Eine Frau mittleren Alters aus Deutschland – mehr weiß Stefan Lukschander nicht über den Menschen, dem er das Leben gerettet hat. „Ich bin neugierig, wie es ihr geht“, meint der 40-jährige Ilzer mit einem Lächeln. „Aber ob ich sie kennenlernen möchte, kann ich nicht sagen“, fügt er zögerlich hinzu. „Den ersten Schritt müsste sie machen.“

Dieser Schritt ist frühestens in fünf Jahren möglich, wie üblich bei Stammzellenspenden, um emotionalen Druck zu reduzieren. Diesen fühlt wohl auch Lukschander, als er einen Moment still dasitzt, während er weiter an die Empfängerin seiner Stammzellen denkt. „Eine Frau, die isoliert im Krankenhaus liegt, und hofft, dass meine Spende ihr das Leben rettet“, stellt er sich vor. „Jemand, dem es so richtig schlecht geht.“

Die Entscheidung über Leben oder Tod

Denn vor der Transplantation bekommen Leukämiekranke eine Hochdosis-Chemotherapie, die das Immunsystem zerstört. „Der Empfänger ist dann auf den Spender angewiesen“, erklärt Lukschander. „Wenn ich mich doch anders entschieden hätte, hätte die Empfängerin ein Problem gehabt.“

Anders entschieden hätte er sich aber niemals, trotz beachtlicher Nebenwirkungen: Vor der Stammzellenentnahme müssen sich Spender vier Tage lang Hormonspritzen verabreichen, um das Blut vorzubereiten. „Die sind nicht ohne, die Spritzen“, schüttelt Lukschander den Kopf. „Die Nebenwirkungen waren heftig.“ Er hatte Symptome wie bei einer Grippe, Muskelschmerzen und Kopfschmerzen. „Als wäre man den Vienna City Marathon gleich zweimal gelaufen. Es tat richtig weh.“

Lukschander bei Stammzellen-Entnahme im Krankenhaus Graz
Lukschander hatte heftige Nebenwirkungen von den Hormonspritzen, das ist aber nicht die Regel. © Privat

Keine Angst, nur Freude zu helfen

Schmerzmittel waren während der Vorbereitung für die Stammzellenspende (fast) keine erlaubt, dennoch hielt Lukschander durch. „Ich habe mir gedacht: Was macht der Empfänger jetzt gerade durch? Im Vergleich dazu ist das eine Kleinigkeit“, zuckt er die Schultern.

Zu keinem Zeitpunkt hatte er Angst, war nicht mal nervös. „Ich habe mich gefreut“, grinst er. „Genau darauf habe ich gewartet.“ Nur war er überrascht, dass es so „schnell“ gegangen war. Die Chance auf eine Übereinstimmung sind 1:500.000 und in der Datenbank registrieren lassen hatte sich Lukschander erst 2022.

Stammzellenspende für Kind gesucht

Damals suchte „Geben für Leben“ eine lebensrettende Stammzellenspende für einen achtmonatigen Buben. „Mein Sohn ist ungefähr gleich alt.“ Lukschander schloss die Augen und stellte sich vor, wie es wäre, selbst ein todkrankes Kind zu Hause zu haben. Wenn der eigene Sohn betroffen wäre. „Mir ist das Herz zerrissen“, legt er eine Hand an die Brust.

Da stand der Entschluss zu helfen für Lukschander fest. Er registrierte sich online, machte den Wangenabstrich zu Hause und erhielt wenig später den Spendenausweis. Ende Februar dieses Jahres kam dann die WhatsApp-Benachrichtigung. „Ich habe es für einen Fake gehalten“, lacht Lukschander. Zeitgleich kam allerdings eine Mail, und da wusste er, dass die Sache ernst ist. Voruntersuchungen folgten, die Spende selbst dann am 10. März im Krankenhaus in Graz.

Lukschander bei der Stammzellen-Entnahme im Krankenhaus
„Links wird das Blut entnommen, die Stammzellen werden herausgefiltert und rechts wieder zurückgeleitet“, beschreibt Lukschander die Entnahme. © Privat

Lange Prozedur

„Die Entnahme tut nicht weh. Es war absolut unspektakulär“, erzählt Lukschander. Das Schlimmste daran sei die Länge der Prozedur gewesen – viereinhalb Stunden, während der er sich nicht bewegen durfte. „Es war so langweilig“, seufzt er. Schmunzelnd fügt er hinzu: „Man kann sich nicht mal die Nase kratzen. Natürlich juckts genau dann.“

Die gesundheitlichen Auswirkungen verflogen schnell, nur zwei Tage war Lukschander nach der Stammzellenspende noch müde. Ob die Spende bei der Empfängerin wie erwartet wirkt, wird sich noch zeigen. „Ich bin zwei Jahre reserviert für die Dame und könnte noch einmal spenden, wenn was nicht passt.“ Dass seine Spende nun einer Frau aus Deutschland das Leben rettet anstatt des Kindes, macht Lukschander genauso glücklich. „Es ist egal, wer die Spende bekommt, helfen soll sie.“