Am Dienstagabend kam es in Wien zu einem Tötungsdelikt. Eine 44-jährige Frau wurde von ihrem Mann erschossen. Die Tochter des mutmaßlichen Schützen kämpft im Spital um ihr Leben. In der ZiB 2 fordert Maria Rösslhumer, Vorsitzende des Vereins StoP, eine bessere Umsetzung der vielen Maßnahmen zum Gewaltschutz. Am Mittwoch präsentierte der Verein eine neue Kampagne. Prominente Männer wie Schauspieler Cornelius Obonya oder Bezirksrichter Oliver Scheiber werben darin als Testimonials für konsequente Haltung gegen Partnerschaftsgewalt.
Lücken und Defizite bei den Maßnahmen
Obwohl es nach jedem Femizid Maßnahmen zur Gewaltprävention gibt, nimmt die Gewalt gegenüber Frauen nicht ab. „Wir haben in Österreich viele Maßnahmen, aber die Frage ist immer: Wie wirken sie? Wirken sie wirklich?“, sagt Rösslhumer. Laut Rösslhumer scheint es in der Umsetzung Probleme zu geben. Der Fall gestern würde dies auch zeigen. Der Täter war schon amtsbekannt und hatte ein behördliches Waffenverbot, zusätzlich war die Frau bereits im Frauenhaus. Jetzt müsse man sich den Fall genau anschauen, wo die Lücken und Defizite gewesen sind. Laut Rösslhumer müsste nämlich eine Fallkonferenz von der Polizei stattfinden, wenn der Mann bereits amtsbekannt ist. Es bräuchte Gefährlichkeitseinschätzungen, damit die Opfer besser geschützt werden können.
Rösslhumer ist bewusst, dass es schwierig ist bei 15.000 Betretungsverboten im Jahr, dass dies eine intensive Arbeit für die Behörden ist. „Wir wissen, dass bei den besonders gefährlichen Tätern oft das Gewaltschutzgesetz nicht hilft. Da muss man noch mehr dahinter schauen. Da haben wir Lücken und Defizite“, meint Rösslhumer. Sie fordert eine bessere Analyse der Täter und dass man diese mehr in Verantwortung nehmen soll.
Der männliche Teil muss mitmachen
Weiters meint Rösslhumer, dass eine wirksame Gewaltprävention nur wirkt, wenn der männliche Teil der Gesellschaft auch mitmacht. „Wir brauchen Männer, die sagen, ich bin nicht gewalttätig. Die können ein positives Männlichkeitsbild verbreiten. Wir brauchen Männer, die an unserer Seite sind und mit uns kämpfen“. Das würde heißen, dass sie sich im Alltag engagieren sollen, öffentlich mit einer klaren Haltung zeigen und Verantwortung übernehmen. Laut Rösslhumer würde es oft nur ein klarer Satz reichen, um sexistische Sprüche zu unterbinden.
Gewisse Trends auf Social Media, wie zum Beispiel die Tradwifes oder Influencer, die ein bestimmtes Männlichkeitsbild verbreiten, sieht sie, als sehr gefährlich an. „Die Männer, wie Andrew Tate, sind hochgefährlich. Wir brauchen Männer, die andere Männer stoppen. Auch auf Internet-Plattformen“. Da müsse man mehr draufschauen und solche Inhalte herunternehmen.