Was eine Stammzellen-Transplantation ist und wofür man sie braucht, wusste Julius Hofer aus Friedberg nicht so genau, bis zu dem Tag, an dem er sich als potenzieller Spender typisieren ließ. „Der Klassenvorstand hat uns davon erzählt und alles erklärt“, erinnert sich der 18-jährige Schüler an der HTL Pinkafeld, wo diese Aktion auch stattfand. Nun hat er Knochenmark gespendet und einem schwerkranken Mädchen aus den Niederlanden womöglich das Leben gerettet.

„Es ist ganz schnell gegangen, wie ein Rachenabstrich zu Corona-Zeiten“, erzählt Hofer von der Typisierung, die im Dezember 2024 eigentlich für die leukämiekranke Pia organisiert wurde. Schüler über 17 Jahren durften teilnehmen – in Hofers Klasse waren das kaum eine Handvoll. „Das kann ich schon machen. Es schadet mir ja nicht“, hat sich der Schüler gedacht. „Es war keine große Sache, aber ich habe nicht erwartet, dass da wirklich etwas werden könnte.“

Stressige Untersuchungen während der Schule

Die Chance für eine genetische Übereinstimmung, die für eine Stammzellen-Spende an einen Kranken notwendig ist, liegt nämlich bei 1:500.000. Dementsprechend verblüfft war Hofer auch, als er ein paar Monate später tatsächlich per WhatsApp die Benachrichtigung bekam, er sei ein passender Spender. „Es war während der Musterung“, erinnert er sich. Schnell hat er Kontakt aufgenommen mit „Geben für Leben – Leukämiehilfe Österreich“, dem Verein, der Typisierungsaktionen und Spenden organisiert.

„Ein anderer war zuerst besser geeignet, aber da hat die Voruntersuchung nicht gepasst. Dann war ich wieder im Rennen“, erzählt Hofer. Eine Reihe von Untersuchungen folgten. „Es war viel zum Telefonieren und Organisieren, gerade in einer Phase, wo schulisch viel los war“, erzählt er. „Es war anstrengend, aber ich habe es nicht bereut.“

Mit dem Zug ins Krankenhaus

Kurz vor den heurigen Semesterferien war es dann soweit: Hofer spendete Stammzellen durch sein Knochenmark. „Am Dienstag bin ich mit dem Zug nach Wien gefahren, am Mittwoch war die OP und am Donnerstag durfte ich wieder nach Hause.“

Die Zeit vor der Knochenmark-Spende war stressig für den 18-Jährigen neben der Schule
Die Zeit vor der Knochenmark-Spende war stressig für den 18-Jährigen neben der Schule © Privat

Davor war Hofer noch nie im Krankenhaus. „Es war ein eigenes Gefühl, nicht ganz gemütlich“, erinnert er sich. Dank ausführlicher Betreuung und Aufklärung fühlte sich Hofer allerdings gut aufgehoben. An den Eingriff selbst kann er sich nur teilweise erinnern. „Sie haben mich immer wieder die gleichen zehn Fragen gefragt. Irgendwann war ich einfach weg.“

Knochenmark-Spende unter Narkose

Die OP unter Vollnarkose folgte – Entnahme von Knochenmark aus dem Beckenkamm am Rücken. Auf diese Art wird nur in rund 10 Prozent der Fälle Stammzellen gespendet, öfters erfolgt eine Spende „peripher“ ähnlich einer Blutspende.

Direkt nach dem Aufwachen hatte Hofer ein wenig Schmerzen im Becken, aber das sei normal. „Ich war so schwach und schwindelig. Ich habe mich gefühlt, als hätten sie die Beinmuskeln entfernt“, schmunzelt er. „Das Gehen hat ein bisschen weh getan, so als ob es einen auf den Hintern geprackt hätte, aber es war nicht so schlimm.“

Stammzellen für ein Mädchen aus den Niederlanden

Ein junges Mädchen aus den Niederlanden erhält nun die Knochenmark-Spende von Hofer. „Es würde mich schon interessieren, wer sie ist und ob es was geworden ist.“ Das ist nämlich noch ungewiss. Bei rund 33 Prozent der Patienten bringt die Stammzellen-Transplantation leider nicht den erhofften Erfolg.

Hofer will mit seiner Geschichte viele Menschen erreichen und sie ebenfalls dazu bewegen, sich als Stammzellen-Spender typisieren zu lassen
Hofer will mit seiner Geschichte viele Menschen erreichen und sie ebenfalls dazu bewegen, sich als Stammzellen-Spender typisieren zu lassen © Vera Hausberger

Aber fühlt man sich dennoch als Lebensretter? „Ein bisschen“, meint der Schüler. „Ich weiß, dass ich etwas Cooles getan habe. Die Möglichkeit dazu wird es nicht mehr so oft geben“, ist er sich seiner einmaligen Erfahrung jedenfalls bewusst, wie auch sein strahlendes Grinsen beweist.

Video: So funktioniert eine Typisierung