Bereits zum zweiten Mal wird der ORF „Transparenzbericht“ veröffentlicht. Wer beim ORF mehr als 170.000 Euro inklusive Sonderzahlungen im Jahr verdient, wird namentlich gemacht. So schreibt es das neue ORF-Gesetz vor. Auch die Nebentätigkeiten, also Einkünfte von außerhalb des ORF, müssen genannt werden. Zu den Spitzenverdienern zählen weiterhin Ö3-„Wecker“ Robert Kratky, ORF-Manager Pius Strobl, Alleingeschäftsführer Roland Weißmann, ORF-3-Chef Peter Schöber und ORF-3-Co-Geschäftsführerin Kathrin Zierhut-Kunz.

Die Top-5-Spitzenverdiener beim ORF

  • Das Spitzengehalt von Ö3-Moderator Robert Kratky beläuft sich inklusive Sondervertrag auf einen Bruttojahresbezug von rund 470.000 Euro. Dieser Gehaltssondervertrag, der noch bis 2026 läuft, wurde noch unter dem vorherigen ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz abgeschlossen.
  • Auf Platz 2 folgt ORF-Manager Pius Strobl, der pro Jahr brutto auf 451.710 Euro kommt. Strobl ist unter anderem für das Bauprojekt ORF-Zentrum verantwortlich. Damit rückt Strobl im Ranking nach vorne und überholt den Generaldirektor des ORF.
  • Generaldirektor Roland Weißmann verdient jährlich brutto 427.500 Euro und landet auf Platz 3. Sein Vertrag läuft ebenfalls noch bis 2026.
  • Peter Schöber ist eine von zwei ORF-III-Führungskräften, die unter den Top-5-Verdienern des ORF gelandet ist. Schöber kommt auf 301.319. Euro Jahresbruttogehalt.
  • Mit Eva Schindlauer, kaufmännische Direktorin des ORF, schafft es immerhin eine Frau unter die Top-Five: Sie verdient pro Jahr 279.972 Euro.

Der ORF ist verpflichtet, die Gehälter von jenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern anzuführen, die inkl. Zulagen über 170.000 Euro im Jahr verdienen. In Summe betrifft das 71 Personen und damit 13 mehr als im Vorjahr. Der Anstieg sei darauf zurückzuführen, dass die gesetzlich definierte Grenze für die namentliche Veröffentlichung nicht valorisiert wurde - im Gegensatz zu den Gehältern, wie der ORF begleitend zur Veröffentlichung des Transparenzberichts festhielt. Die Veröffentlichung betreffe weniger als zwei Prozent der Belegschaft, betonte der ORF und versicherte, laufend Maßnahmen zu treffen, um die Personalkosten weiter zu senken. Allein im Vorjahr seien 20 Millionen Euro im Personalbereich eingespart worden. Personal werde zu günstigeren Konditionen nachbesetzt und über zehn Personen, die angeführt werden, seien bereits aus dem ORF ausgeschieden oder werden dies zeitnah tun.

Die Mehrzahl der Personen auf der Liste übe eine Direktions- oder Geschäftsführungsfunktion aus, leite eine Hauptabteilung oder habe eine Prokura inne, was mit „beträchtlicher Personal- und Budgetverantwortung verbunden“ sei, so der ORF. Noch vor Weißmann findet sich Pius Strobl mit ca. 451.700 Euro, der als Corporate-Social-Responsibility-Chef im ORF tätig ist und die Sanierung des ORF-Zentrums am Küniglberg samt Neubau eines Newsrooms verantwortete. ORF III-Programmgeschäftsführer Peter Schöber, der von Mitarbeitern des Mobbings und verbaler Entgleisungen beschuldigt wurde, woraufhin der ORF mit einer Weiterentwicklung der Struktur reagierte, bezieht mit ca. 301.300 Euro das vierthöchste Gehalt im ORF. Er landet noch vor den ORF-Direktoren Eva Schindlauer (ca. 280.000 Euro), Stefanie Groiss-Horowitz, Ingrid Thurnher und Harald Kräuter (je 270.270 Euro), deren Gehälter nicht erhöht wurden.

Mehr Männer als Frauen unter ORF-Top-Verdienern

Die kaufmännische Geschäftsführerin von ORF III, Kathrin Zierhut-Kunz, erhält ca. 276.400 Euro und damit etwas mehr als prominente ORF-Mitarbeiter wie Armin Wolf (ca. 267.000 Euro), Peter Resetarits (ca. 221.000 Euro), Christian Wehrschütz (ca. 210.900 Euro) oder auch Andreas Knoll (ca. 196.800 Euro). Bestverdienende Landesdirektorin ist mit ca. 258.800 Euro Waltraud Langer (Salzburg). Das Chefredakteurstrio des multimedialen ORF-Newsrooms - Johannes Bruckenberger, Gabriele Waldner-Pammesberger und Sebastian Prokop - verdient zwischen 182.000 und 186.000 Euro.

Nach Geschlechtern aufgeschlüsselt zeigt sich, dass ausschließlich Männer über 300.000 Euro verdienen. Auch in den Gehaltskategorien 200.000 bis 300.000 Euro (24 Männer, 9 Frauen) sowie 150.000 bis 200.000 Euro (60 Männer, 19 Frauen) und 100.000 bis 150.000 Euro (502 Männer, 198 Frauen) haben diese die Nase klar vorne. In den beiden niedrigsten Gehaltsklassen (bis 50.000 Euro und 50.000 bis 75.000 Euro) sind dagegen mehr Frauen vertreten.

Teils üppige Nebeneinkünfte

Auch Nebeneinkünfte, die der ORF streng handhaben will, sind im Transparenzbericht ausgewiesen. Unter den Spitzenverdienern bezieht Moderator Andreas Knoll mit durchschnittlich 9.800 Euro brutto pro Monat die höchste Summe aus Nebeneinkünften. „ZiB 2“-Anchorman Armin Wolf verdient pro Monat im Schnitt 7.500 Euro zu seinem ORF-Gehalt hinzu. Robert Kratkys Nebeneinkünfte in Höhe von 1.750 Euro pro Monat fallen dagegen im Vergleich bescheiden aus.

Mit Blick auf die Werbeeinnahmen der diversen ORF-Sender zeigt der Transparenzbericht, dass ORF 2 mit ca. 76 Millionen Euro 2024 klar an der Spitze lag. Dahinter folgt mit in etwa 50 Millionen Euro Ö3, vor ORF 1 mit ca. 47 Millionen Euro. ORF III brachte dem öffentlich-rechtlichen Medienhaus in etwa 3,3 Millionen Euro an Werbeeinnahmen, FM4 ca. 2,3 Millionen Euro. Überschaubar fielen diese bei ORF Sport+ mit 341.000 Euro aus. Selbst investierte der ORF ca. 9 Millionen Euro in Werbemaßnahmen.

2024 wurde der Transparenz-Bericht erstmals veröffentlicht. Daraufhin bekamen Spitzenverdiener wie ORF-General Weißmann und Ö3-Moderator Kratky Drohungen.

Medienminister erwartet sich „Maßnahmen“

Medienminister Andreas Babler (SPÖ) erwartet sich mit Blick auf die ORF-Spitzengehälter „Maßnahmen“ von der ORF-Führung. „Warum es beim ORF Spitzenverdiener:innen gibt, deren Gehalt höher ist als jenes des Bundespräsidenten, während gleichzeitig Leistungskürzungen für das Publikum in den Raum gestellt werden, ist nicht nachvollziehbar“, so der Vizekanzler auf X.

Der ORF stemmt derzeit ein Sparpaket in Höhe von 325 Mio. Euro bis 2026. Zusätzlich wurde in der Vorwoche im Nationalrat von ÖVP, SPÖ und NEOS beschlossen, dass der ORF-Beitrag in Höhe von 15,30 Euro pro Monat und Haushalt bis 2029 eingefroren wird. Durch die Nicht-Valorisierung entgehen dem ORF in etwa weitere 220 Mio. Euro. Teuer kommt dem öffentlich-rechtlichen Medienhaus zudem, dass die Einnahmen aus dem ORF-Beitrag weiterhin nicht über 710 Mio. Euro betragen dürfen, womit in etwa weitere 100 Mio. Euro an Sparbedarf in den kommenden Jahren hinzukommen.

„Dass es Sparpotenzial beim ORF gibt, ist einmal mehr deutlich geworden. Dabei gilt es für die ORF-Führung, die richtigen Prioritäten zu setzen. Der Eindruck erhärtet sich, dass die jungen Mitarbeiter ohne großzügige Altverträge oder der Kameramann nicht die sind, bei denen man als Erstes ansetzen sollte“, wurde ÖVP-Generalsekretär Nico Marchetti in einer Aussendung zitiert.

Auch FPÖ-Generalsekretär Christian Hafenecker äußerte sich zum Transparenzbericht, wobei er einen „zwangssteuerfinanzierten Privilegienstadl“ und „Gehaltsexzesse“ ortete. „Hier muss endlich eingeschritten werden - mit einer grundlegenden Reform des ORF und einer Abschaffung der Haushaltsabgabe“, meinte er. Heinz-Christian Strache, Obmann des Teams HC Strache, sah es ähnlich. „Was sich beim ORF abspielt, ist keine öffentlich-rechtliche Grundversorgung, sondern eine gebührenfinanzierte Selbstbedienung auf Kosten der Bürger und Steuerzahler“, hielt er fest und forderte eine Abschaffung des ORF-Beitrags.

ORF 2 mit höchsten Werbeeinnahmen

Mit Blick auf die Werbeeinnahmen der diversen ORF-Sender zeigt der Transparenzbericht, dass ORF 2 mit ca. 76 Mio. Euro 2024 klar an der Spitze lag. Dahinter folgt mit in etwa 50 Mio. Euro Ö3, vor ORF 1 mit ca. 47 Mio. Euro. ORF III brachte dem öffentlich-rechtlichen Medienhaus in etwa 3,3 Mio. Euro an Werbeeinnahmen, FM4 ca. 2,3 Mio. Euro. Überschaubar fielen diese bei ORF Sport+ mit 341.000 Euro aus. Selbst investierte der ORF ca. 9 Mio. Euro in Werbemaßnahmen.