Mitarbeiter heimgeschickt3G-Regel im Job ohne Ausnahme: "Entweder du kündigst oder wir kündigen"

Laut Schätzungen des Gesundheitsministeriums benötigen wegen der 3G-Regel am Arbeitsplatz rund 1,4 Millionen Erwerbstätige regelmäßig einen Coronatest. Betriebe müssen Leute nach Hause schicken, weil kein PCR-Ergebnis vorlag.

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CORONA: EINKAUFSZENTRUM IN OBEROeSTERREICH
© APA/FOTOKERSCHI.AT/ANTONIO BAYER
 

Ungeimpfte dürfen seit Inkrafttreten des Lockdowns um Mitternacht nur noch aus ganz bestimmten Gründen ihre Wohnung verlassen. Zur Arbeit dürfen sie gehen, dort gilt seit heute, Montag, jedoch die 3G-Regel ohne Ausnahme. Wegen Problemen bei der Covid-Testauswertung in Teilen Österreichs hatten WKÖ, Händler und Gastronomen im Vorfeld gefordert, dass statt eines Testnachweises weiter eine FFP2-Maske reicht. Tatsächlich mussten Mitarbeiter am Montag heimgeschickt werden.

"Zusperren mussten Betriebe aufgrund der 3G-Regel bisher nicht", sagte Stefan Sternad, Fachgruppenobmann für Gastronomie der Wirtschaftskammer Kärnten, gegenüber der APA. Allerdings haben schon Leute nach Hause geschickt werden müssen, da ihr PCR-Testergebnis auch nach über 24 Stunden noch nicht vorlag. Sternad sprach von chaotischen Zuständen bezüglich der PCR-Testungen und fehlenden Strukturen im Land. An den Testcontainern in Klagenfurt herrschte Montagfrüh großer Andrang. Seitens des Landespressediensts Kärnten hieß es, dass Tests von Verdachtsfällen und Kontaktpersonen bei der Auswertung vorgereiht würden.

Probleme im Baunebengewerbe

Im oberösterreichischen Bezirk Braunau, mit einer hohen Sieben-Tages-Inzidenz und einer niedrigen Impfquote, verzweifeln die Unternehmer teilweise an der 3G-Regel. "Uns erreichen viele Anrufe. Die Unternehmer wissen nicht mehr, was sie machen sollen", sagte der Leiter der Wirtschaftskammer Braunau, Klaus Berer, im APA-Gespräch. Einerseits gebe es Mitarbeiter, die sich nicht impfen lassen und auch nicht testen gehen wollen, andererseits gebe es Engpässe bei Testterminen und die Ergebnisse kämen nicht rechtzeitig. Vor allem kleinere Gewerbebetriebe seien betroffen. Größere Unternehmen hätten ganz andere Ressourcen sowie teilweise innerbetriebliche Impf- und Testangebote.

Berer nannte ein Beispiel aus dem Baunebengewerbe, ein Betrieb mit 30 Mitarbeitern. Zehn davon seien Nebenerwerbslandwirte, Impf- und Testverweigerer, und hätten dem Chef vorgeschlagen, "entweder kündigst du uns oder wir kündigen, wir haben eh daheim was zu tun". Der Unternehmer sei verzweifelt, denn bei der guten Auftragslage "wird jede Kraft gebraucht", so Berer. Er rate in so einem Fall an die Vernunft und das Zugehörigkeitsgefühl der Mitarbeiter zum Betrieb zu appellieren und sie so doch zum Testen oder sogar Impfen zu bewegen. "Man ist aufeinander angewiesen. Die Unternehmen wollen es sich mit den Mitarbeitern nicht verscherzen", erklärte er die prekäre Lage. Ein Versicherungsunternehmer habe sich beklagt, dass eine Mitarbeiterin am Samstag einen PCR-Test gemacht hätte, das Ergebnis aber bis Montag nicht eingelangt sei. Die Unternehmer hätten das Gefühl, sie müssten die Versäumnisse der Politik und die Unsicherheit durch die sich ändernden Maßnahmen ausbaden, meinte Berer.

In Niederösterreich waren im Handel, der Gastronomie und der Industrie "keine massiven Störungen" durch die 3G-Regel am Arbeitsplatz bekannt, wie ein Sprecher der Wirtschaftskammer sagte. Ein Mitgrund dafür sei, dass die Gemeinden ihre Testkapazitäten erweitert hätten. Der Sprecher verwies jedoch auf eine allgemein schwierige Situation für einzelne Betriebe, weil durch den Lockdown für Ungeimpfte Umsatzeinbußen befürchtet werden.

In der Steiermark rechnet man in der Gastronomie aufgrund der Verschärfungen bei den Coronakontrollen mit Umsatzeinbußen zwischen 30 und 40 Prozent, wie Fachgruppenobmann Klaus Friedl, eine Grazer Gastronom, zur APA sagte. Eine weitere Sorge: "Wir haben im vergangenen Jahr viel in die Mitarbeiter investiert, Küchen- und Servicepersonal. Kommt wieder ein Lockdown, wird sich das keiner mehr antun, viele würden die Branche wechseln. Alles ist besser als ein Lockdown", so Friedl. Wenn ein Mitarbeiter oder eine Mitarbeiterin etwa wegen eines ausstehenden Testergebnisses nicht kommen könne, müsse intern umgeplant werden. Kontrolliert habe die Polizei schon in der Vorwoche, ein Kollege habe vom Polizei-"Besuch" in einem Gasthaus bei einem Tennisplatz erzählt: "Aber unsere Gäste halten sich sehr gut an die 2G-Regeln, sie sind das ja auch schon gewöhnt." Ein großes Problem sieht Friedl in den Absagen von Weihnachtsfeiern: "Ein Wirt hat mir von Stornos für insgesamt 700 Personen berichtet. Wir rechnen mit gut der Hälfte weniger Weihnachtsfeiern als 2019. Wir werden wieder Unterstützung von der Bundesregierung brauchen. Was genau geplant ist, wissen wir noch nicht", so Friedl.

Fehlende Testkapazität

In der Tiroler Wirtschaftskammer meldeten sich am Montag viele Unternehmer weniger deswegen, weil Mitarbeiter keinen 3G-Nachweis vorlegen wollten, sondern viel mehr aufgrund fehlender Testkapazitäten im ländlichen Raum, berichtete Bernhard Achatz, Leiter der Abteilung Arbeitsrecht und Sozialrecht, der APA. Zudem würden viele, die auf einen PCR-Test setzen, sehr lange auf ihr Testergebnis warten. Darüber hinaus sorgte für Unruhe, dass K1-Personen keinen Absonderungsbescheid erhalten würden und daher stelle sich die Frage, wie mit diesen Arbeitnehmern umzugehen sei.

Der Obmann der Sparte Tourismus, LAbg. Mario Gerber (ÖVP), sagte, dass die Mitarbeiter seiner Branche Verständnis für die Regelung zeigen würden, die Durchsetzung von 3G sei daher kein Problem. Ihnen sei bewusst, dass auch sie eine Art körpernahe Dienstleistung erbringen würden und dass viel - nämlich die Wintersaison - auf dem Spiel stehe. Viele Hotelbetriebe setzen zudem von sich aus auf 2G, meinte er.

Wenige Ausnahmen von 3G-Pflicht

Als Testnachweis gilt am Arbeitsplatz meist weiterhin ein Antigen-Schnelltest. Beschäftigte in der Nachtgastronomie, von größeren Veranstaltungen und im Gesundheitswesen sowie im Pflegebereich müssen einen negativen PCR-Test bringen. Die Arbeitgeber müssen die Nachweise stichprobenartig überprüfen, die Firmen wiederum werden von den Gesundheitsbehörden überwacht.

Ausgenommen von der 3G-Pflicht (geimpft, genesen, getestet) sind nur Personen, die nicht mehr als zwei mal 15 Minuten pro Tag Kontakt mit anderen haben und selbst das nur, wenn dieser im Freien stattfindet. Das heißt abgesehen von Förstern und Lkw-Fahrern wird es nicht viele Berufsgruppen geben, die sich 3G ersparen.

Laut Schätzungen des Gesundheitsministeriums benötigen wegen der 3G-Regel am Arbeitsplatz rund 1,4 Millionen Erwerbstätige regelmäßig einen Coronatest. Unter der Annahme, dass sich die Testungen je zur Hälfte auf PCR-Tests und Antigentests aufteilen, werden laut Ministerium pro Tag rund eine Million Tests für 3G am Arbeitsplatz benötigt.

Für die Testinfrastruktur sind in Österreich die Bundesländer zuständig. Bei PCR-Test kam es zuletzt, etwa an Wochenenden, zu langen Wartezeiten auf das Ergebnis. Ein PCR-Test ist ab Probenentnahme 72 Stunden lang gültig, nicht immer lag der Befund zeitgerecht vor.

Kommentare (99+)
anita48
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?

Wenn alle dem Impfangebot gefolgt wären hätten wir kein Problem. Alles auf die Politik abzuschieben und auf die Eigenverantwortung zu verzichten ist nicht optimal.

voit60
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Wer redet da noch von Impfzwang

der ist doch nicht notwendig, wenn all die Impfunwilligen den zwei bis dreimalige Test pro Woche selber zahlen müssen. Kann mir gut vorstellen, dass das ein Impfturbo ist. Andererseits warum sollen Geimpfter diese Millionen Test pro Woche für diese Herrschaften zahlen. Verstehe nicht, warum das die Politik nicht veranlasst. Haben sie so große Angst vor den Impfgegner. Die sind ja sowieso bei der nächsten Wahlbei den Blauen oder dieser neuen schrägen Truppe.

voit60
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Bald wird es euch nicht nur Geld kosten

sondern leider auch eure Gesundheit.

Ragnar Lodbrok
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Oh....

...kein Mitleid...

lieschenmueller
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Branchenwechsel

Mich tät interessieren, wer wechselt wohin? Welche Firmen profitieren da?

Und ist das so einfach für die Leute, hin und her zu switchen?

undhetz
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weniger Geld für die ...

Parteienförderung - dafür mehr Geld für Intensivbetten und motivierte Pflegekräfte!!! Jetzt!!!

Balrog206
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Na

Dann ab zur Ausbildung

gonzolo
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Ausbildung? …

Seit wann verwendest du Fremdwörter, Balli?! …

Humanart
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D. van Laer: 3G für Alle

Zitat D. van Lear: In sechs Monaten wird es für alle Österreicher 3G geben - GEIMPFT, GENESEN ODER GESTORBEN ! So einfach ist das

madermax
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Ja, wenn wir es einfach durchziehen lassen…

Tun wir aber nicht, von daher war die Aussage von der Laer auch nur Spaltung/Panikmache und Unnötig…

Mein Graz
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@madermax

"Einfach durchziehen lassen"
Und tausende Tote riskieren.
Riskieren, dass es viele mit Long Covid gibt, die dann monatelang in den Betrieben ausfallen.
Riskieren, dass das Gesundheitssystem zusammenbricht.

Los, Max, mach den Anfang, lass es durchziehen durch dich, deine Familie, deine Freunde, deinen Ort.

madermax
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@Mein Graz

Es gibt realistisch gesehen nur drei Optionen:

1. Lockdown-Challenge: Jetzt Lockdown für alle um Weihnachten zu retten. Im Jänner nächster Lockdown um Semesterferien-Skisaison zu retten. Im Februar ein Lockdown um Ostern zu retten und danach auf einen milden Sommer hoffen. Im Herbst 2022 geht das Spiel mit 2-3 Lockdowns wieder von vorne lose…

2. Impf- Challenge: Impfpflicht oder sonst irgendwie >95% erreichen…

3. Eigenverantwortung und drüberziehen lassen mit demensprechenden Kollateralschäden. Wobei die Kollateralschäden primär die Ungeimpften erwischen wird. Meine Familie, meine Freunde sind ALLE geimpft, und schützen sich weiterhin selbst.

Ja, ich bin für einen Mix zwischen 2+3 und stehe dazu.

Sie, „Mein Graz“ sind hier im Forum nur bekannt um zu meckern über andere herzuziehen und den Oberlehrer zu spielen. Die Unfähigkeit andere Meinungen zu akzeptieren führt genau zu der aktuellen Spaltung der Gesellschaft. Danke für ihren Beitrag dazu…

Mein Graz
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@madermax

Naja, jetzt weiß ich durch deine Mitteilung wenigstens, wofür mich die Leute hier im Forum halten.

Eigenartig ist nur, dass viele meiner Meinung sind, und von denen lese ich so was nie.
Allerdings: diejenigen, die meine Meinung nicht teilen sehen mich als Satan höchstpersönlich, da ich auch Zahlen und Fakten liefere.

Also sei mir nicht allzu bös, wenn ich auch hier deine Meinung nicht teile...

jaenner61
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ja herr friedl

jetzt schreien sie wieder nach unterstützung vom staat, der soll natürlich wieder für die ausfälle aufkommen, und es beginnt wieder das große jammern nach geld. über die sommermonate konnte man von ihnen immer nur hören, das ihren mitgliedern genauere kontrollen nicht zugemutet werden können. so ganz unschuldig ist die gastronomie an den hohen zahlen zur zeit mit sicherheit nicht! herr friedl, ich kann ihre situationselastische jammerei schön langsam nicht mehr hören! 😡

Unzufriedener
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Daumendrücker

An alle Impfdrängler habe ich einige Fragen:
Wieso ? hat man den Sommer wieder verschlafen.
Wieso ? wurden 40 Millionen Stück Impfstoff gekauft.
Wieso ? hat man Intensivbetten reduziert.
Wieso ? wurde nicht das Pflegepersonal und die Intensivmediziner aufgestockt.
Ich würde mich freuen vernünftige Antworten zu bekommen.

Morpheus17
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Bei 40 Mio Stück gibts jede Menge Provision

... und Personal und Intensivbetten sind teuer.

jonny 123 at
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Morpheusl

Und personal kriegt am am tarviser markt schon ausgebildet man muss nur gescheid
verhandeln

GanzObjektivGesehen
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Wer ist ein "Impfdrängler"? Sind das Menschen die am 23.12. ihre Weihnachtseinkäufe machen ?

Weil die Menschen lieber im Gasthaus gesessen sind als Impfen zu gehen.
Weil der Impfstoff ein Ablaufdatum hat und nicht warten kann bis sich jemand seiner erbarmt.
Es verschwinden keine Betten, keine Geräte, kein Personal. Es wird. nur anders gezählt.
Weil es Pfleger und Intensivmediziner nicht bei Amazon zu kaufen gibt.

Wären ihre Fragen "vernünftiger" so wären es meine Antworten wahrscheinlich auch.

Unzufriedener
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Unrecht

GanzObjektv:
Es heißt immer Ungebildete seien am rechten Rand angesiedelt, aber ihre Antworten wieder legen das.
Gute Nacht und Gesund bleiben.

gonzolo
2
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Und wohin …

legen sie ihre Antworten wieder, Unzufriedener?

demitigo
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Wieso das med. Personal nicht aufgestockt wurde??

Weil die letzten Politikergenerationen alles kaputtgespart haben, es schon seit JAHREN, auch ohne Pandemie, einen Personalmangel im med. Bereich gibt, eine Pensionswelle der anderen folgt, die Arbeitsbedingungen/-verträge immer schlechter werden, gleichzeitig aber die Arbeit bzw. die Zahl der zu betreuenden Menschen stetig zunimmt

Man kann Intensivbetten aufstellen so viel man will - das nützt nichts, wenn es kein Personal gibt. Und dieses von anderen Stationen abzuziehen und dadurch anderen PatientInnen nicht die Versorgung zu ermöglichen, die ihnen zusteht nennt man TRIAGE... und das geschieht teilweise schon....

DESWEGEN

ps: die Ausbildung zum Intensivpfleger dauert 1 Jahr - sofern man bereits DGKP (Ausbildungsdauer: 3 Jahre) ist.

mfG

Mein Graz
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@Unzufriedener

Weil alle deine Fragen mit Ausnahme der 40-Mill.-Stück-Frage schon etliche Male beantwortet wurden.
Und Fragen, die sich auf Falschmeldungen beziehen braucht man nicht beantworten.

checker43
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Antworten

1. Ja, man hätte mehr impfen sollen im Sommer.
2. Weil man wusste, dass es Auffrischungen braucht und man auch berücksichtigen musste, dass bestimmte Impfstoffe mehr nachgefragt werden als andere oder Impfstoffe nicht mehr verimpft werden. Zudem muss man berücksichtigen, dass zu lange oder falsch gelagerter / tansportierter Impfstoff entsorgt werden muss. Es wurde auch nicht alles auf einmal geliefert, die 40 Mio sind Bestellungen bis 2022 hinein.
3. Hat man nicht.
4. Wenn Sie 100 Intensivbetten mehr hätten, nützt Ihnen das bei einer Verdoppelung der Patienten alle x Wochen auch nichts. Sie müssten Personal und Betten entsprechend verdoppeln laufend. Da helfen nur Impfung und Maßnahmen gegen den Anstieg, keine Betten.

styrianprawda
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@Unzufriedener

"Wieso ? wurde nicht das Pflegepersonal und die Intensivmediziner aufgestockt. "
Weil man die nicht wie Semmeln in kurzer Zeit backen kann.

“Wieso ? hat man Intensivbetten reduziert"
Wo hat man das gemacht?

Eine Frage haben Sie (wohlweislich?) vermieden:
"Warum ? lassen sich so viele noch immer nicht impfen"

Unzufriedener
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Daumendrücker

Hat es den Rot Daumendrücker die Sprache verschlagen oder geht es ihnen wie den Gesundheitsminister dieser findet auch keine Antwort.

yzwl
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Weil

es schon langweilig ist, ihr geschwurbel zu lesen, Unzufriedener.

 
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