Mit einer Verknappung des Angebots will die Öl-Allianz OPEC+ den zuletzt deutlich gefallenen Preis für Rohöl zumindest wieder stabilisieren. Von November an wird der Verbund aus 23 Staaten zwei Millionen Barrel (je 159 Liter) täglich weniger fördern, wie die OPEC am Mittwoch in Wien mitteilte. Es ist die umfassendste Verringerung der Produktion seit langem. Aufgrund der Sorge vor einer weltweiten Rezession hatten die Preise seit Juni um bis zu 30 Prozent nachgegeben.

Faktisch fällt die Kürzung allerdings geringer aus, da bereits jetzt einige Staaten wie Nigeria, Angola und Russland weniger fördern als die bisherigen Vereinbarungen erlauben. Das Ölkartell OPEC+ hat einen weltweiten Marktanteil von etwa 40 Prozent.

Beim Treffen in Wien ebenfalls mit dabei war übrigens auch Russlands stellvertretender Ministerpräsident Alexander Novak.

Auch Russlands stellvertretender Ministerpräsident Alexander Novak ist beim Opec+-Treffen in Wien
Auch Russlands stellvertretender Ministerpräsident Alexander Novak ist beim OPEC+-Treffen in Wien
© (c) APA/AFP/VLADIMIR SIMICEK (VLADIMIR SIMICEK)

Mit der Maßnahme reagiert das erweiterte Kartell, zu dem auch Russland gehört, auf die gesunkenen Ölpreise. Diese waren wegen der Angst vor einer globalen Rezession, dem starken Dollar und steigenden Zinsen zuletzt auf etwa 90 Dollar je Barrel gefallen, nachdem sie vor drei Monaten noch bei 120 Dollar gelegen waren.

Die Ölpreise haben sich am Mittwoch im Späthandel jedoch stabil gezeigt. Der Preis für die Nordseesorte Brent lag knapp vor 17 Uhr bei 92,23 Dollar pro Barrel (159 Liter) und damit um 0,6 Prozent über dem Vortagesschlusskurs. Die US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) verteuerte sich um 0,2 Prozent auf 86,64 Dollar. Die am Nachmittag gemeldeten Entscheidungen der OPEC+ wirkten sich damit vorerst nicht merklich auf die Ölpreise aus.

Druck der USA nutzte nichts

Die US-Regierung von Präsident Joe Biden machte Insidern zufolge Druck auf die OPEC+, auf eine Drosselung zu verzichten. "Höhere Ölpreise, wenn sie durch beträchtliche Produktionskürzungen angetrieben werden, würden die Biden-Regierung vor den US-Zwischenwahlen wahrscheinlich verärgern", schrieben die Analysten der Citi. "Es könnte weitere politische Reaktionen aus den USA geben, einschließlich zusätzlicher Freisetzungen von strategischen Vorräten." Auch die Experten von JP Morgan schließen nicht aus, dass Washington durch die Freigabe weiterer Ölvorräte Gegenmaßnahmen ergreifen werde.

Auch der "No Oil Producing and Exporting Cartels Act", kurz NOPEC, könnte den Citi-Analysten zufolge auf den Weg gebracht werden. Dieses Gesetz würde den Weg für Kartellklagen bahnen, mit dem Ziel, Verbraucher wie Unternehmen in den USA vor künstlich herbeigeführten Preissteigerungen bei Benzin und Heizöl zu schützen. Dabei steht der Vorwurf im Raum, dass die im Ölkartell OPEC zusammengeschlossenen Förderländer mit Lieferkürzungen die Preise absichtlich nach oben getrieben haben.

Die USA wollen die Ölpreise unter anderem senken, um Russland wegen des Krieges gegen die Ukraine die Öleinnahmen zu entziehen. Saudi-Arabien hat das Vorgehen Moskaus bisher nicht verurteilt. Die Beziehungen zwischen dem Königreich und der US-Regierung von Biden gelten als angespannt.