Wenige Tage nachdem die ARA-Flugretter am Nassfeld einen Skifahrer mit einer „Windel“ aus einer Felswand bergen mussten, rückten die Retter erneut aus. Diesmal wurde das ARA-Team aus Fresach im Bezirk Spittal/Drau zu einem Einsatz in die Steiermark gerufen.

„Wir wurden am Montagabend kurz nach 21 Uhr alarmiert“, sagt Flugretter Patrick Saupper. In der Südwand des Dachstein konnten zwei Tschechen (24, 21) im „Johann-Klettersteig“ (Schwierigkeitsstufe D/E) nicht mehr weiter. Gegen 22 Uhr trafen die Kärntner am Einsatzort in etwa 2400 Metern Seehöhe ein. „Die beiden Kletterer saßen im unteren Drittel des Steiges fest“, berichtet Saupper. Er wurde aus dem Hubschrauber „abgeseilt“ und legte dem ersten Tschechen, der festgeseilt in der Wand hing, das Berge-Dreieck, die sogenannte Windel, um.

Das Berge-Dreieck, auch „Windel“ genannt
Das Berge-Dreieck, auch „Windel“ genannt © ARA Flugrettung

Als der Alpinist in der „Windel“ fixiert war, kappte Saupper das Kletterseil des Alpinisten, der dann gemeinsam mit dem Flugretter in den ARA-Hubschrauber RK 1 hochgezogen und dort gesichert wurde. Für Saupper ging es erneut „bergab“, um den zweiten Kletterer auf dieselbe Weise zu bergen. Danach wurde der 24- und der 21-Jährige zu einem Zwischenlandeplatz beim Berghotel Dachstein in Ramsau geflogen. „Die Männer waren unterkühlt und erschöpft, aber nicht verletzt“, sagt Saupper.

Für die Retter aus Kärnten war die Einsatznacht damit aber noch nicht zu Ende. Denn unmittelbar nach dem Notruf der Tschechen haben sich Bergretter der Ortsstelle Ramsau auf den Weg zu den beiden Alpinisten gemacht. Sie wurden vom Rettungshubschrauber C14 auf den Gletscher geflogen, um von dort in den Klettersteig abzusteigen. Nachdem das ARA-Team die zwei Männer geborgen hatte, konnten die acht Bergretter ihren Einsatz beenden und stiegen wieder zum Gletscher hinauf. „Dort haben wir sie aufgenommen und in zwei Flügen ins Tal gebracht“, sagt ARA-Flugretter Saupper.

Kurz vor Mitternacht war der Einsatz auch für die Kärntner beendet und sie landeten wieder am Stützpunkt in Fresach im Bezirk Spittal/Drau.

Ermittlungen der Polizei haben mittlerweile ergeben, dass die beiden Männer wohl die winterlichen Verhältnisse unterschätzt und sich selbst überschätzt haben. Die Bergsteiger absolvierten bereits am frühen Montagmorgen den sogenannten Anna-Klettersteig. Nach dessen Begehung stiegen sie noch um 16 Uhr in den Johann-Klettersteig ein. Dabei schätzten sie die dort herrschenden Bedingungen (Schnee, Eis, einbrechende Dunkelheit) falsch ein, so die Landespolizeidirektion (LPD) Steiermark in einer Aussendung.

Schwierige Bergung

Laut LPD waren sowohl der Rettungshubschrauber C14 als auch der Polizeihubschrauber Libelle Alpha im Einsatz, konnten jedoch aufgrund der örtlichen Begebenheiten keine Bergung durchführen, weshalb die Bergretter aus Ramsau in die Dachstein Südwand einsteigen mussten. Erst Rettungshubschrauber RK1 gelang es, die beiden in Not geratenen Tschechen gegen 22.15 Uhr zu retten.

Die Positionen der Beteiligten: ARA-Hubschrauber RK1, Bergrettungsdienst (BRD) und die Bergsteiger
Die Positionen der Beteiligten: ARA-Hubschrauber RK1, Bergrettungsdienst (BRD) und die Bergsteiger © LPD Steiermark

Im Einsatz standen drei Hubschrauber, 16 Mitglieder der Bergrettung Ramsau am Dachstein und zwei Alpinpolizisten der Alpinen Einsatzgruppe Liezen.