Die österreichische Wirtschaft schwächelt weiter. Das BIP stieg im zweiten Quartal 2025 gegenüber dem Vorjahreszeitraum sowie dem Vorquartal lediglich um 0,1 Prozent, geht aus der Schnellschätzung des Wirtschaftsforschungsinstituts (Wifo) hervor. „Während einige Dienstleistungsbereiche gegenüber dem Vorquartal expandierten, verlief die Dynamik in der Industrie verhalten“, so die Wirtschaftsforscher. Auf der Nachfrageseite habe eine positive Entwicklung im privaten Konsum die Gesamtwirtschaft gestützt.
Privater Konsum schaumgebremst
Die Wertschöpfung in der Bauwirtschaft sank um 0,3 Prozent, während sie in den Bereichen Information und Kommunikation, Finanz- und Versicherungsleistungen, Grundstücks- und Wohnungswesen um 0,2 Prozent zulegte. Im Handel, beim Verkehr sowie bei Beherbergung und Gastronomie lag das Plus bei 0,1 Prozent. Die Konsumnachfrage der privaten Haushalte legte um 0,3 Prozent zu, während die Exporte stagnierten und die Importe sich um 0,9 Prozent erhöhten.
Fazit der Wifo-Ökonomen: „Nachdem im ersten Quartal 2025 erste Belebungsanzeichen in der Industrie verzeichnet wurden, verlief die Dynamik aktuell schwach.“
Rückgang in Deutschland
Die deutsche Wirtschaft ist im zweiten Quartal 2025 geschrumpft. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) sank um 0,1 Prozent zum Vorquartal, wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch zu seiner ersten Schätzung mitteilte. In den ersten drei Monaten des Jahres hatte es noch zu einem Wachstum von revidiert 0,3 (bisher: 0,4) Prozent gereicht. Im Frühjahr sanken die Investitionen in Ausrüstungen und Bauten. „Die privaten und staatlichen Konsumausgaben stiegen dagegen“, hieß es.
Andere große Euro-Länder schnitten im Frühjahr weit besser ab. Frankreich, die nach Deutschland zweitgrößte Volkswirtschaft der Währungsunion, schaffte ein Plus von 0,3 Prozent. Spanien kam sogar auf ein Plus von 0,7 Prozent.
Die deutsche Wirtschaft steht vor einem schwierigen zweiten Halbjahr. Zwar stieg der Ifo-Geschäftsklimaindex - das wichtigste deutsche Konjunkturbarometer - im Juli den fünften Monat in Folge. Es verharrt aber auf vergleichsweise niedrigem Niveau. „Der Aufschwung der deutschen Wirtschaft bleibt blutleer“, sagte deshalb Ifo-Präsident Clemens Fuest. Für das laufende Jahr sagen die Münchner Forscher lediglich ein Wachstum von 0,3 Prozent voraus. Europas größte Volkswirtschaft war sowohl 2023 als auch 2024 leicht geschrumpft.
US-Zölle dürften belasten
Die am 1. August geltenden Zölle von 15 Prozent für Exporte von Waren aus der Europäischen Union in die USA dürften die deutsche Wirtschaft belasten. Vor dem Amtsantritt von US-Präsident Donald Trump im Jänner lag der durchschnittliche Satz nur bei etwa 2,5 Prozent. Die Vereinigten Staaten sind der größte Abnehmer von Waren „Made in Germany“: 2024 setzten die deutschen Exporteure dort mehr als 161 Milliarden Euro um. Hinzu kommt, dass der Euro seit Jahresbeginn kräftig aufgewertet hat. Das verteuert deutsche Waren in anderen Währungsräumen.
Auch ein Konsumboom ist nicht in Sicht. Die Verbraucher zeigten sich zuletzt knausrig: Das für August berechnete Konsumklima-Barometer trübte sich um 1,2 auf minus 21,5 Punkte ein, wie die Institute GfK und NIM zu ihrer Umfrage mitteilten. „Die Verbraucher halten es mehrheitlich nach wie vor für ratsam, das Geld eher zurückzuhalten und nicht für größere Anschaffungen zu verwenden“, sagte NIM-Experte Rolf Bürkl. „Aus unseren tiefergehenden Analysen wissen wir, dass eine generelle Unsicherheit, das Bedürfnis, für schwierige Situationen vorzusorgen sowie die hohen Preise, speziell für Nahrungsmittel, die zentralen Motive dafür sind.“
Wirtschaft der Eurozone legt zu
In der Eurozone hat sich die Wirtschaft im Frühjahr überraschend auf Wachstumskurs gehalten. In den 20 Ländern des Währungsraums habe die Wirtschaftsleistung im zweiten Quartal um 0,1 Prozent im Vergleich zum Vorquartal zugelegt, wie die Statistikbehörde Eurostat am Mittwoch nach einer ersten Schätzung mitteilte. Ökonomen hatten im Schnitt eine Stagnation erwartet. Zu Beginn des Jahres war die Wirtschaft der Eurozone allerdings deutlich stärker gewachsen, um 0,6 Prozent.
Im Vergleich zum entsprechenden Vorjahresquartal wuchs die Wirtschaft der Eurozone in den Monaten April bis Juni um 1,4 Prozent und damit stärker als von Analysten erwartet. Im ersten Quartal hatte das Wachstum im Jahresvergleich bei 1,5 Prozent gelegen. Das stärkste Wirtschaftswachstum meldet Eurostat im Quartalsvergleich in Spanien mit einem Zuwachs um 0,7 Prozent und in Portugal mit 0,6 Prozent.