Die Sitzung dauerte bereits lange, als die dritte Landtagspräsidentin Helga Ahrer (SPÖ) kurz vor 22 Uhr den 16. Tagesordnungspunkt ankündigte. Dieser war im Bezirk Bruck-Mürzzuschlag durchaus mit Spannung erwartet worden, schließlich ging es um die mögliche Schließung des Reha-Zentrums in Aflenz durch eine Zusammenlegung mit der Klinik in St. Radegund.
Von Seiten der Pensionsversicherungsanstalt (PVA), die die Gesundheitseinrichtung betreibt, ist noch nichts beschlossen. Die Angst um Arbeitsplätze, Patientenversorgung und vor einem wirtschaftlichen Niedergang ist in der Region „Hochschwab Süd“ dennoch groß, was die Abgeordneten in ihren Wortmeldungen klar darlegten. „Diese Nachricht hat uns in meiner Heimatregion wirklich schockiert“, berichtete Abgeordneter Stefan Hofer (SPÖ), der auch als Bürgermeister in der Aflenzer Nachbargemeinde Turnau tätig ist.
Die Überlegungen bezeichnete er zum wiederholten Male als „Anschlag“ auf Region, Patienten, Wirtschaft und die 135 Beschäftigten, welche im Reha-Zentrum ihren Dienst ausüben. „Statt sie für ihre engagierte und loyale Tätigkeit wertzuschätzen, stößt man sie vor den Kopf“, so Hofer, der sich schon vor der Abstimmung über den von SPÖ, ÖVP und FPÖ eingebrachten Antrag für den fraktionsübergreifenden Zusammenhalt bedankte: „Nur gemeinsam kann ein Erhalt dieser österreichweiten Vorzeigeinrichtung gelingen.“
Statt zuzusperren lieber ausbauen
Der FPÖ-Abgeordnete Philipp Könighofer pflichtete dem bei und hob wie Hofer die Solidaritätsbekundung vor Ostern hervor, bei der rund 1500 Menschen in Aflenz für das Reha-Zentrum protestierten. „Wenn wir den Schulterschluss schaffen, ist es ein unmissverständliches Signal nach Wien“, betonte er und ergänzte: „Es gibt keine Alternative zur Standortgarantie, weil alles andere wäre ein massiver Rückschritt für die Region.“
Stattdessen wolle man die Perspektive eines Ausbaus in Aflenz ins Auge fassen: „Es gibt nicht nur räumlich große Potenziale, auch die Region gibt es her.“ Tatsächlich wurde diese Möglichkeit zuletzt bei einer Gesprächsrunde im Sozialministerium bereits erläutert. Von steirischer Seite trafen sich dort Max Lercher (SPÖ) und Hannes Amesbauer (FPÖ) mit Sozialministerin Korinna Schumann und PVA-Verantwortlichen, auch der Aflenzer Bürgermeister Hubert Lenger (ÖVP) wurde vorab kontaktiert.
„Wir wurden gehört“
Im Zuge dessen habe man erfahren, dass bisher nur eine Bedarfsprüfung für einen Ausbau in St. Radegund laufe, erklärte Amesbauer. „Die PVA-Vertreter haben mehrmals betont, dass die Schließung von Aflenz nur ein mögliches Szenario ist“, ließ er wissen und erklärte: „Wir haben klar deponiert, dass wir den Erhalt und im Idealfall den Ausbau von Aflenz wollen.“ Die Atmosphäre beim Zusammentreffen bezeichnete Lercher als „kritisch und sehr konstruktiv“ und fasste zusammen: „Wir wurden gehört.“
Weitere Gesprächsrunden seien jedenfalls geplant. An diesen soll dann auch Gesundheitslandesrat Karlheinz Kornhäusl teilnehmen. Im Landtag selbst kamen die Abgeordneten der Bitte um ein „gemeinsames, starkes Zeichen“ letztendlich nach: Eine gute halbe Stunde nach dem Aufruf des Tagesordnungspunktes, wurde der Antrag einstimmig angenommen.