„Es muss alltagsrelevant sein, das ist mein Anspruch“, erklärt Kommunikationswissenschaftlerin Christina Seeger vom Institut für Medien- und Kommunikationswissenschaft an der Uni Klagenfurt. Seit geraumer Zeit lehrt und forscht sie bereits an der AAU, nun hielt die gebürtige Niederbayerin dort ihre mit Spannung erwartete Antrittsvorlesung.

„Berge und Seen wie bei mir daheim“

Geboren und aufgewachsen ist die heute 40-Jährige in Deggendorf, fürs Studium hat es sie schließlich nach München verschlagen. „Ich habe dort promoviert und anschließend lange an der Uni gearbeitet. Als ich dann aber die ausgeschriebene Professur an der Uni Klagenfurt gesehen habe, war ich gleich begeistert“, erzählt sie. Dabei haben nicht nur Inhalte eine entscheidende Rolle gespielt: „Kärnten ist dem Alpenvorland in meiner Heimat mit den Bergen und den Seen so ähnlich, nun habe ich hier eine zweite Heimat gefunden.“

Den Weg nach Klagenfurt fand sie noch zu Corona-Zeiten, der gesamte Bewerbungsprozess fand daher online statt. „Als ich dann tatsächlich das erste Mal physisch nach Klagenfurt gekommen bin, hatte ich bereits unterschrieben. Als ich den türkisblauen Wörthersee dann das erste Mal vom Zug aus gesehen habe, war ich total begeistert“, sagt die Deutsche, die in ihren ersten Monaten im Zug kaum zum Arbeiten gekommen ist: „Ich habe lieber durchgehend Fotos von der tollen Natur geschossen.“ Dabei verbringt sie gar nicht so wenig Zeit im Zug, sie pendelt nämlich wöchentlich zwischen ihrem primären Arbeitsort Klagenfurt und ihrer Familie in München – dort lebt ihr Mann mit dem gemeinsamen Sohn.

Über Trump und Essgewohnheiten

Noch schwerer als die Natur wog für Seeger aber natürlich die inhaltliche Kompatibilität mit dem Institut in Klagenfurt. „Die Erforschung von Medienwandel hat eine lange Tradition hier. Mich interessiert insbesondere, wie digitale Kommunikation unseren Alltag verändert – im Guten wie im Schlechten. Digitale Medien bringen Chancen und Probleme mit sich.“

Darüber hinaus beschäftigt sie sich mit der Frage, wie Wissenschaft und Wissenschaftskommunikation im digitalen, postfaktischen Zeitalter gelingen können. Generell sind ihre Themen relevanter denn je: „Es geht auch um die Fragen, welche Rolle Künstliche Intelligenz künftig spielen wird, welchen Informationen man überhaupt vertrauen kann. Und der Medienwandel zeigt sich nicht zuletzt etwa dadurch, dass wir Donald Trumps Ansichten primär über seine Social Media-Kanäle mitbekommen.“ Die Vielfältigkeit von Social Media ist auch genau das, was es laut Seeger so relevant als Forschungsthema macht: „Von der Weltpolitik bis hin zu persönlichen Esspräferenzen und der Frage, welches Körperideal gerade modern ist, wird alles online verhandelt.“ So fällt es der 40-Jährigen auch nicht schwer, dem eigenen Anspruch an die Lehre gerecht zu werden: „Immer alltagsrelevant bleiben, den Bezug zur Lebenswelt nie verlieren.“

PlayStation und Reality-TV

Und in ihrem privaten Alltag? Da versucht sie zumindest im Sommer das Büro an der Uni kurz zu verlassen, um mit dem Standup-Paddel am Wörthersee unterwegs zu sein. „Danach gehe ich mit vollem Kraftspeicher wieder ins Büro“, sagt die Deutsche, die darüber hinaus gerne mit ihrem Mann auf der PlayStation zockt und eine Schwäche für Reality-TV hat. „Rein beruflich natürlich“, erklärt sie lachend.