Die hartnäckige Rezession dürfte von einer Phase begrenzten Wachstums abgelöst werden. Das zeigt die jüngste, am Donnerstag präsentierte Mittelfristprognose des Instituts für Höhere Studien (IHS). Für den Zeitraum 2025 bis 2029 hat das IHS eine durchschnittliche Zunahme des realen Bruttoinlandsprodukts von 0,9 Prozent pro Jahr errechnet. Das Wachstum dürfte im Prognosezeitraum um 0,4 Prozentpunkte hinter dem im Durchschnitt des Euroraums zurückbleiben.
Kommentar zum Thema
1,0 Prozent Wachstum 2026
Ausgehend von einem Miniwachstum von 0,1 Prozent heuer sowie 1,0 Prozent 2026 werden für die Jahre 2027, 2028 und 2029 leichte Zuwächse der heimischen Wirtschaftsleistung erwartet: um 1,3 Prozent, 1,2 Prozent bzw. 1,1 Prozent. Damit wächst Österreichs Wirtschaft „deutlich zu schwach“, stellt IHS-Chef Holger Bonin fest. Durch das vergleichsweise geringe Wachstum werde es der wachsenden Bevölkerung wirtschaftlich nicht besser gehen und die Stabilisierung der Staatsfinanzen sei schwieriger.
„Österreich fällt langsam weiter zurück“
Aufgrund des im Euroländer-Vergleich geringeren Wirtschaftswachstums falle Österreich ausgehend von einem hohen Niveau „langsam weiter zurück“, warnt Bonin. „Die Binnennachfrage und die Exporte ziehen etwas an, die weiterhin bestehenden Strukturprobleme im Inland und das schwierige, unsichere internationale Umfeld dämpfen aber das Wachstumstempo“, heißt es in der Mittelfristprognose. Bonin appelliert an die Regierung von ÖVP, SPÖ und Neos, sich stärker mit dem Produktionspotenzial der heimischen Wirtschaft zu beschäftigen. „Österreich braucht eine Produktivitätsoffensive. Das zieht auch Investitionen nach sich.“
Als Hauptgründe für „das mäßige Wachstumstempo“ sehen die Wirtschaftsforscher „die verschlechterte Wettbewerbsfähigkeit der österreichischen Wirtschaft und das schwierige internationale Umfeld, etwa aufgrund der erratischen US-Zollpolitik“.
Weiter zu hohe Inflation
Das IHS prognostiziert für 2025 eine Inflationsrate laut Verbraucherpreisindex von 2,9 Prozent. Mit dem Wegfall des Basiseffekts bei den Energiepreisen – Auslaufen der Stromkostenbremse – und der schwächeren Lohndynamik dürfte die Inflationsrate 2026 auf 1,9 Prozent fallen. Für die Jahre ab 2027 werden Inflationsraten von knapp über 2 Prozent erwartet, sodass sich für den gesamten Prognosezeitraum eine durchschnittliche Inflationsrate von 2,3 Prozent ergibt.
Robuster Arbeitsmarkt
Die Lage am Arbeitsmarkt bleibt trotz der lange anhaltenden Rezession robust. Zwar ist die Arbeitslosenquote zuletzt leicht gestiegen, aber mit der Rückkehr auf einen verhaltenen Wachstumspfad und verstärkt durch eine demografisch bedingt deutlich gedämpfte Zunahme des Arbeitskräfteangebots dürfte die Arbeitslosigkeit ab 2026 wieder zurückgehen. Ausgehend von 7,5 Prozent im laufenden Jahr rechnet das IHS bis 2029 mit einem Sinken der Arbeitslosenquote auf 6,2 Prozent. Die Beschäftigung dürfte um durchschnittlich 0,5 Prozent pro Jahr zulegen.
Erhebliche Abwärtsrisiken
Die Mittelfristprognose des IHS ist mit erheblichen Abwärtsrisiken behaftet. Die erratische Wirtschaftspolitik der USA und die geopolitischen Spannungen halten die Unsicherheiten international weiter hoch, heißt es in dem Bericht des IHS. Zollerhöhungen und eine Schwächung des regelbasierten internationalen Handelssystems könnten den Welthandel und die Industrieproduktion noch stärker dämpfen.
Die mittelfristige Ausweitung des US-Budgetdefizits könnte zu einem Anstieg der langfristigen Zinsen und zu Turbulenzen an den internationalen Finanzmärkten führen. Eine Eskalation der geopolitischen Spannungen könnte die Energiepreise nach oben treiben. Damit wäre die Inflation höher, die Realeinkommen würden sich schwächer entwickeln und die Geldpolitik müsste wohl reagieren.
BIP-Verluste in den USA deutlich höher
Das IHS hat auch die ökonomischen Auswirkungen der US-Handelspolitik auf Österreich und Europa untersucht. Durch den protektionistischen Kurs der Trump-Administration ist der gewichtete durchschnittliche US-Importzollsatz von 2,5 Prozent 2024 auf aktuell 12,3 Prozent gestiegen. Dies gebe Anlass zur Sorge, bei einem Exportvolumen Österreichs in die USA von 3,4 Prozent des BIP würde ein US-Importzoll von 10 Prozent die österreichische Wirtschaftsleistung um bis zu 0,3 Prozent verringern. Laut Modellsimulationen verringern die bisher verhängten US-Zölle die Wirtschaftsleistung Österreichs heuer um 0,2 Prozent und kommendes Jahr um 0,1 Prozent. Im Vergleich dazu sind die BIP-Verluste der USA mit 0,5 Prozent im Jahr 2025 und 0,7 Prozent im Jahr 2026 deutlich größer.
Der globale Warenhandel leidet unter der US-Zollpolitik und dürfte im Prognosezeitraum um durchschnittlich 1,9 Prozent pro Jahr und damit merklich langsamer als die Weltwirtschaft expandieren. Die heimischen Exportmärkte wachsen laut Prognose des IHS von 2025 bis 2029 im Durchschnitt um 2,1 Prozent jährlich.