Die Verhandlungen von EU und USA über eine Lösung des Zollkonflikts sieht der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz in der Schlussphase. Das sagte er in seiner Sommer-Pressekonferenz in Berlin. Er unterstütze die EU-Kommission dabei, nach Kräften, einen vernünftigen Kompromiss zu finden.

„Je niedriger die Zölle ausfallen auf beiden Seiten, umso besser ist es für beide Seiten“, so Merz. Zölle schadeten allen. Ob man einzelne Sektoren unterschiedlich behandeln könne, sei eine offene Frage. „Auf der europäischen Seite wird das befürwortet, auf der amerikanischen Seite eher kritisch gesehen.“

„Null zu null“ unrealistisch

Merz hatte Anfang Juli gesagt, es komme für ihn vor allem auf die Schlüsselbranchen in Deutschland an: Chemie, Autobau, Pharma, Maschinenbau, Aluminium und Stahl. Es sei unrealistisch zu glauben, dass „wir mit null zu null“ herauskommen, so Merz. Er verwies auf ein Steuer- und Ausgabengesetz in den USA. Dieses habe für den amerikanischen Haushalt eine extreme Wirkung mit großen Einnahmeverlusten.

Schon länger verhandelt die EU-Kommission mit Washington im Zollstreit. US-Präsident Donald Trump hatte Zölle in Höhe von 30 Prozent auf den Import von EU-Produkten ab 1. August angekündigt. Für den Fall, dass die USA den neuen Zollsatz einführen, will die EU unter anderem mit Gegenzöllen reagieren. „Es wird keinen Deal um jeden Preis geben“, sagte Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) am Freitag beim G20-Treffen im südafrikanischen Durban. Die Europäer müssen Klingbeil zufolge geschlossen und entschlossen sein.

Deutsche-Bundesbank-Präsident Joachim Nagel warnte bei dem Treffen vor einem zu starken Entgegenkommen der EU: „Am Ende steht ja unser aller Wohlstand hier auf dem Spiel, wenn man möglicherweise Wirtschaftspolitik macht, die global großen Schaden anrichten kann.“ Die US-Seite solle nicht mit der Situation ein Stück weit spielen.

Zoll-Bremsspuren für deutsche Autobauer

Die Auswirkungen lassen sich schon jetzt sehen: Die Erhöhung des US-Importzolls für Autos aus Europa um 25 auf insgesamt 27,5 Prozent im April hinterlässt starke Bremsspuren in den Bilanzen der deutschen Autobauer. Mit welchen Belastungen zu rechnen ist, besprachen BMW, Mercedes-Benz, Porsche und Volkswagen in nicht-öffentlichen „Pre-Close-Calls“. Die Konzerne geben den Finanzmarktexperten dabei Hinweise zur Geschäftslage für deren Prognosen. Es drohen Gewinneinbrüche im mittleren zweistelligen Prozentbereich.

BMW erklärte, dass die Zölle bereits einen mittleren dreistelligen Millionenbetrag gekostet hätten. Die Volkswagen-Tochter Porsche schluckte den Zoll und erhöhte die Preise nicht: Das führte allein für die Monate April und Mai zu einer Belastung von rund 300 Millionen Euro. VW selbst äußerte sich nicht zum Zolleffekt, der US-Absatz schrumpfte im ersten Halbjahr aber um 8,5 Prozent. Mercedes-Benz kalkuliert unter der Annahme einer gleichbleibenden Erhöhung für das ganze Jahr mit bis zu 3 Prozentpunkten weniger Rendite im Auto-Hauptgeschäftsfeld.