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MAN-Werk SteyrVerkauf an Wolf für Vorstand einzige Alternative zur Schließung

"Ausgezeichnetes und solides Konzept" von Ex-Magna-Chef. Anderen "Interessenbekundungen" wurde abgesagt.

"Es ist unser Ziel, das Werk unter einem neuen Eigentümer mit einer neuen Perspektive zu erhalten", sagt MAN-Vorstand Rabe
"Es ist unser Ziel, das Werk unter einem neuen Eigentümer mit einer neuen Perspektive zu erhalten", sagt MAN-Vorstand Rabe © FOTOKERSCHI.AT/WERNER KERSCHBAUM
 

Einen Tag vor der Betriebsversammlung am MAN Standort Steyr, in der Investor Siegfried Wolf sein Übernahmekonzept für das Werk der Belegschaft präsentiert, hat Martin Rabe, Personalvorstand der MAN Truck & Bus SE, klargemacht, dass der Verkauf an Wolf die einzige Alternative zur Schließung ist. Anderen "Interessenbekundungen" wurde abgesagt. Steyr habe nur deshalb positiv bilanziert, weil es einen "jährlichen Ausgleich durch die Zentrale gibt".

Seit Bekanntwerden, dass das Werk in Steyr zur Disposition steht, halten Betriebsrat aber auch die oberösterreichische Landespolitik dem Konzern vor, den Oberösterreich-Standort trotz Gewinnen aufzugeben. Zur "Rentabilität" merkte der Personalvorstand, der auch Arbeitsdirektor ist, weiters an: "In Steyr produzieren wir bislang die leichte und mittlere Lkw-Reihe - also jene Fahrzeuge mit den geringsten Renditen." Es seien "massive und teils sehr schmerzhafte Einschnitte" nicht nur in Deutschland, wo 3500 Jobs gestrichen werden, nötig. "Wenn wir als Unternehmen auch in zehn Jahren noch eine Rolle in der Branche spielen wollen, müssen wir immense Investitionen vornehmen und MAN insgesamt komplett neu aufstellen. Doch dazu fehlt uns im Moment schlicht das Geld."

"Ziel, das Werk mit neuem Eigentümer zu erhalten"

Die Entscheidung, den Standort Steyr "aus dem MAN-Produktionsverbund herauszulösen", sei gefallen. "Aber es ist unser Ziel, das Werk unter einem neuen Eigentümer mit einer neuen Perspektive zu erhalten." Als Käufer kommt offenbar nur Ex-Magna Chef Wolf mit seiner WSA Beteiligungs GmbH infrage. Ihm wolle die Münchner Zentrale "eine Art Anschubhilfe" geben, indem die WSA "bis Ende 2022 sowohl weiter mit der Fertigung von MAN-Lkw als auch mit Kunststoff-Lackierarbeiten" beauftragt werde. Auch wenn man mit anderen Interessenten in Kontakt gestanden sei, versicherte Rabe, dass einzig die WSA "ein detailliertes industrielles und betriebswirtschaftliches Konzept für den Standort Steyr vorgelegt hat. Anderen Interessensbekundungen, wie ich sie nennen würde, haben wir deshalb abgesagt. Die Zukunft des Standortes Steyr muss auf soliden Füßen stehen", meinte er in Richtung des Konsortiums rund um den Linzer Unternehmer Karl Egger (KeKelit) für ein "Green-Mobility-Center". Dass bereits im September des Vorjahres der Berater Christoph Strobl mit der Innovationsinitiative Grantiro und dem Sanierungsfonds Transformation Equity Partners Interesse am Standort Steyr gezeigt habe, ist dem Personalvorstand "nicht bekannt".

Am Freitag wird Rabe gemeinsam mit MAN-Vorstandsvorsitzendem Andreas Tostmann an der Betriebsversammlung teilnehmen. "Wir kommen ja mit guten Zukunftsaussichten im Gepäck", gab er sich optimistisch. Ob die Urabstimmung der Belegschaft nach Ostern Einfluss auf die Entscheidung des Unternehmens haben werde? "Unsere Position ist klar. Wir verhandeln mit WSA als Alternative zur Schließung des Standorts. Herr Wolf hat ein aus unserer Sicht ausgezeichnetes und solides Konzept vorgelegt." Er hoffe, dass "die Belegschaft diese Entscheidung in der Abstimmung mitgeht".

Kommentare (4)
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scionescio
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" dass der Verkauf an Wolf die einzige Alternative zur Schließung ist. Anderen "Interessenbekundungen" wurde abgesagt"

Die schlechteste Lösung für die Belegschaft ist also ohne Alternative, weil MAN sich die besseren Angebote gar nicht anschauen will - wenn das nicht zum Himmel stinkt, weiß ich auch nicht mehr.

Da muss gewaltig was im Busch sein, wenn MAN einfach auf mehr Geld locker verzichtet - dass ihnen die Arbeiter so am Herzen liegen, ist einfach lachhaft: dann hätten sie das Werk ja nicht zu schließen brauchen.

Vielleicht kauft sich der Herr Wolf noch einen zweiten Privatjet oder die fünfte Villa - aber diesen schalen Beigeschmack bekommt der Putinfreund nicht mehr los.

luigi22
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Nachfrage:

Wieso schlechteste Lösung?
Die MAN will das Werk nicht mehr - Punkt!
Das Konzept von Wolf ist gut, hat Hand und Fuß und außerdem noch viel Potential für die Zukunft!
Es gibt keine vergleichbaren Angebote - schon gar keine besseren.
Es gibt nur ein oder zwei Ideen, aber ohne auch nur annähernd ausreichend Fakten dahinter, um darüber überhaupt diskutieren zu können.
Fakt ist, dass der Arbeiterbetriebsrat, ohne eine vernünftige Alternative zu haben, mit den Schicksalen tausender Mitarbeiter und demnach auch Familien pokert.

scionescio
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@luigi: beim anderen Angebot werden keine Mitarbeiter abgebaut und der Kaufpreis ist auch höher ...

... also ist nach objektiven Gesichtspunkten die Lösung des Herrn Wolf für alle schlechter - profitieren tut nur der Herr Wolf (und vermutlich seine Freunde ...).

luigi22
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"Angebot"

In der Zeitung steht viel und sagen kann man auch viel (z.B. es werden keine MA abgebaut)
Plausibel ist das nie und nimmer. Die Fakten sprechen eine andere Sprache.
Die Alternative ist eher eine wage, nicht Fakten basierende Idee, als ein Konzept.
Nicht Wolf ist der Böse: Im Gegenteil: Mit dieser Idee zu behaupten, es werden keine MA abgebaut (ev. auch noch, dass alle 100% ihres Lohnes weiter bekommen), das ist schon eher unseriös.
Auch bei der Alternative gäbe es Profiteure - und ich meine sicher nicht die Mitarbeiter.