Alina Lubi kam als Frühchen zur Welt. Sie und ihre Zwillingsschwester wurden drei Monate zu früh geboren. Während das eine Mädchen - Valerie - schnell Fortschritte machte, bekam Alina körperliche Probleme. „Bei ihr wurde spastische Diparese diagnostiziert“, erzählt Mutter Petra Lubi aus Klagenfurt. „Alinas Muskelspannung ist erhöht, ihre Beine versteift, sie hat eine Fußhebeschwäche und dadurch war ihr Gangbild extrem schlecht.“ Alina sagt: „Ich bin oft gestürzt und gestolpert. Aber ich bin gleich wieder aufgestanden, ich hab den Schmerz gar nie richtig gespürt.“ Ihre Füße seien immer stark nach innen gedreht und versteift gewesen. „Die Knie waren geknickt, die Beine wirkten unkoordiniert“, schildert die Mutter.
Als kleines Mädchen war Alina immer sehr selbstbewusst. Einmal hat ihr ein Bub am Spielplatz nachgeschrien: „Du bist ja behindert!“ Darauf konterte Alina: „Ich bin nicht behindert. Ich gehe nur anders.“ Ihre ganze Kindheit hindurch musste Alina wegen ihrer Gehbehinderung Spezialschuhe und Schienen tragen und Therapien machen.
In den letzten Jahren hat sich allerdings viel verändert. Heute ist Alina 15 und sagt strahlend: „Ich kann jetzt endlich richtig gehen und normale Schuhe anziehen, so wie die meisten anderen Mädchen in meinem Alter auch.“
Vor wenigen Wochen hatte die Klagenfurterin nämlich zum zweiten Mal eine Spezialoperation in einer Klinik in Barcelona. „Der Arzt ist auf Fälle wie den von Alina spezialisiert“, sagt Mutter Petra Lubi. Bereits im Jahr 2018 wurde Alina dort operiert. „Danach hatte sich ihr Gangbild stark verbessert,“ erzählt die Mutter. Alina sagt: „Da habe ich mich das erste Mal gefühlt, wie die anderen Mädchen, die ich kannte.“ Weil sie in letzter Zeit einen unerwartet starken Wachstumsschub bekam, wurde nun ein zweiter Eingriff nötig. Deshalb flogen Mutter und Tochter im April erneut zu dem Spezialisten in die Klinik nach Barcelona. „Der Arzt machte eine aufwendige Operation, bei der die Faszien behandelt wurden. Eine österreichische Physiotherapeutin hat alles für uns in die Wege geleitet“, erklären Mutter und Tochter. Der Verein „Kärntner in Not“ und andere Helfer haben die Familie dabei finanziell unterstützt.
Keine Bewegung erlaubt
„In den ersten zwei Wochen nach der Operation durfte ich mich nicht bewegen und nur ruhig im Rollstuhl sitzen“, erzählt Alina. „Danach musste sie wieder aufstehen lernen und langsam üben, Schritte zu machen,“ berichtet ihre Mutter. Und jetzt - knapp ein Monat später - kann die 15-Jährige wieder alleine gehen. „Ihr Gang ist seit der zweiten Operation wieder deutlich besser geworden“, sagt die Mutter. Zur Sicherheit sind bei unserem Treffen im Park noch Rollstuhl und Krücken dabei. „Aber schon bald brauche ich das nicht mehr“, meint Alina. „Ich bin total glücklich und möchte mich bei allen Menschen bedanken, die mich unterstützt haben. Es ist voll super“, sagt sie mit jugendlicher Leichtigkeit.
„Als Kind war das schon oft deprimierend“, erinnert sich Alina. „Meine Schwester konnte skaten und alles und ich musste da stehen und zusehen. Bei Ausflügen oder Badetagen mit anderen Kindern musste ich manchmal getragen werden.“
Jetzt steht sie allerdings selbst mit beiden Beinen fest im Leben. Auch beruflich ist die 15-Jährige mittlerweile auf einem guten Weg. „Ich absolviere eine Lehre zur Bürokauffrau bei der Firma ABC. Das taugt mir sehr. Ihr nächstes Ziel: „Ich will den L17 Führerschein machen und mit meiner Schwester auf Urlaub fahren.“ Alina startet durch.