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Deutschland nach der Flut Knapp 160 Menschen starben: Und niemand wurde gewarnt

Deutschlands Wirtschaftsminister Peter Altmaier fordert Aufklärung, ob der Katastrophenschutz tatsächlich ausreichend funktioniert habe. "Es muss, sobald wir die unmittelbare Hilfe geleistet haben, auch geschaut werden: Gibt es Dinge, die nicht gut gelaufen sind, gibt es Dinge, die schief gelaufen sind? Und dann muss korrigiert werden", sagte der CDU-Politiker am Sonntag im "Bild live"-Politiktalk "Die richtigen Fragen".

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Nach dem Unwetter in Nordrhein-Westfalen
Nach dem Unwetter in Nordrhein-Westfalen © APA/dpa/Oliver Berg
 

In Deutschland starben mehr als 150 Menschen in den Schlammfluten, sie wurden von einstürzenden Häusern erschlagen, sie ertranken. "Verschleiert werden soll, dass Sirenen nicht heulten. Dass Warnungen seit Tagen vorlagen, aber die Bürger nichts erfuhren", kritisiert die Bild-Zeitung.

Auch der Westdeutsche Rundfunk steht wegen seiner Berichterstattung aus Nordrhein-Westfalens Unwetterregionen nach wie vor in der Kritik. Der WDR hatte sein Nachtprogramm im Fernsehen und auf der Hauptwelle WDR2 trotz sich zuspitzender Lage in Wuppertal und anderen Orten in der Vorwoche, am Tag, als die Flut kam, nicht unterbrochen. In sozialen Netzwerken mehrten sich Vorwürfe. Der WDR kündigte für vergangenen Donnerstag dann "Sondersendungen im Radio und Fernsehen zu Auswirkungen des Unwetters in NRW" an.

Der Sender teilte mit: "In der Nacht hat der WDR im Netz auf WDR.de und bei WDRaktuell zur Situation in Wuppertal, Euskirchen und Rhein-Sieg-Kreis aktualisierte Infos gepostet und alle 30 Minuten monothematische Sonderausgaben der Radio-Nachrichten auf allen Wellen gesendet." Beim Jugendsender 1Live sei das Thema die ganze Nacht lang mit Beiträgen in der jungen Nacht der ARD für ganz Deutschland begleitet worden. "Die ARD Nacht-Programme, wie die ARD Info Nacht, wurden aus dem WDR Newsroom mit Informationen versorgt."

Der Branchendienst dwdl.de sprach von "unterlassener Hilfeleistung". dwdl-Chefredakteur Thomas Lückerath schrieb: "Wenn der finanziell großzügig ausgestattete öffentlich-rechtliche Rundfunk wie hier im Falle des WDR es in akuten Krisensituationen nicht schafft, ein verlässliches Informationsangebot für das Sendegebiet zu liefern, was wohl unbestritten zur Kernaufgabe gehört, dann wird bei all den Sparbemühungen der Häuser, an den falschen Stellen gespart."

Der Meteorologe und MDR-Moderator Jörg Kachelmann formulierte es bei Twitter auch sehr deutlich: "Ich hätte mich gefreut, wenn es diesmal anders gewesen wäre. Es tut weh, wenn genau die, die die Mittel hätten, um eine solche Wetterlage 24/7 zu begleiten, nichts tun, um Leben zu retten. Aber sie senden irgendeinen Scheiß und lassen die Leute ersaufen."

Hat Katastrophenschutz ausreichend funktioniert?

Unterdessen forderte Wirtschaftsminister Peter Altmaier Aufklärung, ob der Katastrophenschutz tatsächlich ausreichend funktioniert habe. "Es muss, sobald wir die unmittelbare Hilfe geleistet haben, auch geschaut werden: Gibt es Dinge, die nicht gut gelaufen sind, gibt es Dinge, die schief gelaufen sind? Und dann muss korrigiert werden", sagte der CDU-Politiker am Sonntag im "Bild live"-Politiktalk "Die richtigen Fragen". "Es geht nicht um Schuldzuweisungen, es geht um Verbesserungen für die Zukunft."

Der Leiter des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe, Armin Schuster, verteidigte den Katastrophenschutz gegen Kritik. "Unsere Warninfrastruktur hat geklappt im Bund", sagte er im ZDF-"heute journal". "Der Deutsche Wetterdienst hat relativ gut gewarnt." Das Problem sei, dass man oft eine halbe Stunde vorher noch nicht sagen könne, welchen Ort es mit welcher Regenmenge treffen werde. Über Warn-Apps seien 150 Meldungen verschickt worden. Wo die Menschen in den Hochwassergebieten durch Sirenen gewarnt worden seien und wo nicht, könne er im Moment nicht sagen.

Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul (CDU) sagte in der Sendung, man werde darüber nachzudenken haben, wie man Warnsysteme verbessern könne und wie man jene erreichen könne, die keine App hätten. Auch bei der Koordination der Katastrophenhilfe sei "wahrscheinlich noch einiges zu tun". Der Minister lehnte aber eine Zentralisierung des Katastrophenschutzes in Berlin ab.

Versäumnisse beim Bevölkerungsschutz

FDP-Fraktionsvize Michael Theurer sieht schwere Versäumnisse beim Bevölkerungsschutz. "Die rechtzeitigen Warnungen der Meteorologen sind weder von den Behörden noch vom öffentlich-rechtlichen Rundfunk hinreichend an die Bürgerinnen und Bürger kommuniziert worden", sagte er der Deutschen Presse-Agentur. "Es bietet sich das Bild eines erheblichen Systemversagens, für das der Bundesinnenminister Seehofer unmittelbar die persönliche Verantwortung trägt."

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) forderte unterdessen mehr Anstrengungen beim Klimaschutz. "Wir brauchen schon einen Klima-Ruck in Deutschland", sagte er am Montag im ARD-"Morgenmagazin". Das Unwetter mit verheerenden Folgen vor allem in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen, aber auch im Südosten Bayerns nannte er einen Weckruf.

Für Mittwoch kündigte Söder eine Regierungserklärung an. Dabei werde es nicht nur darum gehen, Ziele zu definieren, sondern das auch finanziell mit einem Klimaprogramm zu hinterlegen. Klimaschutz sei keine ideologische Frage, sondern eine Frage der Vernunft und der Ethik. Es gehe darum, die Heimat stärker zu schützen und zu überlegen, welche Welt man Kindern und Kindeskindern übergeben wolle.

Kommentare (23)
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Irgendeiner
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Ach ja,da fehlt schon wieder so viel,manchmal kommt man sich vor

wie so ein Pharao den die Nachfolger aus den Inschriften meiseln,nicht genannt soll er werden,ändert aber weder was an dummen Zurufen noch an passenden Antworten,aber ich steh immer zur Verfügung und außerdem,die Berichte von meinem Tod sind wie bei Twain stark übertrieben.Und irgendwie scheinen mir die Forenregeln in Bezug auf Löschungen mittlerweile völlig Makulatur zu sein,der Trend verstärkt sich weiter,aber was weiß ein impotenter Taxler schon,man lacht.

Heike N.
22
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Warnung? Wozu?

Man stelle sich vor, die Regierung gibt bei Schönwetter die Empfehlung heraus, das Haus mit Sack und Pack zu verlassen.

Was würde geschehen?

Wir haben zur Zeit eine reelle Bedrohung durch ein Virus und obwohl die Medien voll waren mit Bildern von Verstorbenen und Särgen gibt es eine doch nicht unbeträchtliche Menge an Menschen, die das Ganze für Panikmache halten und das alles als nicht real ersehen.

Was würden diese Menschen machen, wenn sie bei Schönwetter aus ihren Häusern und Wohnungen gebeten werden würden?

Ich hab da einen leisen Verdacht🙈

erstdenkendannsprechen
3
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für die einsatzkräfte würde es einen riesenunterschied machen,

für die bevölkerung ebenso. da geht es noch nicht darum, mit sack und pack das haus zu verlassen bei schönwetter. aber die menschen würden ev. nicht mehr in die keller gehen, wenn sie das wissen im hintergrundhaben, dass es dick kommen wird. die evakuierungen könnten ev. von den einsatzkräften vorbereitet werden, an kritischen stellen könnte man mehr schutz aufbauen.
aber wozu denn warnen, Heike N. sagt, das ist nicht nötig.

wissen sie - ihr "wozu warnen" können sie sich mit dem wissen sparen, dass es unter umstänen leben gerettet hätte...

Heike N.
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Mein Beitrag war bewusst provokant geschrieben

Auch um manchen unsere derzeitige Situation vor Augen zu halten.

Aber weil du schreibst Einsatzkräfte. Diese werden von Behörden gesteuert, zumindest aktiviert. Die Behörden wurden aber gewarnt, von den Briten. Und was ist geschehen?
Es wurde nicht ernst genommen

sheena2
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WOZU?

Mein Kommentar ist leider ein bischen nach oben gerutscht:

ich hab wirklich selten so einen grauenhaften Unsinn gelesen!

Wenn es die Möglichkeit gibt die Menschen frühzeitig zu warnen so MUSS das auch genutzt werden!! und das heißt ja nicht, dass alle sofort mit Sack und Pack aus dem Haus rennen müssen, sondern dass sie wissen was auf sie zukommen könnte , sie vorbereitet sind und zumindest rechtzeitig das Haus verlassen können.

und das schließt natürlich auch mit ein, dass die Betroffenen einfach sitzenbleiben und nix tun können, das nennt man dann persönliche Freiheit!

zu sagen, da hätte sowieso keiner was getan (ohne auch nur das geringste über diese Menschen zu wissen) ist angesichts der vielen Toten zynisch und gedankenlos. Wenn nur eine Person durch die Warnungen gerettet worden wäre, hätte es sich schon ausgezahlt!!

joektn
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Sirenen in Deutschland

In ganz Deutschland gibt es nur mehr 14.000 Sirenen von denen nur rund 70% Betriebsbereit sind und funktionieren. Der Rest ist Stillgelegt oder defekt. In Österreich gibt es dazu vergleichsweise rund 8200 Sirenen auf deutlich kleinerer Fläche, die wöchentlich getestet werden und zu 99,7% funktionieren.

2020 wurde in Deutschland ein bundesweiter Warntag getestet und der war von Pannen und Fehlern überschattet. Gelernt hat man daraus nichts.
Warnung per SMS oder App ist zwar nett, braucht aber ein Mobilfunknetz und das funktioniert in einem Katastrophenfall nur bedingt oder - wie aktuell in Deutschland- gar nicht.

kukuro05
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seit 40 Jahren wird gewarnt!

Medien hört auf so einen Müll zu schreiben!

selbstdenker70
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...

Es wird immer ein Schuldiger gesucht. Und sofort steigen die Parteien ein und machen daraus einen Wahlkampf. Zum speien.... Ich kenne die Situation in diesen Gebieten nicht, aber meistens, auch bei uns, liegt das Problem in der Regionalpolitik wo der Boden ohne Ende versiegelt wird und jeder Hang mit Aussicht wird für Immobilien abgeholzt. Die Schuld liegt meistens bei inkompetenten Raumplaner, Gutachter und Bürgermeister mit Geltungsdrang. Sollten oben genannte Umstände nicht der Auslöser sein, und es entsteht ein "normales" Hochwasser weil ein Fluß über die Ufer tritt ( was es schon immer gab) dann muss es ein funktionierendes Warnsystem geben. Wobei, in roten Zonen dürfte ja sowieso weit und breit kein Haus stehen.

Adiga
7
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von allein werden die Sommer nicht mehr gemütlich...

Der Mensch wird sich anpassen müssen - an mehr von allem, was das wärmere Klima mit sich bringt. Und wenn es nicht schmerzthaft enden kann, müsste man sich auch nicht nach der neuen Situation richten. Alle besiedelten Flusslandschaften so umzugestalten, dass große Wassermassen ohne Schäden durchfließen können, wird nicht gelingen. Vielleicht werden auch mit der Zeit Grundstücke an Überflutungsgefährdeten Ortsteilen weniger wert, weil man sich fürchten muss, eines nachts zusammen mit den Trümmern des Hauses davon gespült zu werden.
Aber es leben viel zu viel nah an Flüssen und Bächen, dass man keine Vorkehrungen treffen kann, und die Vorkehrungen aus vergangener Zeit müssten neubewertet werden, denn sie könnten, für das was noch kommen mag nicht genügen.

Auch kann man kaum sagen, welcher Wald als nächster brennen wird oder welche Ortschaft Besuch von einen Tornado bekommt. Und es werden nicht alle damit glücklich werden, dass es nicht mehr wie früher im Sommer so wenig aktuelle Ereignisse gibt, dass sich die Medien mit vielen unwichtigen Sommerlochereignissen begnügen mussten / durften.

Der Erderwärmung lässt jedenfalls in der schnelle noch weniger korrigieren. Das CO2 was in der Atmophäre ist, bleibt erst mal ein paar Jahrhunderte in der Luft und alles was tag für tag noch dazu kommt machts auch nicht besser.

KaterBruno
18
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Suche nach Schuldigen !!!

Ganz einfach gesagt: Der Mensch ist das größte Übel !!!
Kein Tier auf der Welt zerstört seinen Lebensraum.

petera
3
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Das stimmt nicht

Auch Tiere zerstören ihren Lebensraum. Nur sorgt die "Natur" für Ausgleich.

Das Problem ist, dass der Mensch glaubt sich über die Natur stellen zu können, und das beginnt sich zu rächen, d. h. auch hier sorgt sie für einen Ausgleich.

DergeerderteSteirer
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Da braucht es derzeit keine Suche nach Schuldigen,......

jetzt ist zupacken und uneingeschränkte Hilfe an der Tagesordnung, alles andere ist nicht gefragt!!

Auch wenn es wie immer hier im Forum von gewissen Wichtigtuer und Besserwissern anders gesehen wird, es sollte sich jeder selbst in diese Lage versetzen und wissen was wirklich wichtig und Sache ist!!

kukuro05
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tolle Diskussion gerade bei Maybrit Illner!

Die Wirtschaftsparteien werden an Zulauf verlieren!

DAS ist die beste Nachricht seit langem: Gesundheit und Leben sind wichtiger als Geld und Party!

Leute wacht auf: die Wirtschaftsparteien gehören abgewählt!

markus144
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Was war nach Fukushima?

Die Leute/ Wähler vergessen nach ein paar Monaten wieder alles. Wenn nicht direkt nach einer Katastrophe eine Wahl stattfindet, passiert den Wirtschaftsparteien gleich mal gar nichts...

erstdenkendannsprechen
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das passt aber jetzt nicht so ganz

zu dem aus der bild-zeitung abgekupferten artikel...

wald10
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Wirtschaft

Ohne Wirtschaft wird auch sonst nichts funktionieren.....

checker43
10
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Abwählen

von Wirtschaftsparteien bedeutet kein Ende einer Wirtschaft.

HB2USD
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Du wünscht dir also

Zustände wie in der DDR.

erstdenkendannsprechen
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die frage ist halt,

ob alles der wirtschaft (respektive den konzernen, firmen - und denen, die die gewinne einstreifen) untergeordnet werden muss bzw. soll.
oder ob es besser (und erfolgreicher) wirtschaft und sozialsystem als eine einheit zu begreifen, gewinne breit anzulegen. maximaler profit besteht nur dann, wenn die maximale anzahl an menschen davon profitieren. alles andere ist ein verlustgeschäft.
die richtung, in die die politik in österreich derzeit (und schon länger) zeigt, ist eine andere.

FBH
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Kommunist !!!

oder zumindest braver Sozialist.

wischi_waschi
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kukuro05

Und die Kammern gleich dazu!

Sam125
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Denn die Arbeiter und Angestellten werden ja eh vom Staat finanziert

und daher brauchen wir ja eh keine Wirtschaftparteien und auch keine Wirtschaft mehr,die unser Sozialsystem,die auch für unseren gesamten Wohlstand,den unsere Gesellschaft genießt am Laufen hält!Also auch weg mit den Arbeiterkamnern,denn Wirtschaftsparteien,die brauchen wir bei einer EINPARTEIEN-LANDSCHAFT,ja sowieso nicht mehr und weg mit der Wirtschaft!

Sam125
12
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Sam ich vergass zu schreiben: den Kommunisten würde das sicher freuen!

Doch wie sieht es allein nur in Kuba, momentan aus?