Trotz des Iran-Krieges und der Sperre der Straße von Hormuz sieht die E-Control derzeit keine neue Energiekrise auf Österreich zukommen. Zwar seien die Gaspreise gestiegen, die Situation sei aber nicht mit 2022 vergleichbar, betonten die Vorstände Alfons Haber und Wolfgang Urbantschitsch am Dienstag in Wien. Bei einem länger andauernden Krieg dürften die Strompreise im kommenden Jahr aber steigen, darum wird Haushaltskunden zum Abschluss von Fixpreistarifen geraten.
E-Control-Vorstand Wolfgang Urbantschitsch betonte, dass Österreich weit von den Preisspitzen des Jahres 2022 entfernt sei. „Ich sehe jetzt einmal noch keine Krise“, sagte er. Sollten die Kampfhandlungen rasch enden, werde sich der Preisanstieg an den Energiemärkten kaum bemerkbar machen. Halte der Konflikt jedoch länger an, könnte dies für Bestandskunden im kommenden Jahr ein Plus von etwa einem Cent pro Kilowattstunde bedeuten. Der Markt gehe bei der Sperre der Straße von Hormuz vorerst von einem Ausfall von wenigen Wochen aus. Das globale Ausfallspotenzial liege bei 1.000 Terawattstunden (TWh) Gas, was ungefähr dem Ausfall der russischen Pipelinelieferungen global entspreche. „Sobald Hormuz aufgesperrt wird sozusagen, verfallen relativ schnell auch wieder die Preise“, zeigte sich Urbantschitsch zuversichtlich.
Hormuz hat ähnliches Ausfallspotenzial wie russisches Gas
Auch eine Blockade der Straße von Hormuz stelle physisch vorerst kein unlösbares Problem dar. „Das Gesamtpotenzial von Hormuz ist 1.000 Terawattstunden an Gas“, erklärte E-Control-Chefökonom Johannes Mayer. „Das entspricht ungefähr dem Ausfall der russischen Pipeline-Lieferungen global. Also das Potenzial des Problems ist ein großes, allerdings ist die Erwartung der Zeitdauer eine andere.“ Der Markt gehe bei der Sperre zunächst nur von einem Ausfall von wenigen Wochen aus.
Das eigentliche Risiko liege eher in einer Verzögerung der Einspeichersaison für den nächsten Winter. Urbantschitsch zeigte sich hierbei zuversichtlich: „Sobald Hormuz aufgesperrt wird sozusagen, verfallen relativ schnell auch wieder die Preise und alle würden dann zum Einspeichern anfangen“. Zudem dämpfe der aktuell verstärkte Einsatz von Kohlekraftwerken in Europa die Gasnachfrage zur Stromerzeugung spürbar.
Fixpreistarife könnten sich bald lohnen
Angesichts der aktuellen Marktlage riet Urbantschitsch Haushalten, jetzt Verträge mit Fixpreisen abzuschließen. „Ich würde allen raten, jetzt ein Fixpreisangebot abzuschließen, weil man dann gut über den nächsten Winter kommt“, sagte er. Wer derzeit einen dynamischen Tarif nutze, bei dem sich Großhandelspreise unmittelbar auf die Endkundenpreise auswirkten, sollte einen Wechsel prüfen. Es gebe derzeit noch attraktive Angebote am Markt, teilweise um die zehn Cent netto pro Kilowattstunde.
Auf eine drohende Verdoppelung der Netzentgelte aufgrund des massiven Netzausbaus angesprochen, relativierte Haber: Eine unmittelbar proportionale Steigerung der Tarife sei nicht gegeben, da sich durch die voranschreitende Elektrifizierung von Industrie und E-Mobilität auch die abgenommenen Strommengen erhöhen würden, was die Fixkosten dämpfe.
Urbantschitsch geht, Wien-Energie-Chef Strebl kommt
Mit Ende März läuft die fünfjährige Amtszeit des aktuellen Vorstandsduos ab. Während Haber dem Gremium in einer neuen Konstellation erhalten bleibt, wird Urbantschitsch die E-Control in gut einer Woche verlassen. Die Regulierungsbehörde bereitet sich derweil intensiv auf die Umsetzung des neuen Elektrizitätswirtschaftsgesetzes (ElWG) vor, das der Behörde weitreichende neue Aufgaben und Kompetenzen überträgt.
Urbantschitsch widmet sich künftig primär seiner Professur an der Wirtschaftsuniversität Wien (WU), die er bereits im März 2025 in Teilzeit angetreten hat. Sein Vorstandskollege Alfons Haber bleibt der Behörde hingegen erhalten: Sein Mandat wurde im Jänner für weitere fünf Jahre verlängert.
euer zweiter Vorstand wird ab dem 25. März 2026 der bisherige Wien-Energie-Chef Michael Strebl. Dessen direkter Wechsel von einem der größten Energieversorger des Landes zur Aufsichtsbehörde hatte im Vorfeld für politische Diskussionen rund um eine fehlende „Cooling-off-Phase“ gesorgt.