Laut Werbung beglückt uns die schönste Zeit des Jahres mit Besinnlichkeit, Glühweinduft und lückenloser Familienharmonie. Tatsächlich besteht die Realität ebenso aus To-do-Listen, die länger sind als die Wunschzettel der Kinder, und einem Kalender, der das Wort „Stille“ nur noch aus ironischer Distanz kennt. Was bleibt von der besinnlichen Zeit? Damit es heuer nicht wieder ein Marathon aus Keksproduktion, Last-Minute-Geschenken und Deko-Wahn wird, haben wir uns Gedanken über eine achtsamere Weihnachtszeit gemacht. Mindful Christmas, here we go!

1. Die Kunst des „Ja, ich bin wirklich zufrieden“-Geschenks

Alle Jahre wieder stehen wir vor dem Dilemma: Wie finde ich das perfekte Geschenk? Schenk dir ein wenig Gelassenheit und mach es dieses Jahr anders. Statt auf die Jagd nach der neuesten technischen Errungenschaft für den Cousin zweiten Grades zu gehen, frag dich, was ihm wirklich Freude bereiten würde. Eine selbstgemachte Karte oder ein netter gemeinsamer Abend kann manchmal mehr Freude schenken als das teuerste Gadget. Bonus: Der Tanten-Jubel über selbstgemachte Marmelade hebt sicher auch deine Stimmung.

2. Kekse backen als meditative Achtsamkeitsübung

© Julian Hochgesang

Ja, richtig gelesen – das traditionelle Backen kann eine wahre Achtsamkeitsreise sein. Statt fünf Sorten in zwei Stunden durchzujagen, nimm dir Zeit und genieße den Prozess. Verliere dich im Vanillekipferl-Formen und spüre die Wärme des Ofens. Vielleicht führst du dabei sogar ein kleines Selbstgespräch mit deinem Keksteig? „Ach, liebes Kipferl, bleibe doch auch im Backrohr noch ein perfekter Halbmond!“ Nichts verkörpert Zen so wie ein perfekt geformtes Vanillekipferl.

3. Weihnachtsmusik bewusst (über)dosieren

© Unsplash 

Glaub mir, Last Christmas kann auch achtsam gehört werden. Der Trick: Entscheide selbst, wie viel du verträgst, bevor es nervt. Statt das Radio willkürlich trällern zu lassen, erstelle eine Playlist mit Weihnachtsklassikern, die dich wirklich in Stimmung bringen. Setz dich hin, schließe die Augen und höre bewusst hin – schwingt da etwa eine Saite in deinem Herzen? Oder doch eher nur die Erinnerung an peinliche Tanzbewegungen beim letzten Glühweinabend?

4. Entschleunigung beim Geschenkpapier-Kauf

In der hektischen Weihnachtswelt ist nachhaltiges Schenken fast ein rebellischer Akt. Statt die Geschenke in blitzendes Plastik zu hüllen, versuch es doch mal mit Zeitungspapier, Stoff oder upgecyceltem Packpapier. Dazu ein schöner Zweig und ein bisschen Natur – voilà! So schenkt man nicht nur mit Stil, sondern auch mit Bewusstsein für die Umwelt. Wer braucht schon das perfekte Schleifchen, wenn das Geschenkpapier der neuesten Ausgabe der Kleinen Zeitung gleicht?

5. Besinnliche Spaziergänge zur Lichterketten-Bewunderung

Wenn die ganze Welt blinkt und leuchtet, wie wäre es mit einem abendlichen Spaziergang nur mit dir selbst? Schnapp dir eine Thermoskanne mit heißem Tee oder Punsch und wandere durch die Weihnachtslichter. Schau mal bewusst, was die Nachbarn so alles an Deko-Kreationen geschaffen haben. Das kann von elegant bis „Oh, die haben das Rentier wirklich verkehrt herum aufgestellt“ reichen. Egal was, die Lichter bringen einen zum Schmunzeln und versprühen Gemütlichkeit.

6. Bewusster Verzicht auf das nächste Tannenbaum-Drama

Der alljährliche Weihnachtsbaumkauf ist in vielen Familien ein regelrechter Kulturausflug – aber eben einer mit einer kleinen stressigen Nebennote. Schon mal darüber nachgedacht, ihn in diesem Jahr bewusst auszulassen? Stattdessen vielleicht einen kleinen Deko-Tannenzweig in die Vase stellen oder einen DIY-Papierbaum basteln? Das spart Nerven, schont den Geldbeutel und fordert ganz nebenbei die Kreativität heraus.

© Annie Spratt 

7. Auf das achtsame Naschen – nur einen Keks, ehrlich!

Die Weihnachtszeit ist voller kleiner Versuchungen – von Lebkuchen bis hin zu Spekulatius. Versuche mal, dir ganz bewusst einen einzigen Keks zu nehmen, ihn in Ruhe anzuschauen, daran zu schnuppern und den ersten Biss wirklich zu genießen. Jeder weitere Keks ist dann eine persönliche Entscheidung – ohne schlechtes Gewissen! Der Trick liegt darin, nicht im Zuckerrausch zu landen, sondern die kleinen Freuden bewusst wahrzunehmen. Wer es schafft, am Heiligabend noch einen Keks ohne Eile zu essen, hat den Achtsamkeits-Olymp schon fast erreicht.

Die Weihnachtszeit kann so vieles sein: laut und hektisch oder ruhig und besinnlich. Achtsamkeit bedeutet nicht, alles perfekt zu machen, sondern vielleicht mal durchzuatmen und die vielen kleinen Momente wahrzunehmen, die uns sonst entgehen. Schenke dir und deiner Weihnachtszeit etwas mehr Gelassenheit – und vielleicht wird diese besinnliche Zeit wirklich zu dem, was sie immer sein wollte. 

Dieser Artikel ist in der neuen Winterausgabe der „ida“ erschienen - dem Lifestyle-Printmagazin der Kleinen Zeitung: ida - ich denke an ...