die Filter gewaschen und bis zu achtmal wiederverwendet werden.

Friseure für den Umweltschutz

Natascha Kaspar war in Kärnten federführend: Mit ihrem Friseursalon "Styling Creative" war sie die Erste, die Anfang Juli die Initiative unterstützte. Mittlerweile gibt es drei weitere Partnersalons, was die Kühnsdorferin sehr freut.

Im Friseurstudio "Harisma" wird der Rohstoff für Haarfilter gesammelt, die später bei der Säuberung von verschmutzten Gewässern helfen können.
Im Friseurstudio "Harisma" wird der Rohstoff für Haarfilter gesammelt, die später bei der Säuberung von verschmutzten Gewässern helfen können
© Dieter Kulmer

"Jeder Friseur produziert sehr viel Müll", schildert Richarzhagen. "Wir machen sehr viel Positives für den Menschen, aber auch viel Negatives für die Umwelt." Deshalb ist es dem Friseur-Duo wichtig, so umweltfreundlich wie möglich zu sein. Zudem möchten sie auch ihren jungen Mitarbeitern ein Vorbild sein. Natascha Kaspar aus Kühnsdorf motivieren ähnliche Gründe: "Mich begeistert die Idee, ein Abfallprodukt einer sinnvollen Nachnutzung zuzuführen."

Kleiner Aufwand, große Wirkung

Im Klagenfurter Salon "Haarisma" fallen im Schnitt acht bis zehn Kilo Haarreste in vier Wochen an, bei Kaspar in Kühnsdorf kommt ein 75-Liter-Sack zusammen. Die Haare wandern jetzt nicht mehr in den Restmüll, sondern werden zur Weiterverarbeitung nach Deutschland geschickt. Dazu werden die Haarreste gesammelt und in Papiertüten gesteckt.

Farbe, Länge und Struktur: alles nebensächlich, solange die Haare nicht nass sind. Ansonsten könnten sie nämlich schimmeln. Für den Versand kommen die Haarreste letztendlich in einen recycelten Papierkarton, bevorzugt von einer Zulieferfirma. Durch die Produktlieferungen seien sowieso immer genug vorhanden, sagt Kaspar. Der Versand sei sogar C02-neutral. Für Verarbeitung und Lieferung zahlen die Unternehmer freiwillig 26 Euro pro Monat. "Das ist unser Beitrag zur Natur", sagt Klara Richarzhagen stolz.

Normalerweise landen Haare nach dem Friseurbesuch im Müll. Das soll sich ändern: Stattdessen werden sie als Filter zur Säuberung von Gewässern genutzt. Auch vier Kärntner Friseure machen mit.
Vier Kärntner Friseure unterstützen zurzeit die Initiative mit ihren Haarabfällen
© Hair Help the Oceans

Bislang sind in Österreich rund 80 Friseurstudios am Projekt beteiligt, in Kärnten sind es bislang vier. Die Friseure hoffen, dass die Initiative bei mehr Unternehmen Anklang findet.