Verbale Provokationen und Entgleisungen im Wahlkampf ist man mittlerweile schon gewöhnt. Besonders, wenn sie von Parteien kommen, die rechts der demokratischen Mitte zu verorten sind. Slogans wie „Mehr Mut für unser Wiener Blut - zu viel Fremdes tut niemandem gut“ (Herbert Kickl) sind in Erinnerung geblieben. Gerne ist bei den verbalen Ausrutschern von „Einzelfällen“ die Rede. Wen wundert es da noch, wenn vor der Wien-Wahl am 29. April eine „Liste Strache“ in ganz offensichtlich rechter NS-Ästhetik „Für unsere Heimat“ um Wähler-Stimmen wirbt.
Plakate der „Liste Strache“ imitieren Propaganda-Plakate aus der NS-Zeit
Zu finden ist der Spruch auf einem Plakat der „Liste Strache“, das ein blondes Mädchen mit geflochtenem Zopf vor weiß-blauem Himmel zeigt, die Hände herausfordernd in die Hüften gestemmt. Am unteren Ende ist der Spruch in Fraktur zu lesen: „Wir ehren unsere Ahnen, die alle hier einwanderten, indem wir denjenigen helfen, die jetzt unsere Hilfe brauchen“.
Noch in zwei weiteren Ausführungen ist das Plakat aufgetaucht. Bislang nur im 12. Wiener Bezirk Meidling. In einer weiteren Version heißt es „Mit Mut und Respekt gegen Angstmacher und Feinde der offenen Gesellschaft! Meidlinger Patrioten wählen daher Liste Strache“. Zu sehen ist ein blonder junger Mann mit kantigem Gesicht, der sich den rechten Ärmel nach oben krempelt. Die dritte Variante des öffentlichen Anschlags zeigt die beiden und fordert: „Festung Wien gegen Volksverräter, die unsere Jugend mit Rassismus, Angstmache und Hasspredigen verderben“. Allen drei Plakaten ist gemein, sie imitieren ganz unverhohlen mit Frakturschrift und rechter Ästhetik Propaganda-Plakate aus der NS-Zeit.
Doch wer steckt dahinter?
Handelt es sich wirklich um Heinz-Christian Strache, wie der Verweis auf dem provozierenden Plakat auf die „Liste Strache“ im ersten Moment vermuten lässt? Der ehemalige Vizekanzler und Ex-FPÖ-Chef tritt zwar bei der Wien-Wahl an, jedoch als „Team Strache“. Mit der „Liste Strache“ hat der Politiker HC Strache nichts zu tun. Ein schlechter Scherz also?
Entlarvung autoritärer Kommunikationsmuster
Wer sich die Sprüche auf den Plakaten genau durchliest, merkt schnell, dass sie mit der Rhetorik der rechten Parteien spielt und ins Gegenteil verkehrt. Das ist ganz bewusst so gemacht. Denn hinter den Plakaten steckt keine echte Partei, sondern eine Satire-Aktion der Performancegruppe „stahlglatt und blumeenweich“. Die Künstlergruppe hat die „Liste STRACHE“ („Sozial TRAditionelle CHristlichnationale Einheitspartei“) ins Leben gerufen. Andre Wolf von Mimikama, ein Verein, der sich dem Faktencheck verschrieben hat, erklärt auf bluesky: „Ziel ist es, autoritäre Kommunikationsmuster zu entlarven, durch satirische Überzeichnung und die bewusste Verwirrung von Codes“.
Die Aktion ziele dabei bewusst auf „den Politdarsteller HC Strache, der die Chuzpe hat, nach all seinen Torheiten und moralischen No-Gos nochmals für ein öffentliches Amt kandidieren zu wollen“, heißt es seitens der Satiriker. Die „Liste Strache“ solle „illiberalen Wählern eine erfrischend ernsthafte Alternative“ bieten – frei nach dem Motto von Steve Bannon, dem rechtsextremen Ex-Berater von US-Präsident Donald Trump: „Flood the zone with shit“. Die Aktion setzte dabei laut Mimikama auf gezielte Verwirrung und rechte Ästhetik als Kunstform.
Im Internet kommt die Aktion nicht überall gut an. Befürchtet wird etwas, dass die Mehrheit die satirische Überzeichnung nicht verstehe. Ein anderer User findet das Ganze „schwierig. Auch wenn ich das Konzept mit ‚Spaltet sie, bevor sie zusammenfinden!‘ nachvollziehen kann, führt es ja im Kern dazu, DASS man rechte Narrative ohne passende Kontextsetzung oder Einordnung verbreitet.“
Erwartbar „not amused“ ist Heinz-Christian Strache von der ganzen Aktion, das „Team Strache“ erwäge eine Strafanzeige wegen Sachbeschädigung und Verhetzung sowie eine Klage auf Schadensersatz, wie der „Standard“ schreibt.