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Im Griff der ExtremeDas Sturmtief Bernd ist ein deutliches Zeichen, dass wir den Klimawandel ernst nehmen müssen

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Der Waldbericht der deutschen Bundesregierung ging in dieser Woche etwas unter zwischen aufziehendem Wahlkampf und beginnender Feriensaison im Land. Die Studie im Auftrag des Agrarministeriums hat es aber in sich.

Denn sie lässt wenig Zweifel: „Die Folgen des Klimawandels haben in den letzten Jahren deutliche Spuren in Deutschlands Wäldern hinterlassen“, heißt es bereits auf Seite 8. Dann führen die Experten weiter aus: „Die starken Stürme in den Jahren 2017 und 2018, die extreme Dürre und Hitzewellen in den Jahren 2018 bis 2020 sowie die massenhafte Vermehrung von Borkenkäfern haben in den Wäldern in Deutschland zu Störungen und massiven Waldschäden geführt.“

Extremwetter nennen Forscher die Zunahme von Starkregen wie jetzt an Rhein, Mosel und Wupper, schweren Gewittern, orkanartigen Windböen oder extremen Dürren. Deutschland hat das seit 2002 mehrfach erlebt, vor allem seit 2015. Der Rhein etwa, wo jetzt eine Hochwasserwelle von Norden nach Süden schwappt, kannte im Vorjahr und vor drei Jahren extremes Niedrigwasser. Unter einen Meter fiel der Pegel nahe Worms.

Schiffe konnten nur noch mit wenig Ladung passieren oder die Schifffahrt wurde eingestellt, mit gravierenden Folgen für die rheinaufwärts gelegenen Industriechampions wie die BASF in Ludwigshafen oder das Daimler-Lkw-Werk in Wörth nahe Karlsruhe. Die extreme Dürre führte vor drei Jahren wiederum zu Waldbränden in Brandenburg, der Holzkohlegeruch war bis in die noblen Gebiete am Prenzlauer Berg in Berlin zu vernehmen. Und auch die Bauern beklagten im Vorjahr zum dritten Mal hintereinander eine unterdurchschnittliche Ernte. Der Grund: Trockenheit.

Klimaaktivistin Greta Thunberg ist sich bei den Ursachen der glühenden Landschaften sicher: „Wir stehen ganz am Anfang eines klimatischen und ökologischen Notfalls, und Extremwetterereignisse werden nur immer häufiger werden“, erklärte sie die Extremwetter via Twitter zum „neuen Normal“. Forscher sind zurückhaltender bei der Bewertung und verweisen zunächst auf den Unterschied zwischen Wetter und Klima. Das Wetter beschreibt demnach kurzfristige Entwicklungen in der Atmosphäre, das Klima einen langfristigen Trend. Mit Blick auf das Wetter ist Tief „Bernd“ ein Phänomen.

Ein Hoch über Ostmitteleuropa und eines im Süden klemmten die Regenfront über Westdeutschland ein. Die Folge: Der Regen ging sehr konzentriert nieder. Das deckt sich mit Beobachtungen von Wissenschaftlern.

Demnach hat die bloße Niederschlagsmenge in Deutschland nicht zugenommen, drastisch gesunken ist aber die Zahl der Regentage. Die Folge: Überschwemmungen so wie jetzt an den Nebenflüssen von Rhein und Mosel.

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