Die Vorboten sind zwar nicht von Euphorie getragen, dennoch zeigten sich zuletzt einige zarte Lichtblicke für Österreichs Konjunktur. So zeigt sich die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) für das heurige Wirtschaftswachstum wieder etwas optimistischer und erwartet ein Ende der Rezession. Die OeNB-Ökonomen rechnen mittlerweile mit einem Plus beim Bruttoinlandsprodukt (BIP) von 0,2 Prozent für 2025, nachdem sie im März noch ein Minus von 0,1 Prozent vorausgesagt hatten.
Auch Raiffeisen Research prognostiziert für dieses Jahr ein Mini-Wachstum der österreichischen Wirtschaftsleistung von 0,2 Prozent. Das Jahr 2025 dürfte somit das Ende der Rezession bringen, lautet auch hier der Tenor.
„Tiefpunkt dürfte durchschritten sein“
Mit Spannung wurde daher die Sommerprognose vom Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) und dem Institut für Höhere Studien (IHS) erwartet. Auch bei der Datenpräsentation von Wifo-Chef Gabriel Felbermayr und IHS-Chef Holger Bonin zeigt sich: „Österreich kehrt langsam auf den Wachstumspfad zurück“, wie es seitens des Wifo formuliert wird. Das Wifo geht nun zumindest von einer Stagnation für das Gesamtjahr aus. „Die österreichische Volkswirtschaft erlebt derzeit die längste Schwächephase der Nachkriegszeit. Der Tiefpunkt der Konjunktur dürfte allerdings durchschritten sein, denn es mehren sich die Anzeichen einer Erholung.“ Diese Erholungsbewegung falle aber „vorerst zaghaft“ aus und bleibe „anfällig für Rückschläge“.
Zur Erinnerung: Ende März hatten beide Institute ein drittes Rezessionsjahr für 2025 vorhergesehen und einen Wirtschaftsrückgang um 0,3 (Wifo) bzw. 0,2 Prozent (IHS) prognostiziert. In den Vorjahren 2023 und 2024 schrumpfte das reale Bruttoinlandsprodukt (BIP) in Österreich bereits um 1,0 Prozent bzw. um 1,2 Prozent.
Das IHS geht für heuer von einem leichten Wirtschaftswachstum von 0,1 Prozent aus. Im kommenden Jahr soll die Wirtschaft dann etwas stärker wachsen. Das Wifo rechnet mit einer etwas dynamischeren Erholung auf 1,2 Prozent. Beim IHS geht man von einer Jahreswachstumsrate 2026 von einem Prozent aus. Damit bleibe Österreich aber weiterhin klar hinter der erwarteten Entwicklung im Euro-Währungsraum zurück. Felbermayr: Österreich bleibe im EU- und OECD-Vergleich „Träger der roten Laterne“. Das durchschnittliche EU-Wachstum wird bei 1,2 Prozent gesehen, der Abstand zwischen Österreich und dem nächstschlechtesten Wachstumsland liege bei 0,6 Prozentpunkten, so Felbermayr, „die Situation der Wirtschaft ist also nach wie vor nicht gut“.
Unwägbarkeiten dominieren
Weiterhin trüben „geopolitische Risiken sowie Unwägbarkeiten hinsichtlich einer Neuausrichtung der internationalen Handelspolitik das außenwirtschaftliche Umfeld und damit den Ausblick für die Exportwirtschaft“, wird betont. Auch die Inflation in Österreich, zuletzt lag die Teuerungsrate bei drei Prozent, sei „im internationalen Vergleich weiterhin hoch“, so das Wifo. Dies schmälere „die preisliche Wettbewerbsfähigkeit und damit die Absatzmöglichkeiten österreichischer Unternehmen“. Felbermayr: „Unsicherheit ist das neue Normal.“
Für 2026 rechnet das Wifo mit einem Anstieg der Wirtschaftsleistung um 1,2 Prozent, im nächsten Jahr dürfte demnach auch die Industrieproduktion „wieder etwas zulegen, sobald sich mit der internationalen Nachfrage das Exportgeschäft belebt“. Mit einer stärkeren und nachhaltigen Erholung sei jedoch „angesichts der zu erwartenden Marktanteilsverluste, die aus dem ungünstigen preislichen Wettbewerbsumfeld folgen, allerdings nicht zu rechnen“.
Fokus auf das Staatsdefizit
Das Budgetdefizit für 2025 soll mit 4,1 Prozent bzw. 4,4 Prozent trotz Sparpaket deutlich über der Maastricht-Grenze von 3 Prozent des BIP liegen. Die Prognose für das Defizit wurde damit gegenüber dem Wert vom März, wo noch von 3,3 bzw. 3,2 Prozent ausgegangen wurde, verschärft. Das gilt auch für 2026, wo die Wirtschaftsforscher nun ein Haushaltsminus in Höhe von 3,9 bzw. 4,1 Prozent des Bruttoinlandprodukts (BIP) erwarten. Das IHS setzt bei seiner Prognose dabei eine „strikte Budgetdisziplin“ voraus - also dass die Vorgaben des Sparpakets umgesetzt werden. Das Wifo rechnet bis 2026 mit einem Anstieg der Staatsschuldenquote auf 85 Prozent.
Inflationsrate bleibt zu hoch
Die Teuerungsrate dürfte den Prognosen zufolge heuer relativ hoch bleiben. Sowohl Wifo als auch IHS rechnen mit einer durchschnittlichen Inflationsrate in Österreich von 2,9 Prozent. Im Folgejahr soll die Entwicklung der Verbraucherpreise dann etwas zurückgehen mit geschätzten Inflationsraten von 2,2 (Wifo) und 1,9 Prozent (IHS). Für die Arbeitslosenquote wird dann von beiden ein Anstieg auf 7,5 Prozent heuer gesehen, gefolgt von einem Rückgang auf 7,3 Prozent 2026. Österreich habe nach wie vor „ein massives Inflationsproblem“, so Felbermayr. Seit 2010 liege Österreichs Teuerungsrate über dem Schnitt der Eurozone. Damit sei ein Verfall der internationalen Wettbewerbsfähigkeit einhergegangen. Der Wifo-Chef sieht darin eine wichtige Aufgabe für Bundesregierung und Sozialpartner, um die Inflationsrate unter den Eurozonen-Schnitt zu bringen.
Bonin: Unrühmliche Spitzenplätze Österreichs
IHS-Chef Holger Bonin verweist auf die „zunächst gute Nachricht“, dass es nun Anzeichen dafür gibt, dass Österreichs Wirtschaft die Talsohle endlich erreicht und nicht mehr schrumpft. Im nächsten Jahr sollte man „wahrscheinlich zurück auf Wachstumskurs kommen, das gilt auch für die gebeutelte Industrie“. Bonin relativiert dennoch: Österreich bleibe im internationalen Vergleich dennoch hinten nach, „wir holen also nicht auf, sondern verlieren weiter an Boden“, so Bonin. Unsicherheiten bleiben ebenso hoch wie der Reformdruck, „die Rahmenbedingungen müssen sich verbessern“, so sein Appell.
Denn Österreich sei in drei Bereichen „unrühmlicher negativer Spitzenreiter“, so Bonin. Der Ökonom nennt ebenfalls die Inflationsrate, die seit 15 Jahren höher ausfällt als der Eurozonen-Schnitt. Über den Weg der Lohn- und Gehaltsabschlüsse, die dadurch ebenfalls entsprechend höher als in anderen Ländern ausgefallen sind, hat sich die Wettbewerbsfähigkeit sukzessive verschlechtert. Um die Inflation nach unten zu bekommen, warnt Bonin vor direkten Preiseingriffen, „das ist das letzte Mittel der Wahl“. Vielmehr schlägt er vor, für mehr Wettbewerb, mehr Transparenz bei Preisen sowie ein Aufbrechen von Indexierungsspiralen und die Auflösung von Mangelerscheinungen etwa bei Wohnungen (durch mehr Bau) sowie bei Energie (durch ein Mehr an erneuerbarer Erzeugung) zu sorgen.
Österreich, so Bonin, sei auch beim gesetzlichen und beim effektiven Pensionsantrittsalter und damit auch bei der Beschäftigung im Alter ein Schlusslicht. Das sei auch ein Standortnachteil. Maßnahmen wie die Teilpension seien gut, Bonin fordert aber „mehr Mut zur eigenen Courage“. Auch bei den Staatsausgaben nehme Österreich einen Spitzenplatz ein – und damit auch bei der Abgabenquote.