„Ich bin jetzt 48 Jahre alt und habe mir gedacht, wann, wenn nicht jetzt“, erzählt Sandra Prassl. Die letzten Wochen und Monate hat die Grazerin daran gearbeitet, ihren Plan Wirklichkeit werden zu lassen. Sie macht sich selbstständig und eröffnet am 2. Mai in der Grazer Merangasse 39 das Studio „Shadows“. Beim Tag der offenen Tür kann man sich von 11 bis 18 Uhr ein Bild von den Räumen und den Kursen machen, die dann kommende Woche starten.

Schwerpunktmäßig bietet die Grazerin in ihrem „Movement & Mind“-Studio an, was sie selbst beim ersten Hineinschnuppern vor zwei Jahren vom ersten Moment an fasziniert hat: Pole Dance. „Das ist ein wunderschöner Sport, er gibt Energie und Selbstbewusstsein, macht Spaß und man baut dabei ordentlich Muskeln und Kraft auf“, unterstreicht sie. Das Training an der Stange hat in den letzten Jahren sein halbseidenes Image abgestreift und sich zum Fitness-Trend gemausert.

Mehr als nur ein Pole-Dance-Studio: Vom Mentaltraining bis zum Handstand-Workshop

Die Kurse im neuen Studio sind Frauen vorbehalten, wobei Prassl ausdrücklich auch ältere Semester für den Sport begeistern möchte. „Bei mir sind auch die richtig, die sich bisher vielleicht nicht getraut haben, weil sie glauben, mit den Jungen körperlich nicht mithalten zu können“, so die Studio-Betreiberin. Neben Pole Dance bietet sie ein breites Kursprogramm. Mentaltraining und Selbstverteidigung gehören ebenso dazu wie Handstand-Workshops, Bauchtanz und Aerial-Hoop-Einheiten, bei denen an einem von der Decke hängenden Ring trainiert wird. „Ich will Frauen Mut machen, sich neu zu erfinden. Meine eigene Erfahrung hat mir gezeigt, wie viel Kraft, Selbstvertrauen und Lebensfreude in uns steckt, unabhängig vom Alter“, so die Grazerin.

Pole-Dance-Studio als berufliche Kehrtwende

Mit der Eröffnung ihres Pole-Dance-Studios schlägt Prassl selbst ganz neue Wege ein. „Bevor ich mich jetzt selbstständig gemacht habe, habe ich 20 Jahre in der Bestattung gearbeitet“, erzählt die 48-Jährige. Durch Zufall war sie nach der Modeschule in die Branche „hineingestolpert“. „Ich habe die Arbeit als Bestatterin von der Pike auf gelernt und mich dann auf schwierige Trauerfälle spezialisiert, zum Beispiel Fälle, wo Kinder oder Suizid im Spiel waren“, so die Grazerin, die ein entspanntes Verhältnis zum Tod hat. „Meine Tochter ist quasi in der Bestattung aufgewachsen und hat ihre Aufgabe zwischen Särgen gemacht“, erinnert sich die ehemalige Leiterin von Bestattungsunternehmen in Wien und Graz.

20 Jahre lang war Sandra Prassl in der Bestattungsbranche tätig. Trauerrednerin bleibt sie auch nach der Gründung ihres neuen Studios
20 Jahre lang war Sandra Prassl in der Bestattungsbranche tätig. Trauerrednerin bleibt sie auch nach der Gründung ihres neuen Studios © Privat

„Herzensthema“ Bestattung

Den Lebensabschnitt schloss Prassl mit einem Buch ab, das im August erscheinen wird. In „Wenn der letzte Vorhang schief hängt“ werden Geschichten aus ihrem Alltag als Bestatterin nachzulesen sein. Ganz kehrt die Grazerin ihrem „Herzensthema“ freilich auch in Zukunft nicht den Rücken. Sie wird weiterhin als Trauerrednerin tätig sein und Trauerredner ausbilden. „Ein Begräbnis muss nicht schrecklich sein. Es ist wichtig, dass ein Leben einen schönen Abschluss findet. Und, ja, auf einem Begräbnis darf auch gelacht werden“, unterstreicht sie.

Was sich trotz beruflicher Neuorientierung ebenfalls durchzieht: Ihre Liebe zu elegantem Schwarz. „Seit ich mich erinnern kann, trage ich nur Kleidung in dieser Farbe. Ich bin am Land aufgewachsen, da ist man dann schnell ein ‚Gruftie‘, erinnert sich die frischgebackene Studio-Betreiberin schmunzelnd. Die Farbe schwarz begleitete sie natürlich auch zwei Jahrzehnte lang in der Bestattungsbranche. Nun spielt es neben kräftigem Lila eine wesentliche Rolle bei der Inneneinrichtung ihres neuen Studios.