Die Frühjahrstagung des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Weltbank läuft noch bis Samstag. Im Zentrum der Debatten steht die Zollpolitik und die möglichen Folgen. Traditionell werden vom IWF aber auch aktualisierte Wachstumsprognosen für die Länder der Welt präsentiert. Der IWF hat dabei – nicht zuletzt aufgrund der Handelskonflikte – die Erwartungen für die Weltwirtschaft gesenkt. Sie soll mit 2,8 Prozent deutlich langsamer wachsen als noch im Jänner prognostiziert, damals wurde noch ein Plus von 3,3 Prozent errechnet. Die Weltwirtschaft werde auf eine „harte Probe“ gestellt, so IWF-Chefvolkswirt Pierre-Olivier Gourinchas mit Blick auf die Handelsstreitigkeiten. Es handle sich um eine „neue Ära“, das globale Wirtschaftssystem werde neu justiert.

Das Wirtschaftswachstum im Euroraum soll laut IWF-Prognose heuer – im Vergleich zur Jänner-Prognose – um 0,2 Prozentpunkte auf 0,8 Prozent sinken. Als Gründe nennt der IWF vor allem Unsicherheit und Zölle. Für Deutschland wird nur noch ein Nullwachstum erwartet.

Negativ sticht aber Österreich hervor. Wie auch die heimischen Wirtschaftsforscher sieht nun auch der IWF für 2025 eine weiter andauernde Rezession, konkret wird nun ein Rückgang der Wirtschaftsleistung um 0,3 Prozent prognostiziert – und damit das dritte Rezessionsjahr in Folge. Auch das Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) und das Institut für Höhere Studien (IHS), aber auch die Nationalbank, erwarten 2025 ein weiter schrumpfendes Bruttoinlandsprodukt (BIP). Im IWF-Vergleich ist Österreich damit das einzige Land in der EU mit einem Rückgang. Für 2026 wird für Österreich ein Wachstum von 0,8 Prozent erwartet.

Im Hintertreffen

Zieht man die Wachstumsvergleiche auf die globale Ebene, zeigt sich, dass Österreich auch im weltweiten Vergleich zu den Schlusslichtern zählt. Denn Österreich befindet sich gemeinsam mit Venezuela, Mexiko, dem Sudan, Südsudan, Äquatorialguinea, Botswana sowie Jemen, Irak, Puerto Rico und Haiti in einer Gruppe, für die der IWF 2025 derzeit eine schrumpfende Wirtschaftsleistung prognostiziert. Ein Blick auf die aktuelle globale IWF-Grafik entfaltet in diesem Zusammenhang noch einmal eine ganz eigene – wenig erbauliche – Wirkung.

Österreich zählt laut aktueller IWF-Prognose zu den wenigen Ländern weltweit, in denen 2025 eine schrumpfende Wirtschaft prognostiziert wird | Österreich zählt laut aktueller IWF-Prognose zu den wenigen Ländern weltweit, in denen 2025 eine schrumpfende Wirtschaft prognostiziert wird
Österreich zählt laut aktueller IWF-Prognose zu den wenigen Ländern weltweit, in denen 2025 eine schrumpfende Wirtschaft prognostiziert wird
| Österreich zählt laut aktueller IWF-Prognose zu den wenigen Ländern weltweit, in denen 2025 eine schrumpfende Wirtschaft prognostiziert wird © IWF

Der IWF betonte dieser Tage, dass die globale Konjunkturprognose unter „besonderen Umständen“ erstellt worden sei. Hintergrund ist das heftige Zollpaket, das Trump am 2. April angekündigt hat und sowohl universelle als auch mittlerweile vorläufig ausgesetzte wechselseitige Zölle vorsieht. Die zu diesem Zeitpunkt fast abgeschlossenen Prognosen hätten über Bord geworfen werden müssen, so der Fonds. „Obwohl viele der geplanten Zollerhöhungen vorerst auf Eis gelegt wurden, hat die Kombination von Maßnahmen und Gegenmaßnahmen die Zollsätze in den USA und weltweit auf ein Jahrhunderthoch getrieben.“ Die Weltwirtschaft habe sich während der schweren Schocks der vergangenen vier Jahre als erstaunlich widerstandsfähig erwiesen und trage immer noch erhebliche Narben davon, heißt es. Nun bestehe die Gefahr, dass die Handelsspannungen durch Vergeltungsmaßnahmen weiter zunehmen, auch die Inflation könnte wieder angeheizt werden, wurde betont.

Prognosen für USA und China gesenkt

Der IWF hat auch die Referenzprognose für die USA als größte Volkswirtschaft der Welt deutlich nach unten korrigiert. Heuer soll das BIP um 1,8 Prozent wachsen (minus 0,9 Prozentpunkte), im kommenden um 1,7 (minus 0,4 Prozentpunkte). „Die Abwärtskorrektur ist das Ergebnis größerer politischer Unsicherheit, Handelsspannungen und eines schwächeren Nachfrageausblicks angesichts eines langsamer als erwarteten Konsumwachstums“, so der IWF. Zu Jahresbeginn sei die Stimmung bei Verbrauchern, Unternehmen und Investoren noch optimistisch gewesen, das habe sich geändert.

Aber auch bei China als zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt sieht der IWF Korrekturbedarf nach unten. So soll Chinas Wirtschaft sowohl in diesem als auch im kommenden Jahr um 4 Prozent wachsen (minus 0,6 Prozentpunkte/minus 0,5 Prozentpunkte). Neben der Schwäche des Immobiliensektors wird Chinas Wirtschaft dem IWF zufolge vor allem vom Handelsstreit mit den USA schwer belastet.

Lagarde: EZB könnte Wachstumsprognose senken

EZB-Präsidentin Christine Lagarde befürchtet ebenfalls, dass der Zollstreit die Wirtschaft in der Eurozone bremsen wird. „Die deutliche Eskalation der weltweiten Handelsspannungen und die damit verbundenen Unsicherheiten werden das Wachstum im Euroraum wahrscheinlich durch eine Dämpfung der Exporte bremsen und könnten auch Investitionen und Konsum nach unten ziehen“, sagte Lagarde bei der IWF-Frühjahrstagung.

Zudem könnte eine sich verschlechternde Stimmung an den Finanzmärkten zu restriktiveren Finanzierungsbedingungen führen, in der Folge könnten sich Unternehmen und Haushalte bei Konsum- und Investitionsentscheidungen zurückhalten, sagte Lagarde laut einem von der EZB veröffentlichten Redetext. Die EZB erwartet nach jüngster Prognose vom März für 2025 ohnehin nur ein Wirtschaftswachstum von 0,9 Prozent in der Eurozone. Sie rechnet zudem mit einer Teuerungsrate von 2,3 Prozent. Da die Inflation in der Eurozone abgeflaut ist, hat die Notenbank den maßgeblichen Einlagenzins kürzlich zum siebten Mal seit vergangenem Sommer gesenkt. Er liegt nun bei 2,25 Prozent. Zum nächsten Zinsentscheid am 5. Juni liegen der EZB neue Projektionen vor.

Rückgang der Gesamtproduktivität befürchtet