Die Sprachbilder gehen Josef Herk an diesem Vormittag nicht aus. „Das Fieber geht leicht zurück, ist aber noch da“, sagt er etwa, der Präsident der Wirtschaftskammer Steiermark. Oder: „Die Pfeile bewegen sich zaghaft nach oben“.
Erklären will der Murtaler damit jene ambivalente Situation, die zurzeit in der steirischen Unternehmerlandschaft vorherrscht. Dort dominiert nämlich einerseits immer noch ein gehöriges Maß an Unsicherheit und Investitionszurückhaltung. Andererseits lassen einige Indikatoren im aktuellen Wirtschaftsbarometer der Kammer erahnen, dass zumindest die Talsohle vorerst durchschritten ist.
Womit sich die Einschätzung der 757 steirischen Betriebe, die der Kammer ihr Befinden einmeldeten, auch mit jener der größten Wirtschaftsforschungsinstitute im Land trifft: Wifo und IHS rechnen nach zwei Jahren der Rezession – also sinkender Wirtschaftsleistung – für heuer zumindest wieder mit Stagnation oder gar leichtem Wachstum im Land.
Wie aber ist das Befinden der steirischen Wirtschaft im Detail? Nun, bei der Umsatzentwicklung mit Blick auf die letzten zwölf Monate berichten zum ersten Mal seit Sommer 2023 wieder mehr Unternehmen von positiven als von negativen Zahlen. Der entsprechende Saldo liegt bei 5,1 Prozentpunkten. Auch bei den Erwartungen an die künftige Auftragslage bewegte sich das Saldo immerhin von zuletzt -22,6 Prozentpunkten auf -0,6 Prozentpunkte nach oben. „Die Erwartungshaltung hat sich aufgehellt. Es gibt aber keine Hurra-Stimmung“, fasst WK-Direktor Karl-Heinz Dernoscheg zusammen.
Hemmschuh seien den Unternehmen im Land vor allem die hohen Arbeitskosten – 75 Prozent führten das in der WK-Befragung an – sowie bürokratische Hemmnisse (56,3 Prozent) und hohe Energiekosten (von 49,7 Prozent der Unternehmen angeführt). Auch belastet selbst in Rezessionszeiten noch immer vier von zehn steirischen Betrieben ein Arbeitskräfte- und Fachkräftemangel.
„Wermutstropfen“ Exportwirtschaft
„Als großen Wermutstropfen“ im aktuellen Barometer nennt die Wirtschaftskammer-Spitze die Lage im Exportsektor. Von diesem, speziell für die Steiermark so wichtigen, Segment sei „auch in der zweiten Jahreshälfte keine nennenswerten Wachstumsimpulse zu erwarten“.
Sitzt die steirische Konkurrenz heute größtenteils in der EU, wird „China zunehmend relevant“, wie es von der Kammer heißt. Josef Herks Appell in Richtung der Lohnverhandlungen im Herbst: „Wir dürfen uns nicht noch stärker aus dem internationalen Markt rauspreisen“.