Martin Payer (46) ist seit 2019 Vorstand der Kärntner Beteiligungsverwaltung (KBV). In den Fokus gerückt ist er als Person in den vergangenen Monaten vor allem durch die Diskussionen rund um den Klagenfurter Flughafen. Die KBV hält für das Land Kärnten die Beteiligung von 20 Prozent am Airport. 75 Prozent gehören der Lilihill bzw. deren Eigentümer, dem Immobilieninvestor Franz Peter Orasch. Von ihm zugesagte Investitionen und eine nennenswerte Weiterentwicklungen des Fluggeschäftes sind bisher aber nicht erfolgt. Trotzdem hätte Orasch gerne das uneingeschränkte Baurecht für die nicht betriebsnotwendigen Grundstücke am Flughafen, und das zu einem "Spottpreis", wie Kritiker sagen.

Mit Payer hat der Immobilienstratege allerdings einen unbequemen Gegenspieler. "Der Investor hat viereinhalb Jahre lang keinen Beweis dafür geliefert, dass er den Flughafen voranbringen will. Es ist nicht mein Job, der nette Kerl zu sein, sondern das Beste für den Steuerzahler herauszuholen", ist der Standpunkt des KBV-Chefs.
Wenn Payer von etwas überzeugt ist, verfolgt er konsequent den einmal eingeschlagenen Weg. Als warnendes Beispiel hat er wohl seine Vorgänger Gert Xander und Hans-Jörg Megymorez vor Augen, die im Zuge des Hypo-Skandals verurteilt wurden. Mit ein Grund, warum er die vorliegenden Baurechtsverträge "die zum Nachteil des Steuerzahlers sind, nicht akzeptiert" und nicht unterschreiben wird.

Die SPÖ, die in der Flughafen-Sache an einer raschen Einigung mit Orasch interessiert wäre, hat in dem Fall keine sehr große Freude mit dem Vorstand der Beteiligungsverwaltung des Landes. Und auch nicht damit, dass Payer vehement die Meinung vertritt, das Land Kärnten und die Stadt Klagenfurt müssten die Call-Option ziehen, und die Anteile in Höhe von 75 Prozent von Orasch zurückkaufen.

Entscheidung Kärnten Werbung

Wenige Freunde gemacht hat sich der KBV-Chef auch mit der Entscheidung, die Geschäftsführung der Kärnten Werbung neu zu besetzen. Vertreter von Wirtschaftskammer und Arbeiterkammer, allen voran Wirtschaftskammerpräsident Jürgen Mandl, hatten sich für den Verbleib von Geschäftsführers Christian Kresse ausgesprochen. Dieser war beim Hearing aber nicht als Bestgereihter hervorgegangen, sondern Klaus Ehrenbrandtner, weshalb Payer, der für die KBV in dem Fall die Mehrheit vertreten hat, sich für Letzteren entschieden hat. "Es war ein lupenreines Verfahren und wir haben den Besten genommen" , ist er überzeugt.

Wenige Freunde in SPÖ

Wenige Freunde also in der SPÖ, der Wirtschaftskammer und der FPÖ. Im Gegenzug wird Payer ÖVP-Nähe nachgesagt. Dazu steht er auch. Schließlich war der studierte Betriebswirt vor einigen Jahren unter anderem auch stellvertretender Leiter im ÖVP-Landtagsklub.
Weitere Stationen auf seinem beruflichen Weg waren das IHS Kärnten, ein Job bei der Stadt Klagenfurt im Bereich Public Management, und ab 2010 war er für mehrere Jahre Finanzchef der Krankenanstaltenbetriebsgesellschaft Kabeg. 2016 folgte der Wechsel in die Privatwirtschaft zur Firma Isovoltaik in der Steiermark. Der Wunsch, mit seiner Familie zurück nach Kärnten zu kommen, hat zu seiner Bewerbung um den 2018 ausgeschriebenen Vorstandsjob bei der Vorgängergesellschaft der KBV geführt, den er im März 2019 angetreten hat.

Erfolgreich neue Strukturen geschaffen

Seither hat er erfolgreich neue Strukturen geschaffen und Altlasten bereinigt. Sein Vertrag läuft bis Ende Februar 2024. Für SPÖ und FPÖ "viel zu früh" geht es kommenden Mittwoch in der letzten ordentlichen Aufsichtsratssitzung vor der Wahl um die Verlängerung Payers bis 2029. Aufsichtsratsvorsitzender Martin Thaler hat den Antrag auf die Tagesordnung setzen lassen.

Eine politische Diskussion

Unabhängig von Payers Qualifikationen entwickelt sich die Vertragsverlängerung so kurz vor der Landtagswahl im März 2023 zu einer politischen Diskussion. Die ÖVP will Payer noch rasch absichern, sagen SPÖ und FPÖ. Hintergrund: Das Beteiligungsreferat dürfte nach der Wahl von der ÖVP zur SPÖ wandern. Und in der SPÖ hat Payer, wie erwähnt, nicht wirklich Freunde. "Stur" sei er, heißt es dort. Ein Unbequemer, dem fachlich gesehen aber von allen Seiten Kompetenz attestiert wird.