Ohrenbetäubend schrillen rote Trillerpfeifen durch das Aflenzer Ortszentrum, während sich unzählige verärgerte Männer, Frauen und Kinder ihren Weg durch den Luftkurort bahnen. In ihren Händen tragen sie selbstgebastelte Plakate mit klaren Botschaften: „Für die Gesundheit unseres Ortes“, „Menschen vor Profit“, „Reha Retten, Region schützen!“ steht darauf etwa geschrieben.

Eine Menschenmasse zog am späten Vormittag durch Aflenz
Eine Menschenmasse zog am späten Vormittag durch Aflenz © KLZ / Eva Pretterhofer

„Aflenz kämpft, wir halten Stand. Reha retten Hand in Hand“, skandiert man rhythmisch am vorderen Ende des Protestzuges. Die Botschaft ist klar: Kampflos wird man die mögliche Schließung des Reha-Zentrums der Pensionsversicherungsanstalt (PVA) im Aflenzer Becken nicht hinnehmen.

Wie berichtet denkt die PVA derzeit über eine Zusammenlegung der Standorte Aflenz und St. Radegund nach, was in der Region große Unsicherheit und viel Ärger auslöst. Neben der Furcht um den Verlust von 135 Arbeitsplätzen steht dabei unter anderem die Sorge um den Luftkurort selbst vielen Leuten ins Gesicht geschrieben. „Wenn das Reha-Zentrum zusperrt, dann ist Aflenz tot“, hört man immer wieder.

1500 Demonstranten

Nach einer Mitarbeiterversammlung samt Protestmarsch vor knapp einer Woche entlud sich der aufgestaute Frust nun am Samstagvormittag ab 10 Uhr bei einer Solidaritätsbekundung. Zahlreiche Bürgerinnen und Bürger sowie Politikerinnen und Politiker folgten dem Aufruf und marschierten trotz des kalten Windes mit. „So viel wie heute ist bei uns sonst nur beim Kirtag los“, lacht eine Dame. Laut Polizei nahmen rund 1500 Personen an der Demonstration teil.

„Wir sind heute hier, weil es für alle wichtig ist“, betont eine Frau, während sie mit einem Plakat in der Hand die steile Straße hinaufstapft. Viele im Demonstrationszug haben selbst Verbindungen zum Reha-Zentrum, seien sie beruflicher, familiärer oder freundschaftlicher Natur. „Meine Frau und meine Schwiegertochter arbeiten dort. Mich ärgert, dass so etwas ständig die Leute, die arbeiten, trifft, und nicht die Führungsetagen“, ärgert sich ein älterer Herr.

„Anschlag auf die Region“

Nach knapp 45 Minuten finden sich die Protestierenden am Hang hinter dem Reha-Zentrum und der Kirche ein. Mit den vielen Plakaten entsteht dabei eine beeindruckende Kulisse vor den Rednerinnen und Rednern. „Ich bin wirklich überwältigt und fast sprachlos. Ich freue mich so, dass wir so ein starkes Zeichen setzen können“, spricht der Aflenzer Bürgermeister Hubert Lenger wohl vielen aus der Seele.

Geballte Kraft wurde am Samstag für einen Erhalt des Reha-Zentrums in Aflenz gezeigt
Geballte Kraft wurde am Samstag für einen Erhalt des Reha-Zentrums in Aflenz gezeigt © KLZ / Eva Pretterhofer

Mit kräftigen Statements heizen die Politikerinnen und Politiker verschiedener Couleurs die Menschenmenge in weiterer Folge an: „Diese Entscheidung ist ein Anschlag auf die Region, die Patienten und vor allem die Beschäftigten, die meisten davon Frauen“, erklärt Turnaus Bürgermeister Stefan Hofer. Auf letzteres weist auch eines der Plakate hin: „Wir Frauen zahlen den Preis eurer Entscheidungen!“ steht darauf geschrieben.

Stefan Hofer (SPÖ) sieht im Protest für den Erhalt einen biblischen Kampf
Stefan Hofer (SPÖ) sieht im Protest für den Erhalt einen biblischen Kampf © KLZ / Eva Pretterhofer

Mit dem Verweis auf den Kirchengrund, auf dem man sich befindet, holt Hofer weiter zum Vergleich aus: „Das ist ein Kampf wie David gegen Goliath. Aber es ist auch in der Bibel so, dass der Schwächere am Ende gewinnt.“ „Wir dürfen uns nicht gefallen lassen, dass der ländliche Raum ausgedünnt wird“, betont unterdessen Nationalratsabgeordneter Andreas Kühberger, während Landtagsabgeordneter Philipp Könighofer von einem „Protest der Vernunft“ spricht.

Medizinische Sorgen, Aufmarsch in Wien

Auch die medizinische Perspektive kommt zu Wort. Kardiologe Georg Parsche betont die Bedeutung von Vorsorge und Bewusstseinsbildung, die im Reha-Aflenz bei Patienten mit Diabetes oder anderen Erkrankungen stattfindet. Die geballte Expertise an einem neuen Standort wieder aufzubauen, würde zehn bis 15 Jahre dauern. „Das bringt Tote“, hält er drastisch fest und fragt: „Kann die PVA schlafen, wenn man Blut an den Händen hat?“

Georg Parsché sieht das Wohl der Patientinnen und Patienten durch eine Verlegung des Reha-Zentrums gefährdet
Georg Parsché sieht das Wohl der Patientinnen und Patienten durch eine Verlegung des Reha-Zentrums gefährdet © KLZ / Eva Pretterhofer

Noch hofft man, die PVA von der Zusammenlegung abzubringen. „Ich kann nicht versprechen, dass wir das stemmen, aber wir werden alles dafür tun“, verspricht Lenger und der steirische SPÖ-Chef Max Lercher spricht bereits einen möglichen nächsten Schritt an: „Wer jetzt aufgibt, hat schon verloren. Wenn das keine Wirkung zeigt, dann werden wir in Wien aufmarschieren müssen.“

Max Lercher (SPÖ)
Max Lercher (SPÖ) © KLZ / Eva Pretterhofer