Die Arbeitslosigkeit ist im April weiter angestiegen: Im Bezirk Murtal beträgt das Plus 5,9 Prozent, im Bezirk Murau 3,0 Prozent. „Die geopolitischen Ereignisse betreffen auch die Region“, analysiert Sabine Gaßner, AMS-Geschäftsstellenleiterin in Judenburg. So gebe es Unternehmen, deren Auftragsbücher wieder voller sind, zugleich aber auch solche, die unter den aktuellen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen leiden, etwa unter der US-Zollpolitik. Entsprechend würden daher auch viele Betriebe am Arbeitsmarkt defensiver agieren: „Facharbeiter sind nach wie vor gefragt, aber nicht um jeden Preis.“
Fehlende Kinderbetreuung
Der Onlinehandel und die erhöhte Sparneigung der Haushalte – die aktuelle Unsicherheit veranlasst aktuell mehr Österreicherinnen und Österreicher zu sparen und nicht zu konsumieren – treffen wiederum den stationären Handel in der Region. Doch auch die Arbeitszeiten erschweren den Zugang zu diesem Sektor: „Die Teilzeitquote im Handel ist sehr hoch. Und das betrifft durchwegs Frauen.“ Zum einen gebe es noch nicht überall genügend Kinderbetreuungsstätten, zum anderen seien auch die Arbeitszeiten – Beginn um 4 Uhr früh oder Ende um 20 Uhr – für viele Frauen, deren Kinder noch klein seien, nicht möglich. Wobei die Judenburger AMS-Chefin klarstellt: „Den Eindruck, dass Arbeitnehmer vorrangig auf ihre Work-Life-Balance schauen und deshalb weniger arbeiten, den habe ich nicht. Das Leben ist zuletzt ja teurer geworden und entsprechend groß ist das Interesse, auch etwas zu verdienen.“
Neue Arbeitswelt mit KI
Österreichweit angestiegen ist im April 2026 auch die Arbeitslosigkeit unter den Akademikern. Eine Entwicklung, die die Region weniger stark trifft: „Bei uns ist die Akademikerquote geringer als in Graz oder Wien. Trotzdem würde ich jedem Betroffenen empfehlen, sich auch in anderen Regionen umzuschauen.“ Unter www.allejobs.at können alle offenen Stellen österreichweit abgerufen werden, die über das AMS ausgeschrieben sind.
An Arbeitskräfte mit sowie ohne akademischen Abschluss und ebenso an Unternehmen richtet Gaßner den Appell, sich mit Künstlicher Intelligenz auseinanderzusetzen: „Wir müssen unser Mindset verändern und uns auf das Thema einlassen. Die KI wird Arbeitsplätze nachhaltig verändern.“ Unternehmen müssen sich fragen, wo es sinnvoll sei, sie einzusetzen. Mitarbeiter wiederum sollten sich im Umgang mit KI schulen, wobei: „Am Ende steht immer der Mensch, der die Ergebnisse überprüft. Durch die KI darf kein Wissen verloren gehen.“