Zuletzt häuften sich in Kärnten die Meldungen von Fleischermeistern, die ihre Türen für immer schließen. Gut 20 Unternehmen gibt es kärntenweit noch. Jüngst gab der Innungsmeister der Fleischer höchstpersönlich bekannt, dass seine Fleischerei Plautz, die älteste in Klagenfurt, nach dem 30. April schließen wird.

Die Marken und Rezepte nimmt Raimund Plautz aber nicht mit in die Pension. Diese übernimmt der ebenfalls 1898 gegründete Familienbetrieb Frierss. Dort bestätigt man, dass der Rückgang der Fleischer- und Fleischerfachgeschäfte leider österreichweit Realität ist.

Frierss: „Machen keine Kompromisse“

Seit Jahren kämpften die Betriebe mit Kostensteigerungen. Fachkräfte fehlen, hohe Investitionen durch neue Vorschriften bei Verpackung oder Lebensmittelkennzeichnung seien für viele kaum mehr zu stemmen. „Das Fleischerhandwerk steht heute unter Druck – von allen Seiten. Wer bestehen will, muss mehr bieten als nur Produkte – nämlich Qualität, Vielfalt, Kompetenz und Innovationsgeist“, sagt Inhaber und Geschäftsführer Rudolf Frierss.

Selbst konnte man trotz dieses Umfelds expandieren. „Wir wachsen nicht um jeden Preis. Als Familienunternehmen in fünfter Generation machen wir bei Qualität und Handwerk keine Kompromisse – schon gar nicht bei unseren eigenen Feinkostgeschäften“, fügt Geschäftsführer Christoph Frierss hinzu. Weitere Feinkostgeschäfte seien nicht ausgeschlossen.

Mit der Weiterführung der Klagenfurter Traditionsmarke Plautz geht es nicht nur um die Wurst, besser gesagt Leberstreichwurst, Kärntner Speck und Verhackertes, sondern um einen Salat, der zuletzt Regionalität in die Supermärkte brachte: der Gmeiner Heringssalat. Plautz schloss vor fast 25 Jahren einen Lizenzvertrag mit der Familie Gmeiner, von der das Originalrezept stammt.

Künftig heißt es also „Hergestellt in Villach“ für die weiterhin im Lebensmittelhandel und zusätzlich in den Frierss-Fachgeschäften am Benediktinermarkt und in der Kärntnerei erhältlichen Produktpalette.

Bleiben nur die Großen übrig?

Ein stetig wachsender Teil der Produktion wird von Frierss selbst in den eigenen Feinkostgeschäften, jeweils zwei in Villach und Klagenfurt, verkauft. Der Stammbetrieb in der Klagenfurter Straße wird seit 128 Jahren geführt. Tragende Säulen sind der Lebensmittelhandel, die Gastronomie und der Export, wobei auch der deutsche und asiatische Raum Absatzmärkte sind.

Werden die Fachgeschäfte einmal ganz verschwinden? Im Lebensmittelhandel kommt es schließlich zu einer starken Konzentration mit großen Verkaufsflächen und einem wachsenden Anteil an Handelsmarken. Anders als der Innungsmeister sieht man zwar einen Rückgang, aber prognostiziert kein völliges Verschwinden der Betriebe in Zukunft, die als Nahversorger in der persönlichen Beratung mit ihrem Handwerkswissen punkten. Das gelänge aber nur mit deutlich weniger Bürokratie und stetiger Innovationsbereitschaft. Und das, ohne dabei die Saisonalität – vom Osterschinken bis zur Weihnachtskrainer – zu vergessen.