Die sechste Zinssenkung in Serie, die siebente seit Sommer des Vorjahres: Die Europäische Zentralbank (EZB) hat die Leitzinssätze abermals nach unten gedrückt. Der EZB-Rat um Präsidentin Christine Lagarde verringert den für Banken und Sparer wichtigen Einlagensatz um weitere 0,25 Prozentpunkte auf 2,25 Prozent. Der Zinssatz, zu dem sich Geschäftsbanken frisches Geld bei der Notenbank besorgen können, fällt ebenfalls weiter: Statt 2,65 Prozent werden dafür nach der jüngsten Entscheidung des EZB-Rats 2,4 Prozent Zinsen fällig.
Im Nachhall der letzten Ratssitzung galt eine Zinspause im April als nicht unwahrscheinlich. Das hat sich in den vergangenen zwei Wochen geändert, die Entscheidung zur Senkung im EZB-Rat sei einstimmig gefallen, so Lagarde auf Nachfrage. Die Wende lässt sich, wie so vieles derzeit, mit der Zollpolitik von US-Präsident Donald Trump erklären. Die daraus resultierende Verunsicherung wirke negativ auf die konjunkturelle Entwicklung, räumt auch Lagarde ein. Auf dem Weg, die Inflationsrate im Euroraum auf das EZB-Ziel von zwei Prozent zu bringen, komme man indes gut voran. Im März lag die Teuerung im Währungsraums bei 2,2 Prozent, in Österreich lag die Rate bei 2,9 Prozent.
Trump und der massive Handelskonflikt waren am Donnerstag auch in der EZB-Zentrale in Frankfurt omnipräsent, auch wenn es Lagarde vermied, den US-Präsidenten direkt zu adressieren. „Die erhöhte Unsicherheit dürfte das Vertrauen der privaten Haushalte und Unternehmen mindern“, erklärte die EZB und verwies auch auf die jüngsten heftigen Börsenturbulenzen. Die Notenbank sprach von „außergewöhnlich hoher Unsicherheit“. Die Notenbank sprach von „außergewöhnlich hoher Unsicherheit“. Auf Sparerinnen und Sparer sowie auf Kreditnehmer wirkt sich die Serie an Zinssenkungen aus (siehe rechts).
Die Folgen der Zinssenkung
US-Präsident Trump wurde im Anschluss an die EZB-Ratssitzung auch aus einem anderen Grund zum Thema. Trump hatte harsche Kritik am Chef der US-Notenbank Fed, Jerome Powell, geübt. Nicht zum ersten Mal, aber diesmal in einer besonderen Schärfe. Trump fordert – unter Verweis auf die Senkungen durch die EZB in Europa – auch in den USA Zinsschritte nach unten. Powell wiederum hat zuletzt deutlich darauf verwiesen, dass die Zollpolitik die Inflation steigen lassen – und gleichzeitig die US-Wirtschaft schwächen könnte. Trump reagierte wütend und ließ über seine Plattform Truth Social wissen: „Powells Kündigung kann nicht schnell genug kommen.“ Rechtlich ist das freilich nicht möglich, Powells Mandat endet erst im Mai 2026. Der US-amerikanische Präsident kann den Notenbank-Chef nicht absetzen. Der Zwist dürfte aber eine Fortsetzung finden.
Auch Lagarde wurde darauf angesprochen. Auf Nachfrage unterstrich sie ihren Respekt für ihren Freund, den Fed-Chef Jerome Powell. Ganz generell – ohne dezidiert auf Trumps Tirade gegen Powell einzugehen –, betonte sie, dass die Unabhängigkeit von Notenbanken fundamental wichtig sei.