Hausfrau-Influencerinnen, die lächelnd in Kochtöpfen rühren, Frauenfeinde wie Andrew Tate als Stars: Traditionelle Rollenbilder sind in sozialen Medien stark präsent - und damit auch in den Köpfen junger Menschen. In einer Umfrage unter 23.000 Personen vertraten Männer der Generation Z in allen 29 einbezogenen Ländern die rückständigsten Auffassungen zur Rollenverteilung, wie das Meinungsforschungsinstitut Ipsos mitteilte. Zur Generation Z wurden zwischen 1997 und 2012 geborene Menschen gezählt.

„Digitale Ökosysteme verstärken die Polarisierung, weil Social Media Algorithmen zugespitzte Botschaften belohnen“, von Männlichkeits-Influencern bis zu feministischen Gegennarrativen, erklärte Robert Grimm, Leiter der Politikforschung bei Ipsos in Deutschland. Junge Männer bejahten öfter traditionelle Hierarchien in Beziehungen und hätten eher ein Problem damit, wenn Frauen mehr verdienen oder sehr unabhängig auftreten.

Vorstellung: Von Gleichstellung profitieren nur die Frauen

„Es ist beunruhigend zu sehen, dass die Einstellung zur Gleichstellung der Geschlechter nicht positiver ist, insbesondere unter jungen Männern“, sagte Julia Gillard von der beteiligten King‘s Business School in London. Viele Gen-Z-Männer stellten nicht nur einschränkende Erwartungen an Frauen, sondern seien selbst in restriktiven Geschlechternormen gefangen.

Julia Gillard war von 2010 bis 2013 Premierministerin Australiens.
Julia Gillard war von 2010 bis 2013 Premierministerin Australiens. © APA / Paul Miller

61 Prozent der Gen-Z-Männer finden der Online-Umfrage zufolge, dass in Sachen Gleichstellung im eigenen Land schon genug getan wurde. 57 Prozent der Gen-Z-Männer sind der Ansicht, dass die Gleichstellung von Frauen sogar so weit gefördert wurde, dass nun Männer diskriminiert werden.

„Eine Ehefrau sollte ihrem Ehemann stets gehorchen“

Ein weiteres erschreckendes Ergebnis: Fast jeder dritte Gen-Z-Mann (31 Prozent) ist der Meinung, dass eine Ehefrau ihrem Mann immer gehorchen sollte. Bei den Gen-Z-Frauen liegt der Wert mit 18 Prozent deutlich darunter. Zum Vergleich: Bei den männlichen Babyboomern - geboren zwischen 1946 und 1964 - sind nicht einmal halb so viele Männer dieser Ansicht (13 Prozent), bei den Boomer-Frauen ebenfalls weitaus weniger (6 Prozent). „Die diesjährige Umfrage zeigt uns, dass wir möglicherweise eine große Neuverhandlung der Geschlechterrollen in der heutigen Gesellschaft erleben“, sagte Kelly Beaver, Ipsos-Geschäftsführerin in Großbritannien und Irland.

Fast ein Drittel der in Ländern wie Thailand, Mexiko, Südafrika, Italien, Australien, den USA und Japan befragten Gen-Z-Männer (29 Prozent) denkt, dass es für Probleme sorgt, wenn eine Ehefrau mehr verdient als ihr Mann. Bei den Boomer-Männern sind es gerade mal 18 Prozent. Für die Umfrage anlässlich des Weltfrauentags wurden in 29 Ländern mehr als 23.000 Menschen ab 16 Jahren befragt - Österreich war nicht darunter.

Gen-Z-Männer stünden unter erhöhtem Maskulinitäts- und Rollendruck - Boomer-Männer wirkten im Schnitt gelassener und nähmen Gleichstellung seltener als Bedrohung wahr, erklärte Grimm. Bei den Jüngeren sei das Gefühl von Zukunfts- und Statusunsicherheit stärker ausgeprägt, was die Logik „Wenn Frauen profitieren, verliere ich“ begünstigen könne.

Menschen schätzen gesellschaftliche Denkmuster falsch ein

„Es ist sehr besorgniserregend, dass traditionelle Geschlechternormen auch heute noch bestehen, und noch beunruhigender ist, dass viele Menschen offenbar unter dem Druck sozialer Erwartungen stehen, die nicht wirklich das widerspiegeln, was die meisten von uns glauben“, sagte Heejung Chung von der King‘s Business School.

Die persönlichen Ansichten der Menschen seien weitaus progressiver als das, was sie als gesellschaftlich erwartet annehmen. „Diese Kluft ist besonders ausgeprägt bei Männern der Generation Z, die nicht nur einen starken Druck verspüren, sich an starre männliche Ideale anzupassen, sondern in einigen Fällen auch erwarten, dass Frauen zu traditionelleren Verhaltensweisen zurückkehren.“