"Drachenlord"Aufregung um deutschen Youtuber: Wie der Hass im Netz eskalieren kann

Der deutsche Youtuber "Drachenlord" wird seit Jahren von einem Mob gequält, bedroht und belästigt. Nun wurde er wegen Körperverletzung gegen seine Hater verurteilt.

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Der bekannte deutsche Youtuber „Drachenlord“ ist wegen gefährlicher Körperverletzung und anderer Straftaten zu zwei Jahren Haft verurteilt worden
Der bekannte deutsche Youtuber „Drachenlord“ ist wegen gefährlicher Körperverletzung und anderer Straftaten zu zwei Jahren Haft verurteilt worden © Youtube/Screenshot
 

Seit Jahren ist der Deutsche Rainer Winkler im Internet der „Drachenlord“. Dafür wird er gemobbt, beschimpft und bedroht – digital und vor allem auch im echten Leben. In breitestem Fränkisch kommentiert er auf Youtube den Alltag und politische Ereignisse. Er redet über Kosmetik und Computerspiele, gern auch mal frauenfeindlich oder sogar antisemitisch. Seine Inhalte sind vom Niveau her eher untere Schublade – seine Gegenspieler jedoch auch.

Denn neben vielen Fans hat der „Drachenlord“ inzwischen mehr sogenannte „Hater“. Winkler wird von Hass und Anfeindungen geradezu überschwemmt. 2018 fand sogar eine zweitägige Hass-Demo vor dem Haus des Youtubers im mittelfränkischen Emskirchen statt. Laut Polizei hielten sich zwischen 600 und 800 Menschen in dem kleinen Ort auf – darunter auch Österreicher.

Nutzer hatten einen „Kampf epischen Ausmaßes“ angekündigt, ein Internetuser forderte andere sogar zum Mord an dem Youtuber auf. Seither rissen die Anfeindungen nicht mehr ab, auch seine Schwester wurde bedroht. Ein Martyrium, geprägt von Todesangst – mit dem Winkler nicht mehr umgehen konnte. Er reagiert darauf – mitunter körperlich.

Daher soll der 32-Jährige wegen Körperverletzung zwei Jahre ins Gefängnis (Staatsanwaltschaft und Winkler selbst haben Berufung eingelegt). Er hatte unter anderem einem seiner „Hater“ mit einer Taschenlampe auf die Stirn geschlagen und ihn verletzt. Einen anderen bewarf er mit einem Backstein. Tätlichkeiten, die hilflose Versuche waren, sich gegen die übergroße tägliche Bedrohung zu wehren. „Dieses Verfahren ist ein trauriges Beispiel dafür, welche Folgen Hass und Mobbing im Internet haben“, sagte die Richterin bei der Urteilsverkündung in Nürnberg. Der Angeklagte sei Täter und Opfer zugleich. Eines ist er allemal– ohnmächtig. Cybermobbing ist in Deutschland bisher kein Straftatbestand. Winkler fühlte sich dem Mob gegenüber hilflos – und schlug vielleicht auch deswegen gewaltvoll um sich.

Wie ist das in Österreich?

Am 1. Jänner 2021 trat das Gesetzespaket „Hass im Netz“ in Kraft. Postings, welche die Menschenwürde verletzen, können rasch gelöscht werden. Dazu ist es möglich, beim Bezirksgericht ohne vorangehende Verhandlung einen Unterlassungsauftrag zu erwirken.

Kommentare (7)
WASGIBTSNEUES
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6
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SPIEGEL

Liebe Kleine Zeitung, den SPIEGEL bitte richtig zitieren und die ganze Wahrheit schreiben!

axe
1
23
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Liebe KlZ

Frech den Artikel von Sascha Lobo aus dem Spiegel mit ein paar Änderungen und viel Kürzungen kopiert? 🤨
Leider haben Sie mMn die Quintessenz weggelassen: Das Skandalöse an dem Urteil, dass es hier zu krasser Täter- Opfer- Umkehr gekommen ist. Der grölende Mob, der eine Person, die nicht in ihr Weltbild passt so lange drangsaliert und bis aufs Blut reizt und die Behörden schauen tumb zu. Und dann die Justiz in Form einer mMn noch einfältigeren Richterin, die dem Mob zur Krönung ebenfalls auf den Leim geht.
Wirklich schlimm, dass so etwas in unserer ach so aufgeklärten westlichen Welt passieren kann, stark befeuert von den ach so freundlichen (a-) sozialen Medien. Das erinnert nicht nur im Entferntesten, nein verdammt deutlich an Hexenverfolgungen aus dem Mittelalter! Pfui!

Ifrogmi
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Man darf es ruhig sagen, dass...

... der "Drachenlord" ein äusserst schwach begabter schüler mit unterstützungsbedarf war und sich daran nichts geändert hat.
Ziel der Meute war und ist stets ihn so zu provozieren, dass er, in die enge getrieben, unbedachte äusserungen ablässt. Diese werden gefilmt, geschnitten und der behörde mit dem Ziel übergeben ihn ins Gefängnis zu bringen.
Hier hat sich die Staatsanwaltschaft mit dem Gericht auf die Seite der hater gestellt anstatt diesen beschädigten zu schützen.
Hater geben sich Namen wie "Rudi aus Budeln" weil sie wissen wie sehr er am Verlust des Vaters Rudi leidet, sogar sein Grab wutde geschändet.
Eine userin machte ihm über ein Jahr avancen und liebesbezeugungen um ihn dazu zu bringen ihr im livestream einen Heiratsantrag zu machen. Dieser wurde vor tausenden zusehern mit der Bemerkung, dass er spinne und das dümmste auf erden sei lachend quittiert. Sein hemmungsloses weinen als Reaktion darauf wurde im Netz als Sieg gefeiert.
Erklärtes Ziel seiner hater ist es ihn ins Gefängnis zu bringen, die krönung wäre sein Selbstmord.
Man hat ihn den Behörden mit gezielter falschinformation immer wieder als Amokläufer der letzten Attentate so erfolgreich angepriesen, dass ein spezialkommando sein Haus stürmte und sein Bild und Name als attentäter sogar in den russischen Nachrichten auftauchte.
Usw.
Hier war ein Gericht am Werk, das einen schutzbedürftigen nie Schutz gab, sich aber jetzt auf Seiten der hater stellt, deren Ziele erfüllt und aus dem Opfer einen täter macht.

Gelernter Ösi
1
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Social Media und ihre Social Meute.

Ich verstehe dieses Urteil nicht. Wenn ein Mob mein Haus belagert und die Polizei hilft mir nicht - wer dann, wenn nicht ich mir selbst? Warum wurden diese "Opfer" nicht verurteilt?

hbratschi
1
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dieser "drachenlord"...

...mag nicht der allerhellste stern sein aber viel bedenklicher ist, was passiert, wenn der mob wen zum "feind" erklärt und sich mobilisiert. erinnert an schwärzeste zeiten...

GustavoGans
5
48
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Liebe Kleine Zeitung, Lieber Herr Patterer

Bitte verzichtet auf Schlagzeilen wie "der meistgehasste Deutsche im Internet". Es ist schlimm, auf welch sprachliches Niveau die Kleine Zeitung sich ruterlässt und mit einer Schlagzeile suggeriert, dass Hass gesellschaftstauglich ist. Bitte wundert euch nicht, wenn jahrelange, treue Abonnenten der Kleine Zeitung den Rücken kehren.

bundavica
2
16
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Das

Wollen Sie bei der Kleinen alles nicht hören. Leider.....